Vor einem Jahr habe ich mich zum ersten Mal an einen eigenen bibliophilen Adventskalender gewagt. 24 Tage lang dokumentierte und erklärte ich verschiedene äußere Bestandteile des Buches, angefangen vom Block bis hin zu Exlibris, den fliegenden Vorsatzblättern oder Bauchbinden.
In diesem Jahr werde ich tiefer graben: Was passiert eigentlich im Inneren eines Buches? Welche Besonderheiten hat das Layout? Außerdem werde ich viele typografische Grundbegriffe erklären und hoffe, dass Dir der kleine Ausflug in die Welt der Gestaltung und Buchstaben gefallen wird.
Mittwoch, 30. November 2011
Montag, 21. November 2011
Freitag, 18. November 2011
Testbericht E-Reader – IRiver Story HD
Zum Abschluss meiner kleinen Testserie für E-Book-Reader folgt nun nach dem PocketBook Pro 912 und dem Sony PRS-T1 der Bericht zum IRiver Story HD.
Geprüft wurden die Lesegeräte von meinem Freund während der Frankfurter Buchmesse. Er hat dazu eigens zwei verschiedene PDF-Dateien mitgenommen (eine 100 Seiten lange, in Latex gesetzte Diplomarbeit und eine fette Powerpoint-Präsentation) und fragte, ob er sie zum Testen auf die Geräte spielen durfte. Solche Dateien sagen mehr über die Geschwindigkeit eines E-Readers aus als die einfachen, vielleicht sogar optimierten PDFs, die auf den Geräten gespeichert sind.
Eine ausführliche Fachberatung war leider nicht an jedem Stand möglich, so auch bei IRiver, da der Reader vom Barsortimenter KNV ausgestellt wurde und nicht von IRiver selbst. Deshalb fällt in dieser Serie insgesamt der Bericht von PocketBook sehr ausführlich aus, von IRiver und Sony nicht. Hätten KNV und libri jedoch geschultes Personal vor Ort gehabt, sehe die Gewichtung ganz anders aus.
Erster Eindruck
Meinem Freund hat der IRiver Story HD auf dem ersten Blick sehr gut gefallen. Er hat nicht viel erwartet, aber obwohl das Gehäuse komplett aus Kunststoff ist, fühlt es sich sehr wertig an (ähnlich wie der Kindle). Im Gegensatz zum PocketBook Pro 912 oder zum Sony PRS-T1 hat der IRiver Story HD unterhalb des Displays eine Tastatur mit schmalen Tasten. Die Druckpunkte sind sehr gut, ebenso die Geschwindigkeit beim Blättern. Allerdings durfte Wortschatz auch hier seine eigenen Dateien testweise nicht aufspielen – daher bleibt der flotte Geschwindigkeitseindruck auch nur ein unbestätigter Eindruck.
Bedienung
Die Bedienung erfolgt ausschließlich über die Tastatur, da der IRiver Story HD über kein Touch-Display verfügt. Zusätzlich gibt es eine 5-Wege-Navigationstaste. Wortschatz ist aufgefallen, dass der Einschaltknopf etwas ungünstig liegt: Er befindet sich unten auf der Rückseite, sodass er die Befürchtung hat, eventuell irgendwo hängen zu bleiben, weil der Knopf etwas absteht. Auch beim Transport könnte das Gerät im Rucksack an- und ausgeschaltet werden.
Display
Genau wie der Sony PRS-T1 hat auch das Lesegerät von IRiver ein E-Pearl-Display, das nur sechs Zoll groß ist. Durch das Design des E-Readers wirkte das Display beim IRiver allerdings wesentlich größer. Trotz 16 Graustufen punktet der IRiver Story HD – wie der Name schon verrät – mit einer hohen Auflösung von 1024 x 768 Pixel. Das Lesevergnügen bei der hohen Auflösung wird zusätzlich durch ein flexibleres Zoomen als beispielsweise bei Sony gefördert.
Besonderheiten
Der IRiver Story HD glänzt vor allem durch sein hochauflösendes Display, das bislang alle Konkurrenten in den Schatten stellt. Außerdem liest er alle gängigen Formate, angefangen von EPub, PDF, txt bis hin zum jpg, gif, doc, ppt und weitere. Allerdings war es das auch schon mit den Besonderheiten, denn das Lesegerät von IRiver setzt nur auf die Lesefunktion – und ist somit das perfekte Einsteigergerät. Ein großer Negativpunkt ist, dass laut Rezensionen (noch) keine Volltextsuche möglich ist, weshalb die Tastatur eigentlich sinnlos ist. Zwar hat IRiver Versprechungen gemacht, dass die Volltextsuche nachgerüstet wird. Allerdings hat Wortschatz (als Moderator des größten deutschsprachigen iRiver-Forums) mit der Firma IRiver schon zu mp3-Player-Zeiten schlechte Erfahrungen gemacht, denn Versprechungen haben sie schon damals nicht eingehalten. Da die Volltextsuche nicht funktioniert, fragen wir uns beide bis heute, wofür die Tastatur (Ausnahme: Navigation) eigentlich gebraucht wird. Ideen? Vorschläge? Insgesamt soll der Akku 14.000 Seitenwechsel überdauern, auch mehr als andere Lesegeräte, die es auf die Hälfte schaffen.
Fazit
Der IRiver Story HD ist ein Lesegerät, das sich sehr wertig anfühlt und auch vom Gewicht her sehr gut in der Hand liegt. Interessant ist auch die Möglichkeit, zusätzlich zum 2 GB-Speicher einen SD-Karten-Slot zur Verfügung zu haben (der mit bis zu 32 GB erweitert werden kann). Es bleibt abzuwarten, ob die Firma IRiver ihre Versprechungen einhalten wird.
Geprüft wurden die Lesegeräte von meinem Freund während der Frankfurter Buchmesse. Er hat dazu eigens zwei verschiedene PDF-Dateien mitgenommen (eine 100 Seiten lange, in Latex gesetzte Diplomarbeit und eine fette Powerpoint-Präsentation) und fragte, ob er sie zum Testen auf die Geräte spielen durfte. Solche Dateien sagen mehr über die Geschwindigkeit eines E-Readers aus als die einfachen, vielleicht sogar optimierten PDFs, die auf den Geräten gespeichert sind.
Eine ausführliche Fachberatung war leider nicht an jedem Stand möglich, so auch bei IRiver, da der Reader vom Barsortimenter KNV ausgestellt wurde und nicht von IRiver selbst. Deshalb fällt in dieser Serie insgesamt der Bericht von PocketBook sehr ausführlich aus, von IRiver und Sony nicht. Hätten KNV und libri jedoch geschultes Personal vor Ort gehabt, sehe die Gewichtung ganz anders aus.
Erster Eindruck
Meinem Freund hat der IRiver Story HD auf dem ersten Blick sehr gut gefallen. Er hat nicht viel erwartet, aber obwohl das Gehäuse komplett aus Kunststoff ist, fühlt es sich sehr wertig an (ähnlich wie der Kindle). Im Gegensatz zum PocketBook Pro 912 oder zum Sony PRS-T1 hat der IRiver Story HD unterhalb des Displays eine Tastatur mit schmalen Tasten. Die Druckpunkte sind sehr gut, ebenso die Geschwindigkeit beim Blättern. Allerdings durfte Wortschatz auch hier seine eigenen Dateien testweise nicht aufspielen – daher bleibt der flotte Geschwindigkeitseindruck auch nur ein unbestätigter Eindruck.
Bedienung
Die Bedienung erfolgt ausschließlich über die Tastatur, da der IRiver Story HD über kein Touch-Display verfügt. Zusätzlich gibt es eine 5-Wege-Navigationstaste. Wortschatz ist aufgefallen, dass der Einschaltknopf etwas ungünstig liegt: Er befindet sich unten auf der Rückseite, sodass er die Befürchtung hat, eventuell irgendwo hängen zu bleiben, weil der Knopf etwas absteht. Auch beim Transport könnte das Gerät im Rucksack an- und ausgeschaltet werden.
Display
Genau wie der Sony PRS-T1 hat auch das Lesegerät von IRiver ein E-Pearl-Display, das nur sechs Zoll groß ist. Durch das Design des E-Readers wirkte das Display beim IRiver allerdings wesentlich größer. Trotz 16 Graustufen punktet der IRiver Story HD – wie der Name schon verrät – mit einer hohen Auflösung von 1024 x 768 Pixel. Das Lesevergnügen bei der hohen Auflösung wird zusätzlich durch ein flexibleres Zoomen als beispielsweise bei Sony gefördert.
Besonderheiten
Der IRiver Story HD glänzt vor allem durch sein hochauflösendes Display, das bislang alle Konkurrenten in den Schatten stellt. Außerdem liest er alle gängigen Formate, angefangen von EPub, PDF, txt bis hin zum jpg, gif, doc, ppt und weitere. Allerdings war es das auch schon mit den Besonderheiten, denn das Lesegerät von IRiver setzt nur auf die Lesefunktion – und ist somit das perfekte Einsteigergerät. Ein großer Negativpunkt ist, dass laut Rezensionen (noch) keine Volltextsuche möglich ist, weshalb die Tastatur eigentlich sinnlos ist. Zwar hat IRiver Versprechungen gemacht, dass die Volltextsuche nachgerüstet wird. Allerdings hat Wortschatz (als Moderator des größten deutschsprachigen iRiver-Forums) mit der Firma IRiver schon zu mp3-Player-Zeiten schlechte Erfahrungen gemacht, denn Versprechungen haben sie schon damals nicht eingehalten. Da die Volltextsuche nicht funktioniert, fragen wir uns beide bis heute, wofür die Tastatur (Ausnahme: Navigation) eigentlich gebraucht wird. Ideen? Vorschläge? Insgesamt soll der Akku 14.000 Seitenwechsel überdauern, auch mehr als andere Lesegeräte, die es auf die Hälfte schaffen.
Fazit
Der IRiver Story HD ist ein Lesegerät, das sich sehr wertig anfühlt und auch vom Gewicht her sehr gut in der Hand liegt. Interessant ist auch die Möglichkeit, zusätzlich zum 2 GB-Speicher einen SD-Karten-Slot zur Verfügung zu haben (der mit bis zu 32 GB erweitert werden kann). Es bleibt abzuwarten, ob die Firma IRiver ihre Versprechungen einhalten wird.
Mittwoch, 16. November 2011
Testbericht E-Reader – Sony PRS-T1
Heute folgt der zweite Teil meiner kleinen Testserie für E-Book-Reader. Nachdem wir uns zunächst das PocketBook Pro 912 angeschaut haben, folgt heute der Bericht zum Sony PRS-T1. Am Freitag erwartet uns wiederum ein E-Reader von iRiver.
Erster Eindruck
Der PRS-T1 E-Reader von Sony schien auf dem ersten Blick sehr, sehr, sehr klein zu sein (»Wie ein Taschenrechner in der Schule.«). Klar, denn das Gerät misst mit seinen sechs Zoll nur 17,3 mal 11 Zentimeter. Verstärkt wird der Eindruck dadurch, dass der E-Reader nur neun Millimeter breit ist. Der Rahmen ist sehr dünn und außer dem Display finden sich fünf Tasten auf der Oberfläche. In Deutschland wird er unter anderem vom Barsortimenter libri angeboten.
Bedienung
Die Bedienung erfolgt über den Bildschirm oder über die fünf Tasten. Das Umblättern geht sehr schnell – allerdings durfte Wortschatz auf der Messe seine Dateien nicht auf den Reader laden. Und wer weiß, was für optimierte Dateien auf dem Reader draufgespielt wurden, damit er mit seiner Schnelligkeit glänzen kann. Die Bedienung war während seines Testversuchs nicht ganz so intuitiv wie erhofft.
Display
Der PRS-T1 nutzt dieselbe Display-Technologie wie der Kindle: den Pearl-Ink. Dadurch sind die Kontraste besonders hoch und das »Papier« erscheint reinweiß.
Besonderheiten
Im Vergleich zum PocketBook glänzt der E-Reader von Sony nicht mit Zusatzfunktionen. In der Hinsicht ist das PocketBook vielleicht überladen und eher für Menschen geeignet, die viel ausprobieren und selber einstellen wollen, und der Sony-Reader wird zum Einsteigergerät degradiert. Er wird in den Gehäusefarben Weiß, Schwarz und Rot erhältlich sein. Dieses Mal setzt Sony übrigens auf das Betriebssystem Android – und WLAN ist auch dabei. Mit Hilfe des Browsers lassen sich die schwarz-weißen Seiten des Internets betrachten (16 Graustufen), wobei Videos und Flash-Animationen ausgespart werden.
Fazit
Mit nur 168 Gramm ist der PRS-T1 ein Leichtgewicht. Ist er dadurch aber auch stabil? Vor allem, weil Sony statt Aluminium dieses Mal auf ein Kunststoffgehäuse gesetzt hat? Wortschatz wollte nicht herausfinden, wie leicht man den Reader biegen kann und ob deshalb das Display besonders anfällig für Sprünge ist. Wegen der Größe von sechs Zoll wird Wortschatz ihn für einen Kauf nicht in Erwägung ziehen. Gerade das Zoomen bei kleinen Geräten ist schwierig, wenn man PDFs lesen möchte. Und wie gewöhnlich zahlt man bei Sony viel für wenig – im Vergleich zu anderen Readern ist der Winzling im Preis zumindest riesig (149 Euro).
Geprüft wurden die Lesegeräte von meinem Freund während der Frankfurter Buchmesse. Er hat dazu eigens zwei verschiedene PDF-Dateien mitgenommen (eine 100 Seiten lange, in Latex gesetzte Diplomarbeit und eine fette Powerpoint-Präsentation) und fragte, ob er sie zum Testen auf die Geräte spielen durfte. Solche Dateien sagen mehr über die Geschwindigkeit eines E-Readers aus als die einfachen, vielleicht sogar optimierten PDFs, die auf den Geräten gespeichert sind.
Eine ausführliche Fachberatung war leider nicht an jedem Stand möglich, so auch bei Sony, da der Reader vom Barsortimenter libri ausgestellt wurde und nicht von Sony selbst. Deshalb fällt in dieser Serie insgesamt der Bericht von PocketBook sehr ausführlich aus, von Sony und iRiver nicht. Hätten KNV und libri jedoch geschultes Personal vor Ort gehabt, sehe die Gewichtung ganz anders aus.
Erster Eindruck
Der PRS-T1 E-Reader von Sony schien auf dem ersten Blick sehr, sehr, sehr klein zu sein (»Wie ein Taschenrechner in der Schule.«). Klar, denn das Gerät misst mit seinen sechs Zoll nur 17,3 mal 11 Zentimeter. Verstärkt wird der Eindruck dadurch, dass der E-Reader nur neun Millimeter breit ist. Der Rahmen ist sehr dünn und außer dem Display finden sich fünf Tasten auf der Oberfläche. In Deutschland wird er unter anderem vom Barsortimenter libri angeboten.
Bedienung
Die Bedienung erfolgt über den Bildschirm oder über die fünf Tasten. Das Umblättern geht sehr schnell – allerdings durfte Wortschatz auf der Messe seine Dateien nicht auf den Reader laden. Und wer weiß, was für optimierte Dateien auf dem Reader draufgespielt wurden, damit er mit seiner Schnelligkeit glänzen kann. Die Bedienung war während seines Testversuchs nicht ganz so intuitiv wie erhofft.
Display
Der PRS-T1 nutzt dieselbe Display-Technologie wie der Kindle: den Pearl-Ink. Dadurch sind die Kontraste besonders hoch und das »Papier« erscheint reinweiß.
Besonderheiten
Im Vergleich zum PocketBook glänzt der E-Reader von Sony nicht mit Zusatzfunktionen. In der Hinsicht ist das PocketBook vielleicht überladen und eher für Menschen geeignet, die viel ausprobieren und selber einstellen wollen, und der Sony-Reader wird zum Einsteigergerät degradiert. Er wird in den Gehäusefarben Weiß, Schwarz und Rot erhältlich sein. Dieses Mal setzt Sony übrigens auf das Betriebssystem Android – und WLAN ist auch dabei. Mit Hilfe des Browsers lassen sich die schwarz-weißen Seiten des Internets betrachten (16 Graustufen), wobei Videos und Flash-Animationen ausgespart werden.
Fazit
Mit nur 168 Gramm ist der PRS-T1 ein Leichtgewicht. Ist er dadurch aber auch stabil? Vor allem, weil Sony statt Aluminium dieses Mal auf ein Kunststoffgehäuse gesetzt hat? Wortschatz wollte nicht herausfinden, wie leicht man den Reader biegen kann und ob deshalb das Display besonders anfällig für Sprünge ist. Wegen der Größe von sechs Zoll wird Wortschatz ihn für einen Kauf nicht in Erwägung ziehen. Gerade das Zoomen bei kleinen Geräten ist schwierig, wenn man PDFs lesen möchte. Und wie gewöhnlich zahlt man bei Sony viel für wenig – im Vergleich zu anderen Readern ist der Winzling im Preis zumindest riesig (149 Euro).
Montag, 14. November 2011
Testbericht E-Reader – PocketBook Pro 912
Wortschatz, mein langjähriger Gefährte, ist sehr penibel, wenn es um Elektronik geht. Ein neuer MP3-Player? Kein Problem, allerdings müssen vorher ein halbes Jahr lang mindestens Testberichte gelesen, Meinungen eingeholt und Preisentwicklungen beobachtet werden. Dasselbe beim neuen Laptop, und spätestens bei der Kamera schmunzelte unser Familienkreis.
Als ich ihm von meinen diesjährigen Arbeitszeiten auf der Frankfurter Buchmesse berichtete, beäugte er mich schon mit einem fragenden Gesichtsausdruck: „Gibt’s da auch E-Reader?“ Ich wusste, dass er schon länger auf der Suche nach dem passenden Lesegerät war, denn den Kindle habe ich ihm vor einigen Wochen ausgeredet. Und so ging er mit einem USB-Stick bewaffnet am Mittwoch nach Frankfurt und schaute sich drei aktuelle Lesegeräte von PocketBook, Sony und iRiver an. Seine Meinung möchte ich hier zusammen mit meinen eigenen Eindrücken wiedergeben.
Zwar hätte ich diesen Bericht gerne ausgeweitet, beispielsweise mit den neuen Geräten von ASUS oder Onyx, aber die hatten auf der Messe nichts ausgestellt. Einen Stand von Amazon mit dem Kindle oder den von Acer hat Wortschatz nicht gefunden, denn eine zentrale Anlaufstelle für E-Reader fehlte. Ebenfalls ungünstig war, dass beispielsweise Sonys E-Reader nur vom Barsortimenter Libri und iRiver bei KNV ausgestellt war. Auf seine Fragen konnten die Mitarbeiter an den Ständen überhaupt nicht eingehen, teilweise fehlten die einfachsten Grundlagen. Bei der Frage, ob er seine Testdateien mal auf den Reader von Sony
und iRiver laden dürfe, kamen Fragen wie: »Und wie? Nein, geht nicht.« Auch hier wäre ein eigener Stand von Sony und iRiver sehr von Vorteil gewesen, denn beim eigenen Stand des Herstellers Pocketbook löcherte er die geschulten Mitarbeiter fast eine Stunde lang mit Fragen (keine Übertreibung!). Es ist eigentlich nicht zu glauben, dass die Hersteller von E-Readern nicht schon längst einen festen, gemeinsamen Platz auf der Frankfurter Buchmesse haben – wer den Präsentierteller Messe nicht nutzt, muss sich nicht wundern, wenn die potentielle Zielgruppe noch verhalten auf die neuen Geräte reagiert. Doch nun zunächst, der Bericht vom Pocketbook Pro 912.
Erster Eindruck
Wortschatz verbrachte fast eine Stunde am Stand des Herstellers. Die Mitarbeiter waren sehr aktiv und engagiert und suchten den Kontakt zum Kunden. Sie hatten das PocketBook Pro 612 und das PocketBook Pro 912 am Stand, wobei Wortschatz nur ein Auge auf den 912er geworfen hat, dieser soll vor allem zum Lesen von Fachbüchern und Vorlesungsskripte und -folien benutzt werden, weshalb die 6-Zöller aufgrund der viel zu kleinen Displays nicht in Frage kamen. Beide Geräte von Pocketbook sind praktisch baugleich und unterscheiden sich nur durch die Displaygröße; das eine hat ein sechs und der andere ein 9,7 Zoll großes E-Ink-Display. Das PocketBook hat einen Metallrücken, wodurch der Reader sehr stabil wirkt. Er war ganz gut verarbeitet – nichts hat geklappert oder geknirscht. Ganz empfindliche Produkttester würden vielleicht die Lautstärketasten an der Seite und den Stylus samt seinem Einschub kritisieren, die nicht so gut wie die restlichen Knöpfe verarbeitet sind, wobei Wortschatz nicht nachgefragt habt, ob es sich auf der Messe schon um die endgültige Version handelte. Eine dicke Neoprenschutzhülle wird bei der Bestellung mitgeliefert.
Bedienung
Die verwendete Displaytechnologie E-Ink Vizplex, das über eine induktives Touchdisplay verfügt, ermöglicht es, den E-Reader mit einem Stylus oder komplett mit Tasten zu bedienen. So lassen sich bequem Notizen in ein Dokument einfügen, die minimal verzögert, aber ohne Probleme verarbeitet werden. Beim Anlegen einer Notiz wird ein »Screenshot« vom aktuellen Bildschirminhalt gemacht, sodass die Seite bearbeitbar wird. Die Notizen werden als Lesezeichen angelegt und als Bilddatei abgespeichert (der Verkäufer war sich nicht mehr sicher, ob als jpg oder gif) und können später bei Bedarf ausgedruckt werden. Beim Blättern war das PocketBook Pro 912 »einen Tick« langsamer als die Geräte von Sony und iRiver – allerdings hatten es die Daten, die er per USB auf eines der Geräte laden durfte, auch in sich: Eine 100 Seiten lange Diplomarbeit als PDF, die aus Latex exportiert wurde, und eine 30 MB große Powerpoint-Präsentation mit 120 Folien (inklusive Grafiken und Excel-Tabellen). Normale PDF und Epub-Dateien dürften nicht wesentlich langsamer gelesen werden als auf den anderen Geräten. Die Diplomarbeit wurde richtig flott geladen und auf der Powerpoint-Präsentation (ebenfalls als PDF umgewandelt) konnte er sich Notizen machen – sehr praktisch beispielsweise für die Nutzung im Studium. Der PocketBook kämpfte etwas mit der Powerpoint-Präsentation, wobei die Datei mit Abstand die »gruseligste PDF-Datei« war, die er im Laufe seines Studiums bekommen hat und den Fehler eher Powerpoint zuschreiben würde.
Besonderheiten
Generell fand Wortschatz die Stufen, mit denen in ein Dokument hinein- und wieder hinausgezoomt werden konnte, sehr fein abgestimmt – wesentlicher feiner als beispielsweise beim Kindle. Dadurch kann der Zoomgrad beim Lesen von PDFs sehr genau eingestellt werden.
Eine Besonderheit ist die Reflow-Funktion, mit der PDFs on the fly umgewandelt werden, sodass die Schriftgröße (wie aus Epubs bekannt) verändert werden kann. Bei schlecht erstellten PDF-Dateien können hier allerdings die Bilder verrutschen. Bei der von ihm getesteten Diplomarbeit (mittels Latex erstellt) waren die Bilder jedoch alle am vorgesehenen Platz.
Und zum Schluss plaudere ich ein wenig aus dem Nähkästchen: PocketBook ist gerade dabei, einen E-Book-Reader mit farbiges E-Ink-Display zu entwickeln, als Verkaufsstart ist bislang der Sommer 2012 angepeilt. Die Bestrebungen in diesem Bereich sind nicht neu, aber durch die E-Ink-Technik ist es schwer, dies auch umzusetzen, ohne allzu viel Kontrast und Fingerpräzision zu verlieren. PocketBook hat noch kein vorzeigbares Modell (Geschwindigkeit muss noch verbessert werden). Als Startpreis wird der vom aktuellen Top-Modell angestrebt. Ich bin gespannt und voller Hoffnung, dass einem Hersteller auf diesem Gebiet endlich der technische Durchbruch gelingt.
Display
Das Display ist nicht so weiß wie das Pearl-Ink-Display von Amazons Kindle oder Sonys neuem Reader, aber auch nicht gelb wie Recyclingpapier (»Es störte mich überhaupt nicht.«), eben etwas gräulich. Ein großer Nachteil, der aber auf alle auf dem Markt befindlichen Reader zutrifft, ist allerdings, dass es sich um Glasdisplays handelt, welche empfindlich auf Stöße reagiert. Im Netz hat er schon von einigen Problemfällen gehört. Und wenn Du die gesprungenen Displays der hässlichen Apfelhandys schon einmal gesehen hast, kann man sich gut vorstellen, wie das bei einem E-Reader so aussehen könnte.
Das PocketBook Pro 912 arbeitet mit einem induktiven Touchdisplay und kann deshalb mit einem Stylus bedient werden. Sony beispielsweise hingegen arbeitet mit einem Infrarotsensor, der im Rahmen sitzt und die Bewegung der Finger erfasst. Der Vorteil beider Methode ist, dass keine weitere Schicht auf dem Display für die Touchfunktionalität benötigt wird, die oft den Kontrast verschlechtert und zu verstärkten Reflexionen führt. Aber zurück zum PocketBook Pro 912: Ein Lagesensor im E-Reader dreht das Bild je nach Lage des Displays in die richtige Richtung, wobei er die Arbeit bei der furchtbaren Powerpoint-Präsentation verweigerte.
Anschlüsse
Es gibt einen Slot für Mikro-SD-Karten (den der Kindle beispielsweise nicht hat), WLAN, Blutooth und optional G3. Außerdem gibt es regelmäßig Software-Updates.
Weitere Informationen gibt es unter der Herstellerwebsite.
Freitag, 4. November 2011
Aus dem Alltag einer Buechereule – Ich packe meinen Koffer und nehmen mit ...
Letztens stand ich in meinem Zimmer, um mich herum schätzungsweise 700 bis 800 Bücher, raufte mir die Haare, fluchte ein wenig, lief panisch herum und stellte mir die Frage, welche meiner Lieblinge ich unbedingt mitnehmen musste.
Mitnehmen wohin eigentlich? Ich habe mich im Sommer für mehrere Praktikumsstellen in München beworben, Ende September kam die erste Zusage, während der Frankfurter Buchmesse dann der Wohnungsvertrag. Wortschatz und ich behausen nun seit Montag ein kleines Wöhnchen im Osten von München. Und eben weil unser Auto nicht das größte ist, stand ich letzte Woche etwas panisch in meinem Zimmer mit einem Fragezeichen im Gesicht. Drei große Kisten durfte ich mit Kram füllen: Klamotten, Bettwäsche, Handtücher, Kamerazeug, Laptop, alle Akkuladegeräte, Kosmetikartikel, Schuhe und anderer Kleinkram. Schon bald musste ich noch mehr fluchen, denn die dicken Pullover, Stiefel und Wollponchos waren nicht wirklich platzsparend, und ich schaute zunehmend verzweifelt auf meinen großen Bücherstapel, der vielleicht horrende Ausmaße annahm! Aber absolut berechtigt, denn schließlich bin ich für ein halbes Jahr weg und muss für jede Situation und Leselust gerüstet sein.
Zuviel? Zu wenig? Ich fühle mich wohl mit der Zahl und schaffte es tatsächlich, alle Bücher nach München zu schmuggeln. Was hättest Du mitgenommen?
Mittwoch, 2. November 2011
Buchmesse 2011 – Eulen auf der Frankfurter Buchmesse
Mit welchen Argumenten ich Wortschatz wohl überreden kann, mir so ein Ullstein-Buchregal zu bauen? Oder so eine Fototapete zu »erlauben«? Letzteres würde ich wohl auch ungefragt in meinem zukünftigen Bücherzimmer aufstellen, so frech bin ich dann doch. Wird schließlich mein persönliches Refugium werden.
Montag, 31. Oktober 2011
Buchmesse 2011 – Impressionen von den Publikumstagen
Diese Frankfurter Buchmesse war komisch. Im Nachhinein bilanzierten die Organisatoren mehr Besucher, aber auch weniger Aussteller. Letzteres ist mir gleich aufgefallen. Ich habe sechs Tage lang in der Halle 3.0 gearbeitet und war in einer der hinteren Reihe gewesen. Uns gegenüber war eine Druckerei aus Korea, die so gar nicht in diese Halle zu passen schien. Zumindest war ich letztes Jahr in der Halle der ausländischen Verlage, in denen auch Druckereien vertreten waren. Mein Verdacht, dass der Platz uns gegenüber vielleicht mit Nachzüglern aufgefüllt worden war, bestätigte sich, als einige Messearbeiter am Mittwoch den frisch gelegten, grauen Teppich aufrissen, durch einen grauen ersetzten, wieder aufrissen und durch einen orangefarbenen und einen roten ersetzten. Plötzlich rollten die Mitarbeiter riesige donutförmige Sitzkissen an und verschwanden genauso schnell, wie sie aufgetaucht waren. Je länger ich auf meinen Beinen stand (täglich über zehn Stunden), desto verführerischer wurde das Sitzgebäck. Diese visuelle Grausamkeit potenzierte die Messe während den Publikumstagen, als plötzlich mehrere Masseure auftauchten und zehnminütige Massagen gegen eine Spenden anboten. Allein vom Zusehen schmerzte mein Nacken und verkrampfte sich mein Kreuz.
Wen vermisste ich eigentlich als Aussteller? Vor allem viele kleine Independent-Verlage haben sich die Frankfurter Buchmesse dieses Jahr aufgespart. Die Leipziger Messe sei lukrativer, da sie eine Publikums- und keine Lizenzmesse ist. Die Stände seien zu teuer, die Stellplätze unattraktiv. Und immer wieder das Leipzig-Argument. Aber auch die Stiftung Lesen fehlte beispielsweise in diesem Jahr ganz, und mehrere Besucher zogen enttäuscht fort, als ich zunächst im Ausstellerkatalog wühlte, nichts fand und schließlich die Reihen selber absuchte. Die Stiftung war immer ein Aussteller in nächster Nachbarschaft gewesen.
Weniger Aussteller, mehr Besucher? Während den Fachbesuchertagen war mein Eindruck gemischt. Vor allem Vormittags war der Andrang jeden Tag überwältigend und überraschend hoch, um dann nachmittags komplett zusammenzubrechen. Abends waren die Hallen so gut wie leer. Und die Publikumstage? Dieses Jahr war es die Hölle! Seit sechs Jahren bin ich inzwischen auf der Frankfurter Buchmesse unterwegs, und noch nie kamen mir die Hallen so überfüllt, die Gänge so überbevölkert und die Rolltreppen so überfrachtet vor. Besonders der Samstag war abnormal, als hätten sich die Besucher wie Bakterien alle paar Minuten heimlich geteilt. Ich wollte von der Halle 3.0 hoch zu 3.1 und dann schnell zu 4.1, um dann zum Schluss in 4.0 Wasser einkaufen zu gehen. Ich habe mehr als eineinhalb Stunden gebraucht.
Vor den Rolltreppen ballten sich die Menschenmassen. Direkt am Eingang von Halle 3.1 ordneten Sicherheitsleute die Besucher, teilweise warteten 150-200 dicht gedrängt darauf, ins Erdgeschoss runterfahren zu dürfen. Als ich die Halle 3.1 betrat, stand vor der Glastür ebenfalls Sicherheitspersonal und ließ die Menschen nicht mehr auf diesem Weg aus der Halle. Als alternative Route empfahlen sie den Weg über die Treppe entlang der weitläufigen Terrasse vor 3.1. Ich merkte mir den Weg und lief schließlich über den Platz in Richtung der Hallen 4.0 und 4.1. Die Rolltreppen bildeten auch hier das Nadelöhr, Sicherheitspersonal ersetzte hier noch die Bänder zwischen den Etagen. Stellenweise war das Gedränge so unerträglich, dass ich mich geschubst und gedrückt an die Loveparade erinnert fühlte. Sowohl in 4.1, als auch in 4.0 war kaum ein Durchkommen möglich. Entnervt gab ich auf.
Der Sonntag war ähnlich voll und mit der Zeit entwickelte ich meine eigenen Abkürzungen und Tricks, um möglichst schnell und unbeschadet von einem Ort zum anderen zu gelangen. Ich lief diagonal durch die Hallen, mied Kreuzungen und Lesungen, nutzte die Randgänge und liebte die geheimen Seitenstraßen, die nur wenige nutzten.
Vielleicht war es doch gar nicht so schlimm, dass das Lesezelt in diesem Jahr einen neuen Standort hatte und quasi ausgelagert war. Der Platz um den Audi-Pavillon war besonders zur Mittagszeit überfüllt, und eine zusätzliche, kilometerlange Schlange hätte dieses Mal sämtliche Kapazitäten gesprengt. Was blieb mir als Eindruck von der Frankfurter Buchmesse 2011 zurück? Das Gefühl, eben dieses Gefühl nicht wirklich zu besitzen. Ich hatte keine einzige Veranstaltung besuchen können, nahm an keiner Diskussion teil, hörte keiner einzigen Lesung zu. Stattdessen arbeitete und fror ich, da die Lüftung auf Hochtouren lief und mir beständig trotz Beschwerden kalten Wind in den Nacken pustete. Eine eisige, übervölkerte Buchmesse war es gewesen. Ein schönes Gastland hat uns besucht. Und ich muss unbedingt herausfinden, wo man diese Vorhänge herbekommen kann.
Freitag, 28. Oktober 2011
Buchmesse 2011 – Merkwürdige Besucher (IV)
Ich verteilte rund 5000 Magazine während den fünf Messetagen. Es ist ein netter, allerdings sehr anstrengender Job, da man den ganzen Tag auf den Beinen ist und aktiv auf andere zugehen muss, um ihnen dann glücklicherweise ein gutes Produkt anzubieten. Ich habe sehr viele Menschen gesehen, aber niemand ist mir so gut im Gedächtnis geblieben wie dieses eine Mädchen.
Sie gehörte genau in meine Zielgruppe, ich ging lächelnd auf sie zu und hielt ihr das Magazin hin und erklärte kurz, worum es geht. Statt mein Lächeln zu erwidern, starrte sie mich an und während meiner Erklärung senkten sich ihre Augenbrauen immer tiefer. Irgendwann schaute sie nicht mehr grimmig, sondern richtig böse drein und ich hakte sie innerlich schon ab, aber sie griff bereitwillig nach dem Heft, während ihr Blick immer wütender wurde.
Ich habe noch nie in so schwarze, böse Augen geblickt. Die Messe schien plötzlich ein Stockwerk tiefer in der Hölle gelandet zu sein. Oder ich war einfach durch ein Wurmloch mitten rein in einen Horrorfilm gerutscht. Ich strahlte sie an, wünschte ihr einen schönen Tag und ließ mir nichts anmerken. Das Mädchen verstaute stumm und wortlos das Magazin in ihrem Rucksack, warf mir einen abgrundtief hasserfüllten Blick zu und wanderte weiter.
Sie war vielleicht zehn, oder elf Jahre alt, und ich verstand wirklich nicht, wie jemand meiner zwei-Espresso-Laune so widerstehen konnte. Ich verteilte weiter meine Magazin, schaute mal links, mal nach rechts in den Gang, verteilte munter weiter, und erblickte das Mädchen plötzlich wieder. Sie stand an der Ecke und schien genervt auf jemanden zu warten. Als sich unsere Blicke kreuzten, lächelte ich sie an, doch sie reagierte auch darauf nicht, warf mir gönnerhaft ihren hasserfülltesten Blick zu und verschwand.
Sie gehörte genau in meine Zielgruppe, ich ging lächelnd auf sie zu und hielt ihr das Magazin hin und erklärte kurz, worum es geht. Statt mein Lächeln zu erwidern, starrte sie mich an und während meiner Erklärung senkten sich ihre Augenbrauen immer tiefer. Irgendwann schaute sie nicht mehr grimmig, sondern richtig böse drein und ich hakte sie innerlich schon ab, aber sie griff bereitwillig nach dem Heft, während ihr Blick immer wütender wurde.
Ich habe noch nie in so schwarze, böse Augen geblickt. Die Messe schien plötzlich ein Stockwerk tiefer in der Hölle gelandet zu sein. Oder ich war einfach durch ein Wurmloch mitten rein in einen Horrorfilm gerutscht. Ich strahlte sie an, wünschte ihr einen schönen Tag und ließ mir nichts anmerken. Das Mädchen verstaute stumm und wortlos das Magazin in ihrem Rucksack, warf mir einen abgrundtief hasserfüllten Blick zu und wanderte weiter.
Sie war vielleicht zehn, oder elf Jahre alt, und ich verstand wirklich nicht, wie jemand meiner zwei-Espresso-Laune so widerstehen konnte. Ich verteilte weiter meine Magazin, schaute mal links, mal nach rechts in den Gang, verteilte munter weiter, und erblickte das Mädchen plötzlich wieder. Sie stand an der Ecke und schien genervt auf jemanden zu warten. Als sich unsere Blicke kreuzten, lächelte ich sie an, doch sie reagierte auch darauf nicht, warf mir gönnerhaft ihren hasserfülltesten Blick zu und verschwand.
Mittwoch, 26. Oktober 2011
Buchmesse 2011 – Hotlist-Party
Am meisten freute ich mich während der Frankfurter Buchmesse auf die Hotlist-Party der Independent-Verlage, die dieses Jahr im Frankfurter Sinkkasten abseits der Zeil lag. Wie sah mein Abend denn so aus? Zunächst einmal befand ich mich eigentlich ab 17.30 Uhr mitten in der Preisverleihung zum Deutschen Jugendliteraturpreis und wühlte mich irgendwann zum Schluss rasch durch das Büffet, um zumindest etwas anderes als ein großes Frühstück im Magen zu haben. Dann folgte ein Desaster nach dem anderen: Die Straßenbahn fuhr vor meiner Nase weg, dann die S-Bahn und irgendwann begann ich zu rechnen: Ich hatte genau zwölf Minuten Zeit, um vom Bahnhof aus nach Hause zu fahren, mir etwas wärmere Sachen für den Abend anzuziehen, Haare und Make-up zu überprüfen, mich nochmal wegen der Zugverbindung zu versichern (die abends sehr tückisch sein können), mir die Sinkkasten-Adresse rauszusuchen und meine Fotoausrüstung einzupacken, um wieder zurück zum Zug zu düsen. Der Grund? Eigentlich sollte ich von der Preisverleihung Fotos für den Veranstalter machen. Ach herrje!
Schließlich kam ich an und hatte nur sensationelle zehn Minuten Verspätung angesammelt. Die Moderatoren, bestehend aus Jakob Augstein und Charlotte Roche, waren noch mitten in der Vorstellungsrunde. Perfekt. Der mit 5000 Euro dotierte Hauptpreis ging dieses Jahr an die Frankfurter Verlagsanstalt für Nino Haratischwilis Roman »Mein sanfter Zwilling«. Die Autorin war so überrascht, dass sie nach der obligatorischen Blumenstraußübergabe und der Rede vom Verleger Joachim Unseld erst einmal eine rauchen musste.
Warum habe ich mich auf diesen Abend eigentlich so besonders gefreut? Zunächst einmal, weil einer »meiner« Titel auf der Hotlist gelandet ist (John Ashbery: »Ein weltgewandtes Land«), zum anderen weil ich unglaublich ausgehungert war. Obwohl Freitag war, hatte ich von der Buchmesse praktisch noch überhaupt nichts gesehen (Stichwort: katastrophale Pausenzeiten), und die Gästeliste auf Facebook versprach so einige Überraschungen, die tatsächlich alle eintraten. Ich traf viele liebe alte Kollegen eines Frankfurter Verlags (besonders S.J., M.B. und A.S. können sich hier angesprochen fühlen), lief R.W. mal wieder über den Weg (das haben wir auf der Messe dauernd geschafft, fabelhaft!), begegnete meinen allerallerliebsten Kollegen A.K. und C.L., lief doch tatsächlich der lieben Twitterfrau W.L. über den Weg und zum Schluss durfte ich auch R.K. und ihre lustigen Erlanger Kommilitoninnen draußen vor der extrem langen Warteschlange begegnen. Schade, dass wir uns am Tag darauf verpasst haben! Nach diesen freudigen Treffen und vielen neuen Bekanntschaften mit anderen Independent-Verlegern war die Messe für mich gerettet.
Besonders schön war die Verleihung des Melusine-Huss-Preises im Laufe des Abends. Schon ziemlich früh am Abend entdeckte ich unter den Gästen ein bekanntes Gesicht, einen Autor, den ich bislang nur in den Feuilletons der Zeitungen gesehen habe. Ein wenig deplatziert wirkte er, verloren und fast schon schüchtern, aber als er den Preis tatsächlich gewann, freute ich mich umso mehr für ihn: Peter Kurzeck vom Stroemfeld Verlag gewann den Melusine-Huss-Preis für seinen Roman »Vorabend«. Gerade weil er so oft nominiert, aber dann doch nicht gewonnen hatte (Ausnahme: der Grimmelshausen-Preis), freute ich mich für Kurzeck; und bei der Preisvergabe strahlte der Schriftsteller so richtig.
Montag, 24. Oktober 2011
Buchmesse 2011 – Unbekanntes Flugobjekt: Twitterschlangen
Der Audi-Pavillon sieht von außen schon sehr spektakulär aus. Was erwartete aber nun den Besucher, wenn er es wagte, sein Inneres zu betreten? (Es sah ja alles sehr formell und unnahbar aus.) Eine große Halle, in schwarz gehalten, mit runden, weißen, wellenförmigen Flächen, die mich glauben ließen, in einem elegant zerlegten, gigantischen Audi-Modell zu lustwandeln. Eine Bühne bot Platz für arg wichtige Diskussionen (als ich da war, wurde der Plagiat-Guttenberg zerlegt), danach kam der Eingang zur Antiquariatsmesse, die ich an diesem Ort als letztes vermutet hätte. Das warme Licht am Eingang und die gemütlich wirkenden Regale und Vitrinen mit echten, alten Büchern wirkten in dem klinisch schnöden Raum wie der Eingang zu einer nur allzu verlockenden Hölle. Für einen Ausflug dahin war meine Pause allerdings zu kurz.
Interessant war das Gebilde in der Mitte der Halle, umzingelt zwischen Bühne und einem Café: An 132 Druckern an der Ecke ringelten sich schmale Papierschlangen herab, die die Besucher zum Anfassen und Rätselraten animierte: Was war das nur?
Ein kurzer Blick genügte, um in den kurzen, datierten Textschnipseln mit kruden Abkürzungen Twitternachrichten zu erkennen. Bis heute hat sich mir allerdings nicht erschlossen, nach welchem Prinzip diese Tweets ausgewählt wurden, um in Echtzeit von der Decke des Audi-Pavillons gespuckt zu werden. Ich entdeckte keinen gemeinsamen Hashtag (#fbm11 wäre doch interessant gewesen!), sodass es vielleicht doch die persönliche Timeline des Künstlers Christopher Baker gewesen sein könnte? Auf alle Fälle kritisiert der Amerikaner mit seiner Installation vielleicht den irrsinnigen Datenmüll, der durch die modernen Kommunikationsmittel entsteht oder versucht in dieser digitalen Welt die gegenwärtige Poesie neu zu entdecken. Ich hätte auf alle Fälle gerne ein wenig Zeit gehabt, um mir das Ergebnis der Druckarbeiten am Sonntag anzusehen.
Donnerstag, 20. Oktober 2011
Buchmesse 2011 – Unbekanntes Flugobjekt: Audi-Pavillon
Eigentlich war ich mir ganz sicher: In der Agora auf dem Buchmesse-Gelände ist ein unbekanntes Flugobjekt gelandet, bis ich dann doch vom Gegenteil überzeugt wurde. Statt Antiquariats- und Lesezelt machte sich hier der Audi-Pavillon breit. Gewagte Formen, lauernde Beleuchtung, imposante Erscheinung. Sein Innenleben (falls man sich das Betreten überhaupt traute) bestand aus der Antiquariatsmesse und einer StoryDrive Bühne und einem dazugehörigen Kino samt Kunstinstallation. Einen Wegweiser zum Lesezelt hätte dieses Jahr so mancher Besucher gebraucht. Für mich ist dies ein weiterer Schritt, um sich von der Publikumsmesse in Leipzig abzugrenzen.
Mittwoch, 19. Oktober 2011
Deutscher Jugendliteraturpreis 2011 – Die Sieger
Es war mal wieder soweit: Am Freitag wurden während der Frankfurter Buchmesse die Sieger des diesjährigen Deutschen Jugendliteraturpreises in den Kategorien Bilder-, Kinder-, Jugend-, Sachbuch, Preisträger der Jugendjury und Sonderpreis für den Übersetzer ausgezeichnet. Und ich saß im Saal Harmonie mitten im Publikum und drückte mehr oder weniger wissend die Daumen.
In der Kategorie Bilderbuch hat Martin Baltscheit (Text, Illustration) gewonnen. »Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor« (Bloomsbury Kinderbücher & Jugendbücher) ist für Kinder ab fünf Jahren empfohlen und berichtet von einem älter werdenden Fuchs, der sehr vergesslich wird. Letztlich kann der alte Fuchs nicht einmal mehr Hund als Hunde erkennen, und diese als Feinde erfassen. In der stärksten Szene des Bilderbuches gestaltet der Autor und Illustrator eine bewegende und drängende erlebte Rede des Fuchses bei der Begegnung mit den Hunden. Ich habe es mir am Tag danach durchgelesen und fand ein sehr ernstes, teilweise beklemmendes Buch vor mir. Einzig die Gewissheit, dass der Fuchs zum Schluss behütet bei den Jüngeren altern darf, nahm dem Buch den Schrecken. Das Thema Alzheimer wird hier sehr nachdenklich stimmend verarbeitet und hat mich lange nicht mehr losgelassen.
In der Kategorie Kinderbuch gewannen die Autorin Milena Baisch und die Illustratorin Elke Kusche mit ihrer Geschichte: »Anton taucht ab« (Beltz & Gelberg). Cool wie kein anderer, ein Meister der Schlagfertigkeit, in allen Chatrooms zu Hause, aber vor einem See als Badestelle muss er kapitulieren. Der pointensicher aus Antons Sicht erzählte Roman besticht durch seine ironische Brechung der Abenteuerheldengeschichte, seine treffsichere und mitreißende Erzähllust und nicht zuletzt auch durch sein finales Wort: »Karramba!«
Wolfgang Herrndorf gewann mit »Tschick« (Rowohlt Berlin Verlag) die Kategorie Jugendbuch. Es gibt sie tatsächlich: die sprichtwörtliche Walachei. Dorthin unterwegs sind zwei Jungs, die beide aus verschiedenen Gründen Außenseiter und 14 Jahre alt sind. Mit Tempo und Witz begleitet der Autor seine wie zum Anfassen ausgeführten Figuren auf ihrer Reise durch die deutsche Provinz, ohne auch nur eine Sekunde aus den Augen zu verlorern, dass Tschick und Maik tatsächlich erst 14 sind. Das feine Gespür des Autors für jugendrelevante Themen, komische Dialoge, der jugendlich-authentischen Erzählton und der bis zum filmreifen Finale konsequent durchgehaltende Spannungsbogen machen den Roman herausragend. Ich werde ihn auf alle Fälle lesen.
Sehr stark war in diesem Jahr die Kategorie Sachbuch vertreten. Gewonnen haben schließlich Alexandra Maxeiner (Text) und Anke Kuhl (Illustration) mit ihrem Titel: »Alles Familie!« (Klett Kinderbuch Verlag). Das Sachbuch, ab vier Jahren geeignet, zeigt nicht nur normale Familien auf, sondern vor allem alle möglichen anderen Konstellationen, in denen Alter, Geschlecht und Verwandtschaftsgrad kunterbunt durcheinander gehen können. Die bei allem Karikaturistischem doch auch ernsthafte Auseinandersetzung vermittelt dem lesenden Kind: Jede Familie ist einzigartig, egal ob dezent oder geräuschvoll, Faul oder umtriebig, denn: Jede Familie hat ihren charakteristischen Geruch. Der Autorin gelang es, diese Auseinandersetzung völlig wertefrei anzustoßen und beim Blättern hatte ich sehr großen Spaß: Was die alles für Einfälle und Umsetzungen hatten!
»Erebos« von Ursula Poznanski (Loewe Verlag) gewann den Preis der Jugendjury, die alle nominierten Titel auf der Bühnen szenisch umsetzten. In Erebos geht es um Nick, der Computerspiele liebt und Erebos ist das beliebteste Spiel. Als fiktive Spielfigur taucht Nick völlig in die virtuelle Phantasiewelt ein. Doch Erebos ist nicht nur ein Spiel, denn es befiehlt Jugendlichen, Aufträge in der Realität zu erfüllen und einander zu überwachen. Der Leser begleitet Nick in die Welt von Erebos und erlebt, wie leicht ein Spiel manipulieren und einen selbst von Grund auf verändern kann. Der Einfluss von Medien auf Jugendliche stellt den Leser nicht zuletzt vor die Frage, wie weit er selbst für ein Spiel gehen würde.
Der mit 10.000 Euro dotierte Sonderpreis für den Übersetzer ging an Tobias Scheffel, der sich auf französische Kinder- und Jugendliteratur spezialisiert hat. Mit außerordentlichem Sinn für sprachliche Ästhetik, für die Möglichkeiten und Grenzen von Kulturtransfer und für die Rezeptionsbedingungen innerhalb der Zielkultur rückt er diese hierzulande ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Über 100 Titel hat er mittlerweile übersetzt. Dank seiner Sensibilität für Sprachrhythmus und -melodie und seiner Lust am schöpferischen Umgang mit der Sprache trifft Tobias Scheffel für jeden Text den angemessenen, authentischen Ton. Er gibt den von ihm übersetzten französischen Autoren auf diese Weise auch im Deutschen eine eigene, unverwechselbare Stimme. Nach der Preisverleihung schnappte ich mir ein sehr skurriles Kinderbuch, das er übersetzt hatte und staunte über die vielen Sprachspiele, der er gekonnt ins Deutsche übertragen hat.
Insgesamt waren es eineinhalb Stunden, die sehr rasch vergingen. Marc Langebeck führte als Moderator durch das Programm und sprach vom digitalen Gespenst, das sich in der Buchbranche umtreibe (sehr originelles Thema, ächem!). Regina Pantos, die Vorsitzende des Arbeitskreises Jugendliteratur, stellte die Arbeit der neunköpfigen Jury und den sechs Leseclubs der Jugendjury vor, die fast 600 Titel sichten mussten, um aus ihnen dann die Sieger zu wählen. Der Staatsminister Bernd Neumann überreichte die Preise. Im Anschluss gab es leckere Häppchen und Fingerfood im Foyer vor dem Saal. Ich weiß gar nicht mehr, ob es vor zwei Jahren einen Nachtisch gegeben hat, auf alle Fälle hätte ich ihn so und so verpasst, denn bald schon hatte ich meinen nächsten Abendtermin.
Montag, 17. Oktober 2011
Buchmesse 2011 – Merkwürdige Besucher (III)
Sehr geehrter Herr von Mythenmetz,
vielen Dank, dass Sie es dieses Jahr auf die Frankfurter Buchmesse geschafft haben, nachdem ich 2010 bereits Gerüchte über Ihr Erscheinen gehört habe. Ich hoffe, Sie haben sich wohl gefühlt, trotz all der ausgestellten Bücher in den übervollen Hallen, die Sie bestimmt an Buchhaim erinnert haben. Schade, dass es Ihr Übersetzer nicht an den Stand geschafft hat; selbst wenn Sie öfter mit ihm im feuilletonistischen Streit liegen, hat er aus Ihren famosen Werken doch lesbare Übersetzungen gemacht. Versöhnen Sie sich doch bitte mit ihm, damit weitere Übersetzungsarbeiten problemlos und schnell vonstatten gehen können.
Mit freundlichen Grüßen,
die Büchereule
Samstag, 15. Oktober 2011
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