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Montag, 26. November 2012

Buchmesse 2012 – Hotlist-Party


Die Party der Jungen Verlage: Die Szene-Party der Buchmesse mauserte sich dieses Mal im Literaturhaus Frankfurt zu einem gediegenen Zusammentreffen bis in die frühen Morgenstunden. Ich blieb nur zu einem kurzen Intermezzo bis kurz vor Mitternacht, denn am darauffolgenden Tag stand mir ein anstrengendes Programm bevor.

Hippe Verleger außer Rand und Band? Das war einmal. Auf der Party der Jungen Verlage, die traditionell an den Buchmessen-Freitagen nach der Hotlist-Verleihung stattfindet, kehrte Ruhe ein, was ihren Charme nicht minderte. Die Preisverleihung fand in einem hübschen, dunkelgrünen Raum im Erdgeschoss statt. Die Bühne dort war ratzfatz abgebaut und der DJ schnell bereit. Die Indies tummelten sich im Erdgeschoss und Treppenhaus.



Im Vorfeld hielt das hartnäckige Flüstern während der Buchmesse an, war allgegenwärtig. Verabredungen wurden geschmiedet, Neulinge dazu überredet, zur Bookfair a-go-go zu gehen und alte Freunde erinnert, obwohl das Ticken der inneren Indie-Uhr reibungslos funktioniert. Schade nur, dass Messe und Literaturhaus ein wenig weit voneinander entfernt liegen. In Leipzig waren die Partys generell irgendwie alle näher beisammen.




Angefangen haben die Hotlist-Partys rückblickend betrachtet an merkwürdigen Orten: Die ehemalige Diamantbörse in Frankfurt hatte niedrige Decken, verrückte Roboterskulpturen und eine inaktive Rolltreppe. An den Wänden waren zweideutige Comics verewigt. Die Alte Hauptpost in Leipzig, groß, ein wenig kühl und steril, federweich ausgeleuchtet. Der Frankfurter Sinkkasten war so klein, eng und schmuddelig, dass die Warteschlange bis zur Zeil ging.




Und dieses Jahr nun das Literaturhaus Frankfurt. Pompös ausgeleuchtet, mächtige Säulen, träge House-Musik. Ja, die Party der Jungen Verlage war genauso hipp wie eh und je, nur strahlte sie dieses Jahr einen wunderbaren Glanz aus. Schnell trafen sich die richtigen Grüppchen, selten stand jemand allein. Das Experiment der Organisatoren war geglückt und ich bin gespannt, ob es bei dem Veranstaltungsort bleiben wird.


Montag, 9. April 2012

Leipziger Buchmesse 2012 – Buchmesse-Party (III 1/2) und (IV)


Der Freitag während der Leipziger Buchmesse war ... Kennst Du diese verrückten Road-Movies, die man nur in Träumen erleben kann? Die immer irrer und wahnsinniger und verrückter werden und nie aufzuhören scheinen? So war der Freitag für mich. Wir kamen spät von der Messe und machten uns Ausgeh-Schick. Den Tag hatte ich lediglich wegen Schoko-Müsli, einem Marzipan-Crêpe, eineinhalb Bubble Teas und der herrlichen Suppe vom Stand der Frankfurter Buchmesse überlebt, also knurrte mir nun beträchtlich der Magen. Um kurz nach acht Uhr streunten wir durch die Straßen von Leipzig und schafften es, trotz zwei internetfähiger Smartphones, die Adresse eines uns empfohlenen Restaurants nicht zu finden. Als wir es schließlich doch schafften (mit Hilfe von ortskundigen Leipzigern, merci!), blieben wir mehr als zwei Stunden dort. Der Zunftkeller war unglaublich urig und wir tauschten die Vorspeisen untereinander aus und meine Spätzle schmeckten trotz Knoblauch wunderwunderbar. Pappsatt genehmigten wir uns noch einen Kindereisbecher mit drei Löffeln und einem Sahneberg.


Um halb elf stellten wir uns die Frage: Wohin nun? Nach zwei Telefonanrufen waren wir draußen, es dauerte zwei Minuten, bis wir ein Taxi für uns begeistern konnten und ab ging die Fahrt ... in einen Irish Pub, wo ich plötzlich mitten in der Raucherecke saß und eine Stunde lang versuchte, die Luft anzuhalten. Aber die Fotos waren klasse, an den Wänden. Auf einem zog sich – eventuelle der Wirt? – die Unterhosen von hinten runter. Als Schwarzweiß-Fotografie.


Nachdem ich eine Stunde lang die Luft angehalten, freundlich genickt und immer wieder in meine Cola hineingatmet hatte, ging die Fahrt weiter. Statt zu viert waren wir jetzt zu sechst und wir beschlossen, zuerst zur Hoca zu fahren, um dann zur Party der Jungen Verlage zu fahren. War es dafür nicht schon zu spät? Nein, Hoca – die Party des Verlags Hoffmann & Campe – sollte erst um 22 Uhr beginnen, die Party der Jungen Verlage startete um 21 Uhr. Unsere Zeiteinteilung schien also nur logisch zu sein. Wir teilten uns auf zwei Taxen auf, ich saß im ersten.


Leipzig bei Nacht ist unheimlich blau. An jeder Straßenecke ist irgendeine Werbetafel, eine Lampe oder eine Ausleuchtung, die knallblau leuchtet und strahlt, sodass die Augen schmerzen. Effektive Werbung sieht anders aus, Blau wirkt da einfach nicht. Der Taxifahrer war schnell und langsam krochen wir schließlich an dem Ort des Geschehens vorbei: Die Hoca-Party. Interessanterweise war das komplette Lokal leer. Draußen entdeckten wir mehrere Frauen. Einer von uns sprintete aus dem wartenden Taxi und ermittelte von den Diogenes-Damen, dass die Party nie wirklich angefangen hat. Ungläublich, verwirrt und ein bisschen belustigt gaben wir dem Taxifahrer neue Anweisungen und kehrten um. Noch auf dem Weg riefen wir den Rest im zweiten Taxi an, um ihren Zielort ebenfalls zu ändern. Sie trafen noch vor uns ein.


Etwas ungläubig trafen wir auf der Party der Jungen Verlage ein. Im Irish Pub hatten wir noch darüber spekuliert, ob wir zur Hoca-Party überhaupt eingelassen werden würden, da die Eintrittskarten im Vorfeld sehr stringend verteilt worden waren. Und nun diese Pleite. In der Alten Hauptpost war hingegen für die Uhrzeit (es war inzwischen halb eins) die Hölle los.


Während meine Kollegen sich Getränke holten, nutzte ich die Gelegenheit, um in der punktuell lichtdurchfluteten Dunkelheit Fotos zu machen. Blende auf 1.8 und ab ging die Party für mich. Ich liebe solche Gelegenheiten, wenn man durch den Sucher die Menge beobachtet, sich interessante Details auspickt und versucht, den Rhythmus der flackernden, bunten Lichter auf das gewünschte Motiv zu verfolgen. Mehr denn je wurde mir klar, dass ich mir eine noch geringere Brennweite wünsche, ich Weitwinkel-Kind.


Ich gesellte mich zu den anderen, verlor sie immer mal wieder. Viele verschwanden auf dem Klo und kamen für Stunden nicht zurück. (Wegen der Schlange davor.) Ich traf wieder nette Menschen (wieder), besonders freute ich mich über FT, der hier natürlich nicht fehlen durfte und andere Indie-Menschen, von denen ich viele zumindest vom Sehen her kannte. Die Welt ist klein, vor allem die der Indie-Verlage. Ich glaub, um zwei Uhr waren wir wieder in der Wohnung. Um halb sieben musste ich wieder aufstehen. Das ist das ewige Leid der Messetage.


Mittwoch, 13. Oktober 2010

Buchmesse 2010 – Hippe Verleger außer Rand und Band


Egal, wo man auf der Messe war, überall lag ein Flüstern in der Luft. »Kommst du?« – »Freitagabend!« – »Party der unabhängigen Verlage!« – »Gebongt!«
Eigentlich brauchte man nur einen der bunten Flyer hervorzuholen und verschwörerisch zu blinzeln, um ein anerkennendes Nicken zu ernten: Ja, ich bin bei der angesagtesten, hippsten Party der Messe dabei. Alles schon im Kalender vorgemerkt: Book Fair – A-Go-Go. Die Party der jungen Verlage.


Dabei waren AvivA, belleville, bilgerverlag, Blumenbar, Echtzeit, Edition Korrespondenzen, Folio, Junge Magazine, kookbooks, Liebeskind, Lilienfeld, °luftschacht, luxbooks, mairisch, Milena, Onkel & Onkel, orange-press, Salis, Secession, Ventil, Verbrecher, Voland & Quist, Walde + Graf und Yedermann.


War sie nun hip und cool? Fehlanzeige. Da ich früher Feierabend hatte als erwartet, bin ich noch einmal schnell nach Hause gefahren. Der Zug hatte eine viertel Stunde Verspätung. Auf dem Rückweg fielen zwei Züge aus, einer endete unerwartet am Frankfurter Hauptbahnhof, und auf dem Weg zur Konstabler Wache fiel dann Zug Nummer drei aus. Aus einem zwanzig Minuten-Weg sind knapp zwei Stunden geworden. Vielen Dank, liebe Deutsche Bahn.


Entsprechend mies gelaunt kam ich eineinhalb Stunden zu spät zur Party. Die ehemalige Diamantenbörse in Frankfurt war ein angemessener Ort für so ein Event: verrückte Roboterskulpturen im Raum, eine inaktive Rolltreppe führte zur Preisverleihung der Hotlist und an den Wänden hingen zweideutige Comics.


Wenig überraschend gewann Ulrike Almut Sandig mit ihren Geschichten in »Flamingos« (Schöffling) den Preis der unabhängigen Verlagen, der in diesem Jahr zum zweiten Mal verliehen worden ist. Zwei komische Frauen in komischen grünen Kleidern und komischen Brillen überbrachten Sandig die freudige Nachricht. Wofür sie das Geld brauchen könne? »Ich fahre morgen nach Finnland und habe mir schon Sorgen gemacht, dass ich mir dort nichts kaufen werden kann«, schmunzelte die junge Autorin, die schon den Leonce-und-Lena-Preis für ihre Lyrik gewonnen hat.



Viel zu viele Menschen drängten sich nach einer endlos langen Preisverleihung in das Erdgeschoss. Zwar machten Rosalie und Wanda tolle Musik (»Lieder, die man sich an die Wand hängen könnte«), doch das Klima in dem schlecht belüfteten Gebäude erreichte schnell hohe Punkte in der Unerträglichkeitsskala.





Eigentlich schade für eine so hippe, junge Party, wenn das Gebäude versagt und die Getränkepreise Messeniveau erreichen. Vielleicht sehen wir uns im nächsten Jahr wieder, mit besserer Belüftung und interessanterem Programm?