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Mittwoch, 24. April 2013

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 3


Rechtschreibfehler in Büchern mag ich ganz und gar nicht. Ein Fehler? Ist okay. Aber wenn sich die falschen Satzzeichen häufen, Setzfehler keine Seltenheit sind, die Übersetzung an allen Enden knirscht und schlichtweg Fehler übersehen werden, die Zwiebelfischwürdig sind, hört die Geduld bei mir auf. Zuletzt ist mir das bei Olga Grjasnowas Roman der »Russe ist einer, der Birken liebt« untergekommen. Das falsche »seit« kam dort übrigens mehrmals vor. Ohje!

Freitag, 21. Dezember 2012

Aus dem Alltag einer Buechereule – Blogpause


Die Postings seit der Frankfurter Buchmesse waren alle terminiert. Vielleicht habt ihr es ja gemerkt, vielleicht aber auch nicht. Dann waren es besonders geschickt terminierte Postings. Während der Frankfurter Buchmesse habe ich dieses Jahr viel Stress gehabt. Es galt, nebenbei eine Plattform fertig zu stellen, die Organisation für einen Preis zu übernehmen, für die Jungen Verlagsmenschen zu schreiben, zwei Fotojobs zu meistern, ein Problem mit der Druckerei zu lösen. Ich hatte gefühlte 1000 Termine, sprach mir wegen BuchKarriere auf zahlreichen Führungen den Mund fusselig.


Oft kam ich erst kurz vor Mitternacht nach Hause, arbeitete und programmierte bis drei Uhr nachts mindestens weiter, stand dann früh um sechs oder sieben Uhr wieder auf, um dann pünktlich für den nächsten Termin auf der Messe wieder fit zu sein. Ich hab viele tolle Veranstaltungen besucht, noch tollere Menschen der Buchbranche kennengelernt, BuchKarriere erfolgreich beworben, an einem Speed-Meeting teilgenommen und natürlich den Preis verliehen. Es kam, was kommen musste: Nach sechs Jahren erwischte mich zum ersten Mal nach der Buchmesse die berüchtigte Messegrippe. Ich lag fast zwei Wochen komplett flach und hustete insgesamt sechs Wochen durch. Trotz einer vitaminreichen und Vitamin-C mit Zink gepuschten Woche vor der Messe. Ich war einfach fertig.


Nach und nach habe ich im Oktober meine letzten To-Do-Stichpunkte abgearbeitet, unter anderem die Blogposts an einem Wochenende durchterminiert. Ich hab gearbeitet für meine Jobs und mich vorbereitet auf den November, in dem ich mich komplett verkrümeln wollte... und zwar in die Vorbereitungen für meine Magisterarbeit. Es klappte auch so halbwegs, wenn auch die Arbeit mich viel zu oft aus den Lernphasen riss.


Obwohl ich erst an Aschermittwoch abgeben muss, habe ich mir meine persönlich Deadline auf den Silvester gelegt. Dieses Jahr noch soll sie stehen und dafür arbeite ich wie verrückt. Weniger Termine, weniger Aufträge, mehr lesen, weniger Ablenkungen, volle Konzentration. Darum wird es in diesem Jahr zum ersten Mal keinen bibliophilen Adventskalender auf meinem Blog geben, was ich sehr bedaure, da mir das Fotografieren und auch die Themensuche unheimlich viel Spaß gemacht haben.


Zudem werde ich in den nächsten drei Monaten komplett zurückziehen vom Bloggen, damit ich genügend Zeit für die zwei großen mündlichen Prüfungen und für einen Umzug haben werde. Ich hoffe, du als Leser bleibst mir weiterhin treu. Ich freue mich darauf, ab März aus München berichten zu können. Und nicht mehr als Student. Bis dahin: Alles Liebe und bleib gesund!

Freitag, 28. September 2012

Rezension – Olga Grjasnowa: »Der Russe ist einer, der Birken liebt«

Ich hielt das Börsenblatt in den Händen, am Tag, nachdem die Longlist für den Deutschen Buchpreis verkündet worden ist. Begierig blätterte ich weiter und weiter, bis ich endlich auf die ausführliche Besprechung aller nominierten Titel stieß. Mein Blick blieb sofort an einer Kandidatin hängen, die blass, zart und fast durchscheinend den Betrachter fixierte, die Lippen dunkelrot. Ich las die Zusammenfassungen und blieb wieder hängen – dieses Mal an ihrem Roman. Zwei Wochen später hielt ich ihn in den Händen und war gespannt, ob der Titel für die Shortlist oder vielleicht sogar für den Buchpreis taugen könnte.



Inhalt 
Die Hauptfigur in Olga Grjasnowas Roman »Der Russe ist einer, der Birken liebt« heißt Maria, wird aber Mascha genannt. Sie ist sehr jung und ehrgeizig, möchte als Dolmetscherin Karriere bei der UNO machen, spricht Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch und Arabisch, ist Jüdin, Aserbaidschanerin und lebt in Frankfurt. Sie wohnt mit Elias zusammen, den sie sehr liebt, aber auch auf Distanz hält. Es kommt zu Konflikten, weil Mascha ihm nichts von ihrer Kindheit in Aserbaidschan erzählen möchte und sich ihm immer mehr verschließt. Als Elias einen Unfall hat und nach langer Zeit an seinen Verletzungen stirbt, gerät die traumatisierte Mascha immer mehr außer Kontrolle, testet ihre Grenzen und verliert sich schließlich in ihrer Trauer auf der Flucht in Israel.

Meinung (Ohne Spoiler) Mitten im Buch musste ich irgendwann enttäuscht die Augen schließen. Nicht, weil die Geschichte mich nicht überzeugt hätte, unlesbar oder schlecht geschrieben wäre. Nein, weil ich begriff, dass die Autorin unmöglich auf die Shortlist kommen würde. Das Grundmotiv des Romans, die Sprachlosigkeit, ähnelte zu sehr derselben Sprachlosigkeit, wie ich sie in Kathrin Schmidts Roman »Du stirbst nicht« erlebt habe. Der einzige Unterschied? Bei Olga Grjasnowas Buch war die Sprachlosigkeit psychischer Natur, bei Schmidt körperlich.

Dennoch sog ich den Roman und seine Geschichte auf. Da ich selbst bilingual und wurzellos aufgewachsen bin, faszinieren mich solche Themen immer. Sprachen sind ein sehr spannendes Gebiet, und die Autorin treibt es hier auf die Spitze: Mascha erlebt schon früh die Macht der Sprache, wird Dolmetscherin, um sich wehren zu können, um nicht mehr sprachlos zu sein. Trotzdem kann sie nicht darüber sprechen, was sie in ihrer Kindheit im Kriegsgebiet erlebt hat. Sie baut zu allen eine Distanz auf und entfernt sich zunehmend vom Leser, ist nicht greifbar, ihre Reaktionen unberechenbar und immer unkontrollierter.


Indem sie immer genau das Gegenteil von dem tut, was sie eigentlich möchte, spürt man als Leser ihre Zerrissenheit: Sie möchte trauern, betäubt ihren Schmerz aber. Sie möchte zu UNO, verliert dieses Ziel und lässt sich auf eine schlechter gestellte Stellung in Israel ein. Sie möchte Frieden und ihre Freunde um sich haben, zieht aber in das ebenso zerrissene Kriegsgebiet Israel, weit weg von ihren Freunden, die für sie eigentlich Heimat bedeuten. Sie will Ruhe, ist aber keinem Streit abgeneigt, möchte ihr Trauma verarbeiten, fügt aber letztlich anderen durch ihr Verhalten immer wieder Schmerzen zu.

Und sie reflektiert nicht. Mascha erlebt und erlebt, ohne wirklich zu leben, ist rastlos und nicht vorhersehbar, wie auch die komplette Handlung. Olga Grjasnowa hat mit »Der Russe ist einer, der Birken liebt« ein wahnsinnig spannendes Debüt geschaffen. Lediglich ihre geschichtlichen Ausflüge fand ich anstrengend. Sie mischte alle Konflikte zusammen: Russen, Armenier, Aserbaidschaner, Libanesen, Israelis, Christen, Juden, Moslems und für meinen geringen Kenntnisstand zum Konflikt in Aserbaidschan waren die Erklärungen zu oberflächlich.

Meinung (mit Spoiler) Neben der Sprache war die Heimatlosigkeit ein Thema. Hier glänzte der Roman durch Humor im alltäglichen Rassismus und nachdenklichen Passagen. Einer der Gedanken, der mich berührt hat, war die Erklärung von Maschas bestem Freund Cem, warum er mit dem Dolmetscherstudium angefangen habe. Er dachte an den Tag zurück, als er sich zum ersten Mal anders gefühlt hatte, sich als Migrant gesehen hat. Es war der Tag, als ein junger Franzose zu ihm in die Klasse kam. Obgleich er kein Wort Deutsch sprach, wurde er von den Lehrerinnen umschwärmt. Den anderen Migranten in der Klasse traute man hingegen nicht mal den Sprung auf das Gymnasium zu.

Auch die Rollen, die Mascha immer wieder durch ihre Sprachen spielen konnte, waren spannend zu beobachten. Ihr libanesischer Dialekt wurde ganz erstaunt gelobt, traute man der hellhäutigen Aserbaidschanerin doch kein Arabisch zu. Und das sie als Jüdin kein Hebräisch, aber Arabisch sprach, verwirrte manch andere noch mehr und führte in Israel oft zu Konflikten.

Nicht alle Gedanken und Anekdoten sind originell – beispielsweise der Auffahrunfall in Frankfurt – doch andere Beschreibungen, Vergleiche und Schlussfolgerungen machten das wieder gut.

Fazit 
Olga Grjasnowa hat mit »Der Russe ist einer, der Birken liebt« ein spannendes Debüt hingelegt, das für mich die spannenden Themen Sprachen, Sprachlosigkeit, Heimatlosigkeit und die Verarbeitung von Trauer aufgreift. Zudem rührt sie in einem bunten Potpourri aus fremden, exotischen Kulturen, Religionen, Ländern, geschichtlichen Ereignissen. Im Mittelpunkt steht Mascha, die unheimlich zerrissen ist und sich am Ende verliert. Ich halte es wie Elmar Krekeler in seiner Welt-Rezension: Auch ich möchte Mascha trösten und in den Arm nehmen, bin mir allerdings auch sicher, dass sie es weder wollen noch mögen würde.

Olga Grjasnowa
»Der Russe ist einer, der Birken liebt«
Carl Hanser Verlag, 288 Seiten, 18,90 Euro
ISBN: 978-3446238541
Erschienen am 06.Februar 2012

Mittwoch, 19. September 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 38


Letzte Woche war ich verreist. Am Vormittag, bevor das wilde Kofferpacken losging, stürmte ich erst zum Friseur, dann in den Buchladen, dann zur Arbeit, dann zur Weihnachtsfeier.

Die neue Frisur war nötig für die Hochzeit am Wochenende, die Arbeit war hektisch und spannend. Das erste Mal musste ich für meine Jobs mehrere Urlaubsübergaben organisieren. Und die Weihnachtsfeier meiner Redaktion, die fällt immer in den Sommer. Für das Team ist die Zeit des Sommerlochs doch wesentlich besser geeignet für eine Weihnachtsfeier als der Dezember an sich, mit seinen vielen Festen, Feiern und Gottesdiensten, zu denen wir in der kalten Jahreszeit gehetzt eilen.

Und der Buchladen? Der war dringend nötig, denn eigentlich hatte ich mich unsäglich geärgert. Darüber, dass ich beim großen Online-Händler bestellt habe, weil ich dachte, ich würde es nicht mehr in die Stadt zum Einkaufen in den Buchladen schaffen. Aber da Amazon derzeit nicht mehr pünktlich liefert, kam mein Urlaubsbuch nicht rechtzeitig an (an dem Vormittag war der dritte Tag um, ohne das eine Versandbestätigung kam). Ich war selbst Schuld und mag mich nicht in die Reihe von Lesern einreihen, die nur am Jammern sind, weil die DHL-Boten nicht kommen (von Hermes sprechen wir mal lieber nicht). Stattdessen hoffte ich, mein Exemplar spontan doch noch im Buchladen mitnehmen zu können, um die Amazon-Bestellung grimmig zu stornieren.

Mein Wunschbuch hatten sie nicht im Regal, dafür aber zwei andere Bücher, denen ich nicht widerstehen konnte. Und so kam es, dass ich das erste Mal seit Jahren (!) einen ungeplanten, undurchdachten Bucheinkauf tätigte, ohne mich vorab online über die Bewertungen zu informieren. Und es war so schön, sich einfach durch die bekannten Abteilungen durch die bekannten Angebote treiben zu lassen, das mitnehmend, was ohnehin schon länger auf der unendlich langen Liste der Wunschbücher im Kopf hartnäckig prangt. Ohne Stress, ohne Ärger, ohne auf die Konsequenzen zu achten. Ein hemmungsloser Lustkauf, entspannend und herrlich Urlaubseinstimmend. Das werde ich ab jetzt jedes Mal vor dem Kofferpacken erledigen. Das Ergebnis jedenfalls ist ein Erfolg: Meine Urlaubsbücher sind schon längst verschlungen und Geschichte.

Montag, 10. Januar 2011

Bücher-Haul – Dracula-Ausgabe vom Hanser-Verlag

Mit diesem Buch habe ich mir einen kleinen Traum erfüllt. Es ist haargenau die Ausgabe, die ich mir damals vor über zwölf Jahren in meiner Bücherei ausgeliehen habe. Sie leitete einen Umbruch in meiner Lektüre ein und plötzlich waren Enid Blyton, die drei ??? und Stephen King vergessen und eine ganz neue Welt erschloss sich mir. Durch Bram Stoker stolperte ich in die Welt von Anne Rice, Frédéric Boutet, Guy de Maupassant und Edgar Allan Poe und ich entwickelte eine besondere Vorliebe für die Schauerliteratur, der ich bis heute nicht widerstehen kann. Von dort aus schlug ich Wurzeln in der Horrorliteratur, bei den Krimis und verweilte schließlich bei den historischen Schmökern.

Montag, 27. Dezember 2010

Weihnachten 2010 – Geschenkeauspacken mit der Büchereule

Da staunte ich nicht, als mein Lieblingsverleger Herr L. mir am letzten Arbeitstag eine riesige Tüte überreichte. »Alles meins?« – »Klaro!« Pralinen, Schokolade, Weihnachtsmänner, eine Flasche Sekt und zwei Bücher kullerten mir entgegen. Ich durfte lunzen, obwohl der Kalender erst den 17. Dezember zählte. Begierig schnappte ich mir das Hanser Hardcover und jubelte: »DER Gstrein. Cool« und meinte damit das skandalumwitterte Buch des Ex-Suhrkamp Autors Norbert Gstrein. In »Die ganze Wahrheit« beschreibt er den Verfall eines Verlagshauses. Mal sehen, wie gut der Herr sein Werk verschlüsselt hat. Vielleicht stellt sich beim Lesen ja der Buddenbrooks-Effekt ein?

Dienstag, 30. November 2010

Da waren es nur noch 665!


Verschwörung! Ganz sicher! Mich packte gestern der Nostalgie-Blues, als ich beim nächtlichen Stöbern auf ein besonderes Buch stieß: Bram Stokers »Dracula«. Das Buch gibt es in gefühlten zwei Milliarden verschiedenen Ausgaben, aber ich stieß durch Zufall genau auf eine vom Hanser-Verlag aus dem Jahr 1997. Da durchfuhr mich ein wohliger Schauer voller wunderbarer Erinnerungen. Als Kind verschlang ich nach Enid Blyton und den drei ??? die Bücher von Stephen King, bis meine Mutter irgendwann den Satz von sich gab: »Kind! Lies doch bitte etwas Ordentliches!«

Nach dieser Aufforderung, meine geliebten vergrabenen Untertassen, die toten Katzen und den gefräßigen Nebel hinter mir zu lassen, stöberte ich suchend durch unsere kleine Bücherei ... und stieß dabei genau auf diesen Klassiker der Weltliteratur. Es war genau dieselbe Ausgabe. Und es war Liebe auf dem ersten Blick.

Heute Abend war mir dann plötzlich klar, dass ich genau diese Ausgabe in meinem Regal stehen haben möchte, damit ich sie vielleicht mal wieder hervorhole, um sie zum vierten Mal zu lesen. Jetzt war die Zeit endlich da. Ich habe fieberhaft nach dieser besonderen Ausgabe gesucht. Nach einer Suchanfrage wurden mir tatsächlich 666 verfügbare Bram Stoker-Dracula-Ausgaben angezeigt, eine darunter war tatsächlich eine gut erhaltene Hanser-Ausgabe. Und nun? Siehst du, lieber Leser? Jetzt sind es nur noch 665 und ich warte gespannt auf mein Paket.

Montag, 25. Oktober 2010

Buchmesse 2010 – Deutscher Jugendliteraturpreis 2010

Im vergangenen Jahr war es soweit: Ich hielt eine Karte für meine allererste Preisverleihung im Rahmen der Frankfurter Buchmesse in den Händen. Bis heute habe ich sie nicht weggeworfen, und die Eintrittskarte zum Jugendliteraturpreis 2009 schlummert still und leise in einer Schublade meines Sekretärs. Es war ein besonderes, schönes Erlebnis. So viele Menschen waren da und kümmerten sich um die Kinder und Jugendlichen, die die ersten Leser einer immer wieder neuen Generation bilden. Und da waren auch die Kinder selbst, die ein tolles Programm auf der Bühne inszenierten, um ihren eigenen Favorit zu küren. Nebenbei bemerkt war auch das Büffet zum Schluss nicht zu verachten – aber das wirklich nur am Rande, eine unwichtige Randnotiz.

In diesem Jahr lief ich in Halle 3.0 nun etwas wehmütig am Stand des Arbeitskreises für Jugendliteratur vorbei, da ich dieses Jahr keine Karten bekommen habe. Fröhlich baumelten dort die kleinen Heftchen mit den Nominierungen von der Decke. Leider wenig Neues, wenig wirklich Überraschendes. Da überraschte zum Schluss dann doch die Wahl der Jury etwas mehr. So mehr oder weniger.

Preisträger in der Kategorie Bilderbuch
Stian Hole: »Garmans Sommer« (Carl Hanser Verlag). Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger. ISBN: 978-3-446-23314-0
Aus der Begründung der Jury
Stian Hole verknüpft die Themen Zukunftsangst und Vergänglichkeit auf mehreren Ebenen. Die eigenwillig-eigenständigen Montagen aus Fotos, Röntgenaufnahmen, Zeichnung und Gemaltem geben eine skurrile, immer wieder zum genauen Hinschauen einladende Kulisse ab. Es ist ein sensibles Buch, das Kinder nicht nur zum Philosophieren animiert, sondern ihnen auch Mut macht, sich ihrer Ängste bewusst zu sein.

Preisträger in der Kategorie Kinderbuch
Jean Regnaud (Text) und Émile Bravo (Illustration): »Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen« (Carlsen Verlag). Aus dem Französischen von Kai Wilksen, Lettering von Michael Hau. ISBN: 978-3-551-77790-4
Aus der Begründung der Jury
Das an Deutungsspielräumen reiche Buch überzeugt in seiner Mischung von Text und Bild besonders auch da, wo Illustrationen in versiert gewählten Passagen den erzählten Text ersetzen. Auf allen Ebenen ist das Kinderbuch eine reichhaltige Graphic Novel, die ihren Lesern sicher einige Zeit begleiten wird, um ihn immer wieder etwas Neues entdecken zu lassen.

Preisträger in der Kategorie Jugendbuch
Nadia Budde: »Such dir was aus, aber beeil dich! Kindsein in zehn Kapiteln« (Fischer Schatzinsel). ISBN: 978-3-596-80832-8
Aus der Begründung der Jury
Dieser Graphic Novel zeigt Momentaufnehmen aus der eigenen Kindheit der Autorin in der DDR der 1960er und 1970er Jahre. Der Frage nach dem Wesen der Kindheit geht die Autorin auf allen Sinneskanälen nach. So versteht sie es, den typischen Kindheitsblick auf die Geheimnisse der Erwachsenenwelt für den Leser anschaulich und sinnlich in Text und Bild zu bannen. Das Jugendbuch ist eine gelungene Anleitung für Jugendliche, sich an die eigene Kindheit so zu erinnern, dass man sich liebevoll von ihr zu verabschieden und erwachsen zu werden vermag.

Preisträger in der Kategorie Sachbuch
Christian Nürnberger: »Mutige Menschen. Widerstand im Dritten Reich« (Gabriel Verlag). ISBN: 978-3-522-30166-4
Aus der Begründung der Jury
Es gelingt dem Autor durch einen gekonnt schlichten, fast schon mündlichen Erzählduktus, eine Spannung aufzubauen, die vom ersten bis zum letzten Satz zu fesseln vermag. Die herausragende literarische Qualität zeigt sich in dem individuellen Zuschnitt der einzelnen Porträts. Das lässt die Lektüre dieses Sachbuchs nicht zuletzt auch zu einem ästhetischen Genuss werden. Sein eindringliches Nachwort führt uns die Allgegenwart der Vergangenheit vor Augen, die jede Generation neu für sich auslegen muss. Für die Jury verbindet das Buch auf überzeugende Weise fundierte historische Informationen mit politischem Engagement auf sprachlich hohem Niveau.

Preis der Jugendjury
Suzanne Collins: »Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele« (Verlag Friedrich Oetinger). Aus dem Englischen von Sylke Hachmeister und Peter Klöss. ISBN: 978-3-7891-3218-6
Aus der Begründung der Jury
Einfach, aber packend erzählt die Autorin in ihrem Roman eine dramatische Liebesgeschichte. Brandaktuelle Fragen entflammen im Kopf des Lesers: Wie abhängig bin ich in der Mediengesellschaft von meinem Bild in der Öffentlichkeit? Wie kann ich ich selbst bleiben, ohne mich im Surrealen zu verlieren? Wie erschreckend ähnlich ist die fiktive Gesellschaft Panems schon der unseren? Am Ende weiß keiner, welche Auswirkungen die Medien auf unsere Zukunft haben werden.

Der Sonderpreis für das Lebenswerk ging an die Autorin und Übersetzerin Mirjam Pressler.
Aus der Begründung der Jury
Bereits für ihr Debüt Bitterschokolade wurde Mirjam Pressler 1980 mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Sie profilierte sich damit als wesentliche Stimme einer antiautoritären Jugendliteratur. Es folgten Romane, die heute zu den Klassikern zu zählen sind und deren beschädigte Kindheiten ihre Aktualität und Brisanz behalten haben. Mit Beginn der 90er Jahre erweiterte die Autorin ihren Blick auf jüdische Kindheiten während des Holocaust in Europa. Insbesondere im Leben und Werk der Anne Frank fand sie eine generationsübergreifende Symbolfigur. Parallel dazu nutzte sie literarische Vorlagen und Stoffe der Weltliteratur, um sich mit literarischen Mitteln für eine kulturelle Völkerverständigung einzusetzen.

Mittwoch, 29. September 2010

Bücher-Haul – Im September

Wer hätte es gedacht – in Weimar kann man sehr gut Bücher einkaufen und meine Beute stelle ich euch heute hier in diesem Post vor.




Ich habe mir zwei Bücher gekauft. In der Schillerstraße gibt es die hübsche, verwinkelte Hoffmannsche Buchhandlung, die ein sehr breites Sortiment hat – natürlich mit einem Schwerpunkt in der Klassik und der Regionalliteratur. Aber auch einen Raum nur für Kinder habe ich dort entdeckt, wunderbar! Hier habe ich mir von Martin Mosebach »Was davor geschah« (Hanser, 21,90 Euro) geschnappt. Das Buch stand schon länger auf meiner Wunschliste und war einer der wenigen Titel, die mich auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis sofort angesprochen haben. Und ich bin auch gespannt, wie das schräge Cover mit dem Kakadu zum Romaninhalt passt.

Klappentext: »Eine Frau und ein Mann sind seit kurzem ein Paar, da stellt die Frau jene gefährliche Frage, die unschuldig klingt und doch schon den Keim der Eifersucht enthält: Wie war das eigentlich mit dir, bevor wir uns kannten?«

In der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek habe ich mein zweites Urlaubsbuch gekauft. Im Museumsshop lagen die üblichen Verdächtigen herum: Non-Books und Bücher über Bücher. Gerade letzteres fand ich besonders spannend. Da ich die Anna Amalia-Biografien auf den ersten Blick nicht einschätzen konnte, stöberte ich lieber in den Fachbüchern herum und entdeckte »Kunst des Bucheinbandes« von der Klassik Stiftung Weimar (Otto Meissners Verlag, 19,90 Euro). Das Buch gibt mit wunderschönen Fotografien einen Einblick in die Entwicklung der Einbandkunst der verschiedenen Epochen, angefangen von der Gotik bis zur Gegenwart.

Ein wenig fremd wirkt auf dem Foto vielleicht Melinda Nadj Abonji mit ihrem Roman »Tauben fliegen auf« (Jung und Jung, 22 Euro). Es ist mein Urlaubsbuch, das ich Anfang September in meiner Stammbuchhandlung bestellt habe. Da ich derzeit katastrophale Arbeitszeiten habe, konnte ich das Buch erst letzte Woche abholen. Ich habe mich unglaublich gefreut, als das Buch von der Long- auf die Shortlist aufgerutscht ist und lese es derzeit mit großem Vergnügen. Eine Rezension folgt noch.




Zum Schluss zeige ich dir, lieber Leser, noch zwei Lesezeichen, die ich im Museumsshop der Anna-Amalia-Bibliothek entdeckt habe: Den Rokokosaal als hübsche Weitwinkel-Aufnahme und einige alte Schmöker im Regal gab es für jeweils einen Euro. Super!


Post Scriptum: Den Schutzumschlag vom Abonji-Buch habe ich vor dem Urlaub bei meinem Wortschatz vergessen. Ich lasse die Dinger überall liegen, damit sie beim Unterwegs-Lesen nicht verknicken, einreißen oder schmutzig werden.

die Büchereule