Montag, 23. April 2012

Welttag des Buches 2012


Auch wenn Du es vielleicht nicht mehr hören, sehen und lesen kannst: Ich wünsche Dir trotzdem einen schönen Welttag des Buches, lieber Leser. Ich hoffe, Du hast heute ein bisschen Zeit zum Blättern gefunden, so wie ich. Wenn auch ein wenig unruhig. Und vielleicht hast Du sogar zu den 33.333 Leser gehört, die heute Bücher verschenken durften?

Mittwoch, 18. April 2012

Leipziger Buchmesse 2012 – protoTYPE (I)

Im vorangegangenen Blogpost habe ich angedeutet, warum ich überhaupt beruflich auf der Messe war. Nein, die Interviews mit den Autoren habe ich in meiner freien Zeit gemacht, ebenfalls die Gespräche und das Knüpfen von Kontakten wegen eines Herzensprojekts (mehr dazu später). Der Grund hieß schlichtweg: protoTYPE.


Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bzw. das Forum Zukunft hat eine Initiative begründet, um die Zukunft der Buchbranche mit innovativen Ideen zu bereichern. Ich gehörte nach einer denkwürdigen Videobewerbung zu den glücklichen Stipendiaten, merci dafür. Ich reiste am Donnerstag an, um den Einleitungsvortrag am Freitagabend zu hören. Die richtige Arbeitsphase für das Projekt füllte meinen kompletten Samstag und Sonntag aus. Ob das Leipziger Messegelände an den Wochenenden wohl voller war als an den Tagen zuvor? Ich habe keine Ahnung, saß ich doch von frühmorgens bis spätabends in einem schicken Konferenzzimmer des Congress Centers.

Was ereignete sich am ersten Tag des Workshops? Es gab ein »Get to know«, ein Briefing zum »Elevator-Pitch«, anschließend ein »Lunchspeed«, ein Voting zum Ideen-Ranking. Das tippe ich gerade mit einem schmunzelnden Augen, der Börsenverein liebt englische Ausdrücke, aber Scherz beiseite, es folgt nun ein detaillierter Bericht.

Dorothee Werner vom Forum Zukunft sprach in der Begrüßung voller Tatendrank von einer Aufbruchsstimmung, Ronald Schild, der Geschäftsführer der MVB, sah in dem dem Projekt eine innovative Vorhut der Buchbranche. »Keine Raubritter, sondern Menschen mit neuen Ideen.« Wie kamen diese Ideen zwischen Frühstück und Lunchspeed zustande? Gemeinfreie Ideen, die die Akteure der Buchbranche als Basis für neue Innovationen nutzen können? Impulse, die Probleme der Gegenwart lösen, um die Zukunft erträglich zu machen? Während des Ideenbasars bildeten sich zwei Gruppen unter den Teilnehmern: Die Ideengeber (»Ideenhosts«) schnappten sich Stifte und skizzierten ihre Ideen auf vorbereitete Flipcharts, die Ideenprüfer schlenderten durch das Konferenzzimmer und ließen sich von den Ideen überzeugen. Oder auch nicht, dann ging die Wanderschaft und das Prüfen weiter. Manche Ideen gewannen Anhänger, andere hingegen ähnelten anderen Vorschlägen, sodass sie zusammengefügt werden konnten. Zum Schluss brauchte jeder Prototyp einer Idee genug Anhänger, um zum Elevator-Pitch vorgelassen zu werden, wo sie dem großen Publikum innerhalb eines begrenzten Zeitfensters vorgestellt wurde. Am Ende des Tages musste jeder Punkte für die besten Ideen vergeben, sodass wieder gnadenlos ausgesiebt wurde. So konnten sich die Endgruppen formieren.


Was für Ideen haben sich dem Elevator-Pitch gestellt?
1. Eine B2B-Plattform, in der Rechteinformationen gebündelt werden, um außerdem eine Lizenz-Schnittstelle verschiedener Branchenteilnehmern zu bilden.
2. Ein unparteiisches Abrechnungsverfahren für digitale Güter zwischen dem Verlag und der Plattform (z.B. beim Flatrate-Modell).
3. Eine Content-Plattform für Endkunden, in der alle Erscheinungsformen eines Artikels aufgelistet werden, sodass ein Formatwechsel nach dem Erwerb des Contents ermöglicht wird.
4. Ein Modell, was es Endkunden ermöglicht, ein eigenes Buch zusammenzustellen (z.B. Kochrezepte, eigener Reiseführer) und Verlagen, die ihre Inhalte in die Datenbank laden, so ein neues Vertriebsmodell ermöglicht.
5. Eine Plattform, die Informationen für E-Reader bereitstellt und ein Qualitätssiegel an E-Books vergibt.
6. Ein B2B-User-Support, an denen sich z.B. Buchhändler wenden können, wenn ihr Kunde eine Frage bezüglich seines E-Readers, seines E-Books etc. hat. Der Support soll auch Webinare bereitstellen.
7. Eine Open Source Software zur Erstellung von grafisch anspruchsvollen E-Books.
8. Ein Online-Shop, der besser ist als ein großer Marktführer. Alle Branchenteilnehmer sollen eingebunden werden, also sowohl Verlage als auch Buchhandlungen.
9. Eine Studie, die die Zukunft des digitalen, stationären Buchhandels und seine Möglichkeiten ermittelt.
10. Ein Katalog mit Werkzeugen, Möglichkeiten, Methoden, wie eine Buchhandlung auch in Zeiten von Internet attraktiv sein kann (vor allem: Was für Möglichkeiten hat ein stationäres Geschäft online?).

Ich hab während des Ideenbasars sehr stark zwischen zwei Ideen geschwankt und zum Schluss lieber auf den Kopf als auf das Herz gehört: Einerseits das Abrechnungsverfahren für digitale Güter, andererseits die Möglichkeit, erst den Content zu erwerben und sich erst danach für das Medium entscheiden zu müssen. Das Thema Flatrate ist spätestens seit den Musikanbietern simfy und spotify und seit skoobe für den appleaffinen Teil der Buchbranche in aller Munde, aber ich konnte mir nicht vorstellen, wie ein mediumunabhängiger Einkauf in Zeiten der Buchpreisbindung möglich sein könnte. Wahrscheinlich kommt diese Idee für die Buchbranche ein paar Jahre zu früh, sodass die Umsetzung des Prototypen lediglich nach einer Link-Sammlung mit vielen Metadaten klang. Ich entschied mich für das Abrechnungsverfahren und setzte tatsächlich auf das richtige Pferd: Diese Idee erhielt in der Endrunde die meisten Stimmen. Trotzdem war ich unglücklich, denn spätestens beim Namen des Projekts (»Digital Content-Accounting-Clearing-Center«) wird vielleicht deutlich, dass Mitglieder des Börsenvereins als Teilnehmer in der Gruppe saßen und ich mich vor einer hyperbürokratischen und hyperumständlichen Aufgabe fürchtete, die lediglich von der Idee und einem engagierten Gruppenleiter überzeugte.


Mein Clearing-Center landete auf dem ersten Platz, auf dem zweiten tummelten sich das Gütesiegel für E-Books, inklusive Informationsplattform und der Werkzeugkasten für die Sortimenter. Ebenfalls gut kam der User-Support für E-Books im B2B-Bereich an. Eine kleine Gruppe engagierte sich stark für die Open-Source-App zum Zusammenstellen von eigenen E-Books im Baukasten-System. Auf den fünften Platz kam der Shop, der besser sein wollte als alles bislang dagewesene und mit diesem letzte Prototypen standen die besten fünf bzw. sechs Ideen fest. Am Sonntag sollten sie ausformuliert, geplant, zugeordnet und für die ersten Meilensteine vorbereitet werden. Dazu später mehr ... denn vieles kam ganz anders, als erwartet.

Freitag, 13. April 2012

Leipziger Buchmesse 2012 – Innovationen

Die Zeit ist reif für Innovationen. Und wie gedeihen sie am besten? Erst einmal durch Förderung, dann durch Zusammenarbeit. Und genau diese Möglichkeit will der Börsenverein bzw. das Forum Zukunft schaffen. Die Stunde für die Aktion ProtoTYPE begann. Ich freute mich unheimlich auf die Aktion und war gespannt, was der sonst eher spröde und unflexible Börsenverein alles zustande bringen konnte. Auf einer Auftaktveranstaltung lernte ich als Teilnehmerin und Stipediatin der Aktion die ersten Teilnehmer kennen.


Auf der Podiumsdiskussion lobte man ProtoTYPE. Es sei eine Botschaft, so Leander Wattig, Berater und Blogger. Die Tendenz gehe hin zu Kooperationen; man würde stärker zusammen- und weniger hierarchisch arbeiten, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Zu demselben Schluss kam Cao Hung Nguyen vom EPIDU-Verlag. Es werde alles dynamischer. Betroffen ist derzeit davon vor allem der Buchhandel. Die Sortimenterin Kathrin Stürmer hoffte, mit Hilfe von ProtoTYPE neue Impulse setzen zu können. Auch bei den Verlagen seien Innovationen ein Thema, wusste Thomas Tacken vom Rowohlt Verlag zu berichten. Die größte Hürde seien oft die internen. »Es müssen Strategien gefunden werden, diese Strukturen aufzubrechen«, so Tacken. Sehr souverän trat die Veranstalterin Dorothee Werner auf. Sie sei für alle Ideen offen und freue sich darauf, den Wandel mitzugestalten.

Die Diskussion schlängelte sich um viele wage Themen: Es ging um Ideen und Kreativität und Pläne, welche Strategien sie fördern und welche sie verhindern. Es ging um den Wandel der Berufsbilder in den Verlagen, um Amazon und den Online-Buchhandel, um den Trekstore-Reader für den Buchhandel, die großen Ketten. Und immer wieder um den stationären, kleinen Buchhandel. Besonders traurig fand ich da den Moment, als es hieß, dass die Beratungskompetenz ins Web abwandert und somit der letzte große Vorteil der Buchhändler verloren geht. Der soziale Kontakt, ein Grundbedürfnis der Menschen, der da noch als Argument dagegen gehalten wird, muss gegen verkrustete Sortimenterstrukturen und die unglaublich gute Logistik von Amazon ankämpfen. Inmitten des Sterbens der Innenstädte. Traurig.

Was wünschten sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion, die zugleich entweder Experten oder Teilnehmer bei ProtoTYPE sind, von den zwei Tagen Workshop, die danach folgten? Konstruktive Gespräche, spannende Geschäftsmodelle, neue Kontakte, Austausch und der Wunsch, die Buchbranche glücklich zu machen.

Mittwoch, 11. April 2012

Leipziger Buchmesse 2012 – Königlich Wohnen


Unsere Wohnung im Leipzig war ein absoluter Glücksgriff. Und ich werde absolut nichts verraten, da ich nächstes Jahr wieder hier übernachten möchte. Mmmhh!


Montag, 9. April 2012

Leipziger Buchmesse 2012 – Buchmesse-Party (III 1/2) und (IV)


Der Freitag während der Leipziger Buchmesse war ... Kennst Du diese verrückten Road-Movies, die man nur in Träumen erleben kann? Die immer irrer und wahnsinniger und verrückter werden und nie aufzuhören scheinen? So war der Freitag für mich. Wir kamen spät von der Messe und machten uns Ausgeh-Schick. Den Tag hatte ich lediglich wegen Schoko-Müsli, einem Marzipan-Crêpe, eineinhalb Bubble Teas und der herrlichen Suppe vom Stand der Frankfurter Buchmesse überlebt, also knurrte mir nun beträchtlich der Magen. Um kurz nach acht Uhr streunten wir durch die Straßen von Leipzig und schafften es, trotz zwei internetfähiger Smartphones, die Adresse eines uns empfohlenen Restaurants nicht zu finden. Als wir es schließlich doch schafften (mit Hilfe von ortskundigen Leipzigern, merci!), blieben wir mehr als zwei Stunden dort. Der Zunftkeller war unglaublich urig und wir tauschten die Vorspeisen untereinander aus und meine Spätzle schmeckten trotz Knoblauch wunderwunderbar. Pappsatt genehmigten wir uns noch einen Kindereisbecher mit drei Löffeln und einem Sahneberg.


Um halb elf stellten wir uns die Frage: Wohin nun? Nach zwei Telefonanrufen waren wir draußen, es dauerte zwei Minuten, bis wir ein Taxi für uns begeistern konnten und ab ging die Fahrt ... in einen Irish Pub, wo ich plötzlich mitten in der Raucherecke saß und eine Stunde lang versuchte, die Luft anzuhalten. Aber die Fotos waren klasse, an den Wänden. Auf einem zog sich – eventuelle der Wirt? – die Unterhosen von hinten runter. Als Schwarzweiß-Fotografie.


Nachdem ich eine Stunde lang die Luft angehalten, freundlich genickt und immer wieder in meine Cola hineingatmet hatte, ging die Fahrt weiter. Statt zu viert waren wir jetzt zu sechst und wir beschlossen, zuerst zur Hoca zu fahren, um dann zur Party der Jungen Verlage zu fahren. War es dafür nicht schon zu spät? Nein, Hoca – die Party des Verlags Hoffmann & Campe – sollte erst um 22 Uhr beginnen, die Party der Jungen Verlage startete um 21 Uhr. Unsere Zeiteinteilung schien also nur logisch zu sein. Wir teilten uns auf zwei Taxen auf, ich saß im ersten.


Leipzig bei Nacht ist unheimlich blau. An jeder Straßenecke ist irgendeine Werbetafel, eine Lampe oder eine Ausleuchtung, die knallblau leuchtet und strahlt, sodass die Augen schmerzen. Effektive Werbung sieht anders aus, Blau wirkt da einfach nicht. Der Taxifahrer war schnell und langsam krochen wir schließlich an dem Ort des Geschehens vorbei: Die Hoca-Party. Interessanterweise war das komplette Lokal leer. Draußen entdeckten wir mehrere Frauen. Einer von uns sprintete aus dem wartenden Taxi und ermittelte von den Diogenes-Damen, dass die Party nie wirklich angefangen hat. Ungläublich, verwirrt und ein bisschen belustigt gaben wir dem Taxifahrer neue Anweisungen und kehrten um. Noch auf dem Weg riefen wir den Rest im zweiten Taxi an, um ihren Zielort ebenfalls zu ändern. Sie trafen noch vor uns ein.


Etwas ungläubig trafen wir auf der Party der Jungen Verlage ein. Im Irish Pub hatten wir noch darüber spekuliert, ob wir zur Hoca-Party überhaupt eingelassen werden würden, da die Eintrittskarten im Vorfeld sehr stringend verteilt worden waren. Und nun diese Pleite. In der Alten Hauptpost war hingegen für die Uhrzeit (es war inzwischen halb eins) die Hölle los.


Während meine Kollegen sich Getränke holten, nutzte ich die Gelegenheit, um in der punktuell lichtdurchfluteten Dunkelheit Fotos zu machen. Blende auf 1.8 und ab ging die Party für mich. Ich liebe solche Gelegenheiten, wenn man durch den Sucher die Menge beobachtet, sich interessante Details auspickt und versucht, den Rhythmus der flackernden, bunten Lichter auf das gewünschte Motiv zu verfolgen. Mehr denn je wurde mir klar, dass ich mir eine noch geringere Brennweite wünsche, ich Weitwinkel-Kind.


Ich gesellte mich zu den anderen, verlor sie immer mal wieder. Viele verschwanden auf dem Klo und kamen für Stunden nicht zurück. (Wegen der Schlange davor.) Ich traf wieder nette Menschen (wieder), besonders freute ich mich über FT, der hier natürlich nicht fehlen durfte und andere Indie-Menschen, von denen ich viele zumindest vom Sehen her kannte. Die Welt ist klein, vor allem die der Indie-Verlage. Ich glaub, um zwei Uhr waren wir wieder in der Wohnung. Um halb sieben musste ich wieder aufstehen. Das ist das ewige Leid der Messetage.


Freitag, 6. April 2012

Leipziger Buchmesse 2012 – Architektur


Meine ersten Eindrücke der Leipziger Buchmesse sind im Stress und der Hektik untergangen. Es war voll, es war warm und es war hell. Ist es ein Zufall, dass die zwei Wochen Buchmesse in Frankfurt und in Leipzig immer schönes Wetter haben? Bis zum Ende strahlte die Sonne, sodass die Vorzüge des Leipziger Buchmessegeländes zur Geltung kamen.


Das Buchmesse-Gelände liegt kompakter zusammen als die Hallen in Frankfurt. Eine unüberschaubar große Glashalle verbindet im Zentrum liegend alle anderen Hallen mit Hilfe von gläsernen Röhren. Man hat das Gefühl, ständig draußen zu sein, ein Gefühl, das sich in Frankfurt nur beim Überqueren der Agora oder in Halle 3 in der Nähe der Fensterfront einstellt. Frankfurt ist mir im Gegensatz zu Leipzig als dunkler Ort im Gedächtnis geblieben, weil ich jahrelang neun Stunden im hinteren Bereich der Halle 3.0 gearbeitet habe. Ich kam früh morgens, wenn die Sonne aufging und ging abends, wenn sich der Himmel in ein atemraubendes Rot verfärbte.


Leipzig besteht in meiner Erinnerung aus Licht, Glas, Pflanzen und Wasser. Der Haupteingang hat eine große Brunnenanlage, die fast ebenerdig von einem Weg durchkreuzt wird, sodass ich durch das Wasser laufen konnte. In der Haupthalle stehen Bäume. Irgendwie ist es sehr schade, wie verschwommen meine Erinnerungen sind. Den Freitag habe ich zur einen Hälfte gearbeitet, den Rest des Tages nutzte ich zum Pläneschmieden mit RK. Den kompletten Samstag und Sonntag habe ich im Congress Center verbracht. Nächstes Jahr, liebe Leipziger Buchmesse. Nächstes Jahr werde ich jeden deiner Winkel untersuchen und entdecken.


Mittwoch, 4. April 2012

Leipziger Buchmesse 2012 – Autoreninterviews


Der Freitag in Leipzig fing viel zu früh an. Obwohl ... meine Tage in Frankfurt begannen immer zwischen 8.30 und 8.50 Uhr, und so fand ich es umso erstaunlicher, dass in Leipzig der Einlass um 10 Uhr war. Ich fand mich plötzlich in einem stressigen Morgen wieder, obwohl ich rechtzeitig aufgestanden war und sogar genügend Zeit zum Frühstücken hatte. Doch dann rannte ich plötzlich zu Straßenbahn, rannte zum Pressezentrum, rannte zu den Pforten mit den Scannern, rannte durch die ersten Glasröhren, durch die gläserne Haupthalle in der Mitte, rannte an Besuchern, Verlegern, Autoren, Pressemenschen, Mangafiguren vorbei, rannte zu einer Abzweigung – Mist, falsche Abzweigung! – rannte zur nächsten Halle und stand plötzlich japsend mit der Videokamera vor dem ersten Termin. Fünf Minuten zu spät. Das Stativ in München.

Ich half bei zwei Interviews mit. Einmal bei der sehr netten, überraschend angenehm normal gebliebenen und herrlich frisch aussehenden Ursula Poznanski und einmal beim Altmeister und Herr der tausend Abschweifungen, Wladimir Kaminer. Letzteren wollte ich schon immer einmal mit eigenen Augen erleben, da ich nicht nur seine Kurzgeschichten gern gelesen sondern auch die Hörbücher grinsend gehört habe. Und er enttäuschte mich nicht, überlegte nach jeder gestellten Frage mindestens 20 Sekunden und ausdrucksloser Miene und holte dann mit einer Antwort aus, die einer Mythenmetzschen Abschweifung alle Ehre machte, bis einmal – vielleicht – sogar eine Antwort auf die Frage kam. Faszinierend!


Montag, 2. April 2012

Leipziger Buchmesse 2012 – Buchmesse-Party (II)

Donnerstag, kurz vor oder nach Mitternacht: Unser Weg führte uns zu den Resten der meistherbeigesehnten Party des Abend. Die Beteiligten? PaperC, das Forum Zukunft und die Börsenvereinsgruppe in Bricks Cocktailbar, einer schicken, bunten Kneipe mit Leipziger Edelcharme. Irgendwie kamen wir rein, wir mussten uns nur weit genug durch irgendwelche Namen wühlen. Den eViolisten haben wir verpasst und nahmen dann eine Mischung aus DJ mit Mainstream-Musik und asynchroner Leinwandprojektion hin.


Auf der Feier fanden wir um die Uhrzeit den nettesten Haufen der Messe vor, nicht mehr ganz nüchtern, aber wirklich witzig. Es war schon fast leer gewesen und eine Erleichterung nach dem Gedränge bei Aufbau. Es gab nette Gespräche mit RK, auch wenn sie sich nicht mehr daran erinnern kann, ich lernte eine Prof aus E. kennen und spielte mit ihm mehrere Bachlor- und Masterszenarien durch (hat mich sehr gefreut, A.) und führte mit einem PaperCler krude Gespräche über Kameras, an die er sich bestimmt auch nicht mehr erinnern kann. Manchmal ist es wirklich ziemlich lustig, keinen Alkohol zu trinken. Um kurz nach zwei Uhr waren wir alle im Bett und der aufopfernde, müdigkeitsstrotzende Messewahnsinn hatte mich wieder. Life-Bloggen? Dieses Mal leider nicht, denn mein WLAN wollte in den ersten Tagen nicht so, wie ich es wollte. Darum erst jetzt.


Fazit der zweiten Messeparty: Gemütlicher als die Party der Jungen Verlage, Programm verpasst, nette Leute. Nächstes Jahr komme ich früher vorbei.

Freitag, 30. März 2012

Leipziger Buchmesse 2012 – Buchmesse-Party (I)

Nachdem man statt fünfeinhalb sogar siebeneinhalb Stunden mit der Bahn von München nach Leipzig unterwegs gewesen ist und sich in Auerbachs Keller sattgegessen hat, macht jeder vernünftige Mensch was? Genau, sich auf die nächste Buchmesse-Party verkrümeln.


Meine Kollegin N. und ich begutachteten unsere wunderschöne Wohnung, verstauten schnell die Koffer und Reisetaschen, hübschten uns kurz auf und verschwanden zur ersten Party in der Nähe, zu der wir Einladungen hatten. Zumindest fast alle. Alles zu Fuß, denn unsere Wohnung lag direkt in der Nähe der Innenstadt. Und alle Partys fanden in der Innenstadt statt, so auch die vom Aufbau Verlag.


Der Veranstaltungsort war schick, rustikal und ein wenig eng. Große Räume, Spiegel, Glastüren, grüne Holzwände mit Bücherregalen voller alter Wälzer, Kronleuchtern, Blumenlampen und einem romantischen Wandbild. Erst der Wildschweinbraten, dann diese ländliche Romantik – ich fühlte mich, als hätte ich Bayern nicht verlassen. Es gab Suppe und Tische zum Sitzen. Da die Party allerdings hoffnungslos überfüllt war, entwickelte sich rasch eine Stehplatzromantik zwischen Aufbau-Werbeplakaten und einem überteuert aussehenden Leseexemplar mit Leseproben verschiedener Spitzentitel, als Hardcover gebunden. Dann der erste Schock: Statt Cola gab es nur Cola Light! Sünde! Verdammnis! Die Party war für mich gelaufen. Wir hielten einige nette Schwätzchen, ich traf einen lieben Kollegen von einem Kinderbuch-Verlag (hallo M.!) und machte einige Fotos, die mir immer noch gut gefallen.


Mein Fazit der ersten Messe-Party des Jahres? Süßer-schnuckliger-romantischer Ort, ungemütlich eng, keine Cola. Kurz vor Mitternacht düsten wir weiter zur nächsten Party, angeblich DER Szene-Feier des Abends. Praktischerweise fast direkt um die Ecke gelegen, vorbei an einer mit protzigen goldenen Engeln vergoldeten Fassade irgendeiner Bank, die ihre besten Zeiten schon hinter sich gebracht hatte.


Mittwoch, 28. März 2012

Leipziger Buchmesse 2012 – Die Kunst des Reisens

Es war einmal ein wunderbarer Arbeitstag. Er begann frühmorgens mit Rest-Koffer-Packen, setzte sich fort in Reisetasche-zur-Arbeit-schleppen und einem wundervollen Honigmelonen-Frühstück, bevor es wieder zum Schleppen ging und im Münchner Hauptbahnhof vor einem ICE endete.

Da saß ich nun, hatte es geschafft, meinen Platz zu finden (war gar nicht weit weg), hatte sogar einen Tisch für mich allein, mein unbekannter Nachbar sollte erst in Nürnberg zusteigen und keine gestörten Menschen saßen in der Nähe. Der Akku meines E-Readers war randvoll, der Laptop zum Nachladen stand für den Notfall bereit und ich verspeiste mein erstes Brot, als sich auf dem Weg zur Leipziger Buchmesse das erste Drama ereignete.

Bahn und Drama – das gehört einfach zusammen. Schräg vor mir saß ein älteres Ehepaar, um die siebzig Jahre alt, und waren sogar noch früher als ich im Zug gewesen. Vor ihnen standen zwei junge Frauen, die mit ihren Fahrscheinen wedelten. Zweifelsohne saß das Ehepaar auf ihren Plätzen. Das Ehepaar hingegen holte ebenfalls die Tickets hervor und wendelten genauso heftig: Ganz klar, beide Parteien hatten die gleichen Sitznummern für sich reserviert. Nur ... das Ehepaar hätte eine Woche früher fahren müssen. Bleiche Gesichter, Quittungen werden hervorgekramt, aufgeregt weitergewedelt. Ganz klar, auf der Quittung der Alten ist das heutige Datum verbucht. Die Lösung der Geschichte ist interessant: Das Ehepaar hat die Fahrkarten beim Schalter gekauft und auf das richtige Datum gebucht, nur leider wurde ihnen das falsche Datum ausgedruckt. Aber kein Problem, denn als ehemalige Bahnmitarbeiter konnten die beiden Alten gut mit dem Schaffner umspringen und fuhren schließlich im selben Abteil weiter hinten mit. Schließlich haben sie für die Tickets bezahlt.

Interessant wurde die Fahrt dann, als ich meine Mitreisende kennenlernte. Sie stieg in Nürnberg zu und kam aus Aschaffenburg, um von hier die schnellste Verbindung nach Jena zu erwischen. Nein, das klappte an diesem Tag nicht, denn irgendwo auf dem Weg nach Erlangen ist irgendeine Autobahnbrücke beschädigt wurden. Es gab eine Umleitung über eine Nahverkehrsstrecke nach Würzburg, Erlangen wurde ausgelassen und der Umweg nach Bamberg dauerte zwei Stunden. Meine Nachbarin ist letztendlich im Kreis gefahren ... und ich kam mit zwei Stunden Verspätung in Leipzig an.

Das Mitarbeiteressen entschädigte jedoch alles (sogar die bescheidene Lektüre in der Bahn): Im alten Auerbachskeller gab es Wildschweinbraten, Knödel und Rotkraut mit Salat. Und irgendwann betrat ein Mephisto die Bühne und kurz danach ein männliches Gretchen und sprachen merkwürdige Dinge. Es war Donnerstag Abend, und ich war in Leipzig. Zum ersten Mal.

Mittwoch, 14. März 2012

Leipziger Buchmesse 2012: Luxus-Karte

Leipziger Buchmesse. Für mich bislang immer ein Mythos. Als Frankfurterin gab es für mich bislang (ja, das klingt nicht nur ignorant) nur eine Buchmesse. Sechs Jahre lang. Und gerade in diesem Jahr, in dem es mich noch tiefer und weiter weg ans Ende der Welt nach München verschlagen hat, zieht es mich zielsicher in dieses fremde Territorium: Leipzig.


Und obwohl ich bislang immer tolle Ich-muss-mich-nicht-anstellen-Ausstellerkarten hatte (inklusive dem Aufbau-Tag, dem generell schönsten Tag), war ich noch nie ein Special Visitor mit allen erfüllten Extra-Wünschen gewesen. Nicht zu sehen ist noch meine exklusive Eintrittskarte für das Congress Center. Leipzig schmeichelt mir, bereits schon jetzt. Vielleicht wird es ja doch etwas mit uns, mit dir und mit mir.

Montag, 27. Februar 2012

Aus dem Alltag einer Buechereule – Momentaufnahmen


Goldener, warmer Herbst in München. Es föhnte.


52. Münchner Bücherschau


Frühmorgendlicher Blick aus unserem Fenster.


Arbeitsplatz. Oder: Wie man Bildschirme auf die passende Höhe bringt.


Weihnachtsbäckerei (I) mit Kürbis-, Sonnenblumen- und Pinienkernen


Am Stachus


Markt der unabhängigen Verlage in München


Kein Durchkommen: Marienplatz mit Weihnachtsmarkt


Frauenkirchen


Weihnachtsbäckerei (II) Lebkuchen-Tarsius


Salzburg bei Nacht


Weihnachtsmarkt auf der Festung Hohensalzburg


Salzburger Dom


Salzburg


Salzburger Dom


Erster richtiger Schnee in München: Im Februar


Eule auf dem alten Peter

Dienstag, 10. Januar 2012

Filme mit Büchern – Das geheime Leben der Bücher


Was passiert eigentlich, wenn es im Buchladen still, geschlossen, nachts wird? Die Buchhandlung type books in Toronto macht es hier vor. Entstanden ist ein kleiner Film, hinter dem unheimlich viel Arbeit steckt. Viele helfende Hände rückten hier nächtelang Bücher umher, damit diese Bewegungen im Film entstehen konnten. Chapeau!

Donnerstag, 5. Januar 2012

Rückblick 2011 – Blog-Schokolade

Es wird Zeit, wenn auch ein wenig verspätet, für Blog-Schokolade. Das Jahr 2011 war leider nur wenig Buchmesselastig, weil ich dort einen Knochenjob zu absolvieren hatte. Das wird dieses Jahr hoffentlich anders, unter anderem, weil ich es vielleicht nach Leipzig schaffen werde. Relativ gut kamen hingegen meine Testberichte zu den E-Readern an – vielleicht ein Zeichen für die digitale Revolution der Buchbranche? Hier nun die Top 5 der beliebtesten Posts im Jahr 2011:

Platz 1: Buch-Challenge – »Back to Offline«

Mein Lieblingsposting im Jahr 2011 hingegen geht in eine völlig andere Richtung. In Von Darlings, Lebensabschnittsgefährten und Dealern: Warum manche Bücher mehrmals gelesen werden versuche ich das Phänomen zu erklären und die Bücher in verschiedene Kategorien zu unterteilen. Es ist eine Typologie, die mich das ganze Jahr über beim Lesen beschäftigt und begleitet hat. Außerdem lag mir natürlich mein erstes eigenes Video sehr am Herzen, ein Testbericht zum PocketBook Pro 912.

Ich wünsche Dir ein gutes Jahr 2012, voller Geschichten, glücklich machenden Büchern und überraschenden Handlungssträngen.


Dienstag, 3. Januar 2012

Rückblick 2011 – Meine Leseliste

51 Bücher habe ich im Jahr 2011 gelesen und damit schon mal meinen Vorsatz eingehalten, mehr lesen zu wollen als im Jahr 2010 (44 Bücher). Allerdings merkt man anhand der Titel, dass ich ziemlich unkontrolliert sehr viel Kinder- und vor allem Jugendliteratur verschlungen habe. Warum das denn plötzlich?

Zum einen, weil ich mit meinem Studium so weit bin, dass ich nur noch sehr wenig Seminare besuchen muss. Also hatte ich mehr Zeit für anspruchslose Literatur. Außerdem habe ich meinen Bücherei-Ausweis erneuert und die Jugend-Bestseller der letzten zwei, drei Jahre waren sehr präsent ausgelegt, inklusive vieler Pseudo-Bestseller mit Biss.

Die Folge daraus? Es war insgesamt ein recht überschaubares Lesejahr ohne echte Schätze und Neuentdeckungen. Natürlich war Nabokov mit seinem Roman »Lolita« überaus genial, vor allem aus der Perspektive eines unzuverlässigen Erzählers betrachtet. Ebenso »Zwischen neun und neun« von Leo Perutz. Aber sonst? Eine breite Masse von Büchern, die schnell weggelesen werden konnten, machte den Großteil meines Lesejahres aus. Darunter viel Durchschnitt und leider auch viele Flops.

Ich kann mich gar nicht entscheiden, was schlimmer war: »Das Albtraumreich des Edward Moon« von Jonathan Barnes oder »House of Night. Gezeichnet« von P.C. und Kristin Cast. Zu beiden habe ich ziemlich ausführliche Verrisse geschrieben. Mit der Zeit schnappte ich mir gerne diese Pseudo-Bestseller, um sie im Fokus der Verkaufszahlen mit der inhaltlichen Qualität zu konfrontieren. Ein wahrhafter Genuss!

Am meisten enttäuscht hat mich der Autor Carlos Ruiz Zafón, am meisten überrascht die Fantasy-Autorin Kristin Cashore. Interessant war auch, dass ich viele Reihen angefangen und weitergelesen habe, die qualitativ ziemlich abgebaut haben. Eine wunderbare Ausnahme war das Abenteuer-Spielbuch »Die drei ??? - House of Horror. Haus der Angst«. Auch ungewöhnlich: Ich wandte mich fast komplett von den Kriminalromanen ab und hin zur Zombieliteratur, ein für mich ganz neues Genre.

Was will ich nun, im Jahr 2012? Ich möchte mich ein wenig entfernen, vor allem von den Feen, Magiern, Zombies und ja, auch ein wenig von den Vampiren. Ich möchte wieder eintauchen in die Welt der anspruchsvolleren Literatur, auch wenn es deswegen zum Schluss ein paar Bücher weniger in der Bilanz werden.

»Die Flammende« (Kristin Cashore)
»Vampire Academy 2: Blaues Blut« (Richelle Mead)
»Vampire Academy 1: Blutsschwestern« (Richelle Mead)
»Totes Meer« (Brian Keene)
»Die Rebellion der Maddie Freeman« (Katie Kacvinsky)
»Gregs Tagebuch 6: Keine Panik!« (Jeff Kinney)
»Gregs Tagebuch 5: Geht's noch?« (Jeff Kinney)
»Gregs Tagebuch 4: Ich war's nicht!« (Jeff Kinney)
»Black Dagger. Mondschwur« (J.R.Ward)
»Black Dagger. Vampirseele« (J.R.Ward)
»Fast genial« (Benedict Wells)
»Das Labyrinth der Träumenden Bücher« (Walter Moers)
»0.4 - Eine perfekte neue Welt« (Mike Lancaster)
»Das Blut von Brooklyn« (Charlie Huston)
»Blutrausch« (Charlie Huston)
»Die Erben von Sevenwaters« (Juliet Marillier)
»Die Beschenkte« (Kristin Cashore)
»Das Bildnis des Dorian Gray / The Picture of Dorian Gray« (Oscar Wilde)
»Kismet Knight. Vampire lieben länger« (Lynda Hilburn)
»House of Night. Gezeichnet« (P.C.Cast/Kristin Cast)
»Stadt aus Blut« (Charlie Huston)
»Kismet Knight. Vampirpsychologin« (Lynda Hilburn)
»Lamento. Im Bann der Feenkönigin« (Maggie Stiefvater)
»Vorübergehend tot« (Charlaine Harris)
»Anna Karenina« (Leo N. Tolstoj)
»Chroniken der Weltensucher. Der gläserne Fluch« (Thomas Thiemeyer)
»Familie Pompadauz. Eine unfassbar fiese Falle« (Franziska Gehm)
»Das Albtraumreich des Edward Moon« (Jonathan Barnes)
»30 Minuten für effektives Suchmaschinenmarketing« (Cornelia Klem/Sibylle Klem)
»Blogs, Video & Online-Journalismus« (Moritz "mo." Sauer)
»Fotografie für Journalisten« (Kay-Christian Heine)
»Verlagswirtschaft« (Wulf D. v. Lucius)
»Sonea. Die Hüterin« (Trudi Canavan)
»Amphitryon« (Heinrich von Kleist)
»Das Tal. Das Spiel« (Krystyna Kuhn)
»Marina« (Carlos Ruiz Zafón)
»The Comedy of Errors« (William Shakespeare)
»Ruhm« (Daniel Kehlmann)
»Krieg. Stell dir vor, er wäre hier« (Janne Teller)
»Zwischen neun und neun« (Leo Perutz)
»2666« (Roberto Bolano)
»Der Mitternachtspalast« (Carlos Ruiz Zafón)
»Magie« (Trudi Canavan)
»Letterland« (Trommer/Akdenizli)
»Die drei ??? - High Strung. Unter Hochspannung«
»Die drei ??? - House of Horror. Haus der Angst«
»Die drei ??? - Brainwash. Gefangene Gedanken«
»Oksa Pollock. Die Unverhoffte« (Plichota/Wolf)
»Nanettes Gedächtnis« (Friedmar Apel)
»Lolita« (Vladimir Nabokov)
»The Turn of the Screw« (Henry James)