Dienstag, 13. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 13. Dezember

Das Hurenkind und der Schusterjunge


An dieser Stelle ein kleiner Gruß an die liebste Buchhändlerin meiner Timeline, der ich das heutige Türchen widme, auch wenn das Thema zunächst wohl etwas wüst klingt. (Nein, die Begriffe haben nichts mit Dir zu tun, liebe MH!) Was ist eigentlich ein Schusterjunge und was um Himmels Willen hat ein Hurenkind mit Büchern zu tun? Man stelle sich einen Absatz in einem Buch vor. Beginnt er in der letzten Zeile einer Seite und setzt sich auf der anderen Seite fort, spricht der Setzer von einem Schusterjungen bzw. einem Waisenkind. Wenn nun aber die letzte Zeile des Absatzes auf der nächsten Seite in der ersten Zeile aufhört, hat man ein Hurenkind vor sich, auch Hundesohn oder Witwe genannt. Leider habe ich für mein heutiges Bild nur ein Beispiel für einen Schusterjungen gefunden (Es dauerte lange, bis ...), aber jedes Mal, wenn ich überhaupt einen finde, muss ich den Kopf schütteln, denn Hurenkinder und Schusterjungen gelten als schwere, unverzeihliche, typografische Fehler. Es sieht einfach nicht schön aus und stört das Aussehen des Satzspiegels.

Montag, 12. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 12. Dezember

Die Punze


Heute erkläre ich Dir einen meinen liebsten Begriffe aus der Typografie: Die Punze. Auf dem Bild ist eine mehr oder weniger weihnachtlich umrahmt: Das große A hat eine geschlossene Punze – es ist die umschlossene Innenfläche des Buchstabens, das kleine, spitze, weiße Dreieck im Mittelpunkt. Zu den offenen Punzen gehören die Buchstaben h, m, n und u. Der Begriff stammt aus dem Hochdruckverfahren, als die Zwischenräume der Buchstaben mit einem spezielle Werkzeug ausgeschlagen wurden. Im Englischen verbirgt sich dahinter das Verb to punch (etwas schlagen).

Sonntag, 11. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 11. Dezember

Die Ligatur


Als Nicht-Lateiner wird auf dem ersten Blick vielleicht nicht ersichtlich, was eine Ligatur sein könnte. Übersetzt bedeutet der Begriff Verbindung, und genau so funktioniert sie auch: Es ist eine Art Verschmelzung von mindestens zwei Buchstaben. Doch warum ist das nötig? Einige Buchstaben sind in manchen Kombinationen einfach unschön. Es können Lücken entstehen oder sogar ungewollte, hässliche Verschmelzungen. Um dies zu vermeiden, gruppierte man die Kombination bewusst und harmonisch, sodass eine Ligatur entstand. Häufig passierte dies bei Buchstabenfolgen mit Oberlängen. Im Satz sparte man sich zudem bei Kombinationen wie sch Zeit, wenn man statt drei Typen nur eine nahm. Mit Hilfe von Ligaturen ist nicht nur das Schriftbild hübscher – auch die Lesbarkeit steigt.

Samstag, 10. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 10. Dezember

Die Schriftauszeichnung


Hinter dem Wort Schriftauszeichnung verbirgt sich einfach ausgedrückt das Hervorheben eines oder mehrerer Wörter in einem Text. Es gibt viele Möglichkeiten, wie dies passieren kann. Im ersten Foto ist eine aktive Auszeichnung in den Fokus gerückt: Die wichtige Passage ist durch eine fette Schrift gekennzeichnet. Außerdem können auch Versalien zum Einsatz kommen. Zu viele aktive Schriftauszeichnungen in einem Text können den Lesefluss stören, da sie die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich ziehen.


Auf dem zweiten Bild ist eine integrierte Auszeichnung zu sehen: Die Bildunterschrift ist mit einer anderen Art der Strichstärke gestaltet worden, die in diesem Fall kursiv ist. Auch Kapitälchen gehören in diese Kategorien, Sperrungen. Daneben gibt es noch die negative Auszeichnung, wenn in einem fett gesetzten Text magere Schriften zum Einsatz kommen. Auch andere Farben, Unterstreichungen und Einzüge können als Schriftauszeichnung genutzt werden.

Freitag, 9. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 09. Dezember

Die Schriftgröße und der Schriftgrad


Die Schriftgröße ist sehr einfach zu definieren: Sie umfasst die Höhe der Buchstaben, einschließlich der Ober- und Unterlängen. Das interessante ist hier vielleicht, dass die Schriftgröße in Millimetern gemessen wird, was sich allerdings bis heute nicht durchgesetzt hat – besonders nicht im DTP. Welche Einheit wird stattdessen verwendet? Der typografische Punkt mit 0,376 Millimetern, der wiederum nicht von der Schriftgröße, sondern vom Schriftgrad kommt. Was ist nun der Unterschied zwischen der Schriftgröße und dem Schriftgrad? Letzteres ist eigentlich ein technisches Maß aus der Zeit, als sich das Schriftbild (also ein Buchstabe) auf einem Schriftkegel (zum Beispiel einem Bleiletter) befand, der eine bestimmte Abmessung hatte, sodass sich der Buchstabe in einem vordefinierten Raum befand ([x]). Übrigens gibt verschiedene Höhen: Die Versalhöhe ist durch einen Großbuchstaben vorgegeben, und Buchstaben, die die Mittellänge über- oder unterragen, haben eine Ober- beziehungsweise eine Unterlänge.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 08. Dezember

Der Duktus


Im Foto kann man sehr gut erkennen, was mit dem Duktus gemeint ist. Das s fängt breit an, die Linie wird zur Mitte hin schmaler, und zum Schluss schlängelt sie sich wieder in eine breite Form. Mit dem Duktus ist die Linienführung einer Schrift gemeint. Sie bestimmt den Charakter und die Merkmale einer Schrift oder einer Schriftfamilie. Im Bereich der Kunst steht der Duktus für die Pinselführung, zum Beispiel in einem Gemälde.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 07. Dezember

Die Initale


Leider habe ich in meine neue, kurzfristige Bleibe keins meiner sehr alten Bücher mitgenommen. Als ich die Fotos für den bibliophilen Adventskalender geschossen habe, hatte ich große Sorgen, ob ich wirklich eine Initiale finden werde ... und ich hatte tatsächlich Glück, denn der neue Moers war im Koffer mit mir gewandert. Das verrät, wo Initialen häufig anzutreffen sind: häufig in (sehr) alten Büchern, aber manchmal auch als Schmuck und typografischer Kniff in aktuellen Neuerscheinungen. Die Initiale ist ein großer Schmuckbuchstabe, der vom übrigen Text abgehoben ist. Dies kann der Fall sein, wenn der Buchstabe wesentlich größer, verziert oder mit einer anderen Schriftfarbe gestaltet ist. Je nachdem, wie die Initiale aussieht oder wo sie positioniert ist, wird sie einer anderen Art zugeschrieben. Zwei Beispiele dazu: Sie kann in den Text eingebaut sein, und wenn sie aus Figuren besteht, so ist es eine Figureninitiale.

Vorsicht, Verwechslungsgefahr! (I)

Beim Blättern durch die neuen Vorschauen der Verlage bin ich in den letzten Tagen auf Titel gestoßen, die nicht nur ein ähnliches Thema hatten, sondern eine fast komplett identische Handlung aufwiesen. Ich hoffe nicht, dass solche austauschbaren Titel die Regel werden, aber irgendwie wird es immer schlimmer. Daher meine neue Serie: Vorsicht, Verwechslungsgefahr! Und nein, über die Qualität der vorgestellten Bücher hülle ich mich in Schweigen. Es zählt nur die Ähnlichkeit.


Katie Kacvinsky
Die Rebellion der Maddie Freeman
Boje Verlag, August 2011
978-3414823007


Eine Stadt in den USA, wenige Jahre in der Zukunft: Maddie, 17 Jahre alt, lebt wie alle um sie herum ein digitales, total kontrolliertes Leben. Schule und Verabredungen – das alles findet im Netz statt. Doch dann verliebt sie sich in Justin, einen Rebell aus dem Untergrund, für den nur das wahre Leben offline zählt. Gemeinsam mit seinen Freunden kämpft Justin gegen die Welt der sozialen Netzwerke, in der alles künstlich ist. Dieser Kampf richtet sich gegen die ganz oben – und damit auch gegen Maddies Vater, der das System der Digital School gesetzlich verankert hat. Maddie wird für die Bewegung zu einer Schlüsselfigur. Und sie muss sich entscheiden: Auf welcher Seite will sie stehen?


Andrea Schacht
Kyria & Reb: Bis ans Ende der Welt
Ink, Februar 2012
978-3863960162


Das Vereinigte Europa im Jahr 2125 ist eine Welt der kompletten Überwachung. Das geschieht nur zum Besten der Bürger, sagt Kyrias Mutter, eine hochrangige Politikerin des perfekt gesteuerten Systems New Europe. Doch die 17-jährige Kyria möchte endlich erfahren, wie es ist, sich frei zu fühlen. Als sie in Reb, einem jungen Rebell aus dem Untergrund, einen Verbündeten findet, fliehen die beiden auf abenteuerliche Weise aus New Europe und gelangen in ein fernes Reservat. Dort haben sich die Menschen ein bäuerliches Leben wie in längst vergangenen Zeiten bewahrt. Doch schon bald sind die Verfolger Kyria und Reb auf der Spur. Und das ist nicht die einzige Gefahr, denn alle, die sich der Macht von New Europe entziehen, werden von künstlich ausgelösten Seuchen bedroht. Auch Kyria gerät in den Verdacht, die friedliebenden Menschen des Reservats mit einer Masernepidemie zu vernichten. Zum Glück hat Kyria Freunde an ihrer Seite – und einen jungen Rebellen, der ihr Herz berührt ...


Ich habe das Buch über Maddie Freeman bereits gelesen und fand daher einige weitere Berührungspunkte zum Buch über Kyria und Reb, die ich allerdings wegen möglichen Spoilern nicht nennen mag. Diejenigen, die Maddie ebenfalls gelesen haben, wissen bestimmt, was ich meine. Als ich heute die INK-Vorschau durchblättert habe, war ich richtig erschrocken über diese deutlichen Parallelen.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 06. Dezember

Die Schrift


Zum Nikolaustag habe ich Dir ein größeres Überthema rausgesucht: Die Schrift. Was ist Schrift überhaupt? Letztendlich werden durch sie Gedanken, Beschreibungen, Laute, Reden usw. bildlich in Form der Schrift auf einen Beschreibstoff (Tontafeln, Steine, Holztafeln, Wachstafeln, Papier, Papyrus, Pergament etc.) niedergeschrieben. Dazu wird im ersten Schritt die Information mit Hilfe eines festgelegten Zeichensystem verschlüsselt, dann auf einen Beschreibstoff niedergeschrieben, um dann im letzten Schritt von einem Leser dekodiert zu werden.


Vor der ersten Schrift wurde alles mündlich überliefert. Die Schriften, die sich dann entwickelten, waren sehr bildlich, wie die Hieroglyphen der Ägypter zeigen, doch mit der Zeit entwickelten sich Schriftsysteme, die mehr dazu verwendet wurden, einzelne Laute darzustellen. Das erste Alphabet entwarfen die Phönizier, etwa im 13. Jahrhundert vor Christus. Unsere heutige Schrift entwickelte sich übrigens aus den römischen Kapitalbuchstaben. Es gibt noch weitere, genauere Unterscheidungsmöglichkeiten, doch die sind Teil mehrerer anderer Türchen.

Montag, 5. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 05. Dezember

Das Spatium


Woher kommt eigentlich das Wort Spationieren? Schuldig fühlen sollten sich das Spatium, das beim Bleisatz verwendet wird. Das Spatium ist dort das Blindmaterial, das beim Wortzwischenraum das blinde, nicht zu bedruckende Material bildet. Nicht nur die Abstände zwischen den Wörtern können spationiert werden (um beispielsweise einen schönen Blocksatz zu erreichen), sondern auch der Raum zwischen den einzelnen Buchstaben kann mit Spatien versehen werden, um eine Sperrung zu erreichen (wie der Name des Kapitels S C H W E I G E N im Bild zeigt). War das Blindmaterial im Bleisatz noch greifbar, ist das Spatium heutzutage beim Setzen am Computer oft ein schmales Leerzeichen.

Sonntag, 4. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 04. Dezember

Blocksatz, Flattersatz, Mittelachsensatz


Der Blocksatz gehört zu einer der Möglichkeiten, wie ein Text ausgerichtet werden kann. Die Gestaltung wird Zeilenfall genannt. Beim Blocksatz werden die Wortzwischenräume so erweitert, dass jede Zeile gleich breit ist – nicht nur am Anfang, sondern auch am Ende. Ist der Blocksatz schlecht gesetzt und werden die Wörter zu großzügig getrennt, entstehen Löcher im Text. 

Beim Flattersatz hingegen bleiben die Abstände gleich, und je nachdem, wie der Text ausgerichtet ist (links-, rechtsbündig, axial), flattert eine Seite. Geht es um die Leserlichkeit, haben beide Ausrichtungen Vor- und Nachteile. Dadurch, dass beim Blocksatz jede Zeile gleich lang ist, führt das Auge immer dieselbe Bewegung durch und dieser Zeilenfall gewährleistet einen flüssigen Lesevorgang. Hinderlich sind lediglich die vermehrt auftretenden Worttrennungen. Der Flattersatz gewährleistet durch die gleich bleibenden Wortabstände ebenso ein schnelles Lesen, doch die Augenbewegung wird beim Sprung in die nächste Zeile durch die flatternden Enden gestört.

Als dritte Möglichkeit gibt es den Mittelachsensatz. Im Gegensatz zum Block- und Flattersatz ist der Mittelachsensatz axial angeordnet – er wird in der Mitte des Satzspiegels zentriert, flattert also sowohl nach links als auch nach rechts. In Ermangelung eines Beispiels ist dieser Textblock axial ausgerichtet. Beim Lesen wird Dir vielleicht aufgefallen sein, dass sich durch die unregelmäßigen Zeilenlängen der Rhythmus während des Lesens verändert hat. Häufig werden Gedichte zentriert gesetzt, bei längeren Texten leidet die Leserlichkeit dann doch zunehmend.

Samstag, 3. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 03. Dezember

Die Stege



Damals, in Zeiten den Hochdrucks, gab es in den Bereichen, in denen kein Text stand, verschiedene Stücke, die Blindmaterial hießen. Die größeren Stücke fanden sich zwischen dem Satzspiegel und dem Seitenrand und wurden als Stege bezeichnet. Je nach Position war es entweder ein Kopfsteg (freie Fläche befindet sich oben), ein Fußsteg (freie Fläche befindet sich unten), ein Bundsteg (freie Fläche befindet sich innen) oder ein Außensteg (freie Fläche befindet sich am äußeren Seitenrand).

Freitag, 2. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 02. Dezember

Die Kolumne


Wird ein Text zu einer Seite gestaltet, ist er in Kolumnen angelegt. Das Wort Kolumne stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt »Säule«. Der Text kann ein- oder mehrspaltig sein. Vor allem in Zeitungen, Zeitschriften und Fachbüchern wird der Text in mehrere Kolumnen gesetzt, denn durch die geringe Zeilenlänge muss sich das Auge kaum von links nach rechts bewegen, sondern kann die Spalte senkrecht nach unten fahren. Dadurch verbessert sich die Lesbarkeit des Textes, und das Verständnis steigt. Je schmaler die Kolumne ist, desto schwieriger hat es der Layouter, einen gescheiten Blocksatz ohne Löcher hinzubekommen. Deshalb finde ich persönlich den Flattersatz an dieser Stelle wesentlich hübscher.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Adventskalender für Bücherfreunde

Hier entsteht wieder eine Sammelstelle für Adventskalender rund um das Thema Buch. Letztes Jahr habe ich noch wild alles in einen Topf geworfen, doch langsam entdecken die Verlage Facebook für sich, sodass ich dazu eine extra Rubrik anlegen werde. Viel Spaß beim Stöbern und wenn Du noch einen Geheimtipp hast: Bitte im Kommentar vermerken!


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Letzte Änderung: 13. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 01. Dezember

Der Satzspiegel



Jeder, der ein Buch aufschlägt, hat ihn erst einmal vor sich: Den Satzspiegel. Er umfasst die komplette Fläche, die auf einer Seite von einem Text und auch Bildern eingenommen wird. Schwieriger wird es, wenn es um die Zugehörigkeit weiterer Bestandteile geht, denn während die lebenden Kolumnentitel und die Fußnoten noch zum Satzspiegel zählen, gehören die Seitenzahl und die Marginalien nicht mehr dazu. Der Satzspiegel ist durch die Stege begrenzt, die die Freifläche zwischen Seitenrand und Text markieren. Die Position des Satzspiegels ist nicht an eine Norm gebunden, allerdings wird oft die Regel des Goldenen Schnitts bevorzugt.