Posts mit dem Label Messeparty werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Messeparty werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 26. November 2012

Buchmesse 2012 – Hotlist-Party


Die Party der Jungen Verlage: Die Szene-Party der Buchmesse mauserte sich dieses Mal im Literaturhaus Frankfurt zu einem gediegenen Zusammentreffen bis in die frühen Morgenstunden. Ich blieb nur zu einem kurzen Intermezzo bis kurz vor Mitternacht, denn am darauffolgenden Tag stand mir ein anstrengendes Programm bevor.

Hippe Verleger außer Rand und Band? Das war einmal. Auf der Party der Jungen Verlage, die traditionell an den Buchmessen-Freitagen nach der Hotlist-Verleihung stattfindet, kehrte Ruhe ein, was ihren Charme nicht minderte. Die Preisverleihung fand in einem hübschen, dunkelgrünen Raum im Erdgeschoss statt. Die Bühne dort war ratzfatz abgebaut und der DJ schnell bereit. Die Indies tummelten sich im Erdgeschoss und Treppenhaus.



Im Vorfeld hielt das hartnäckige Flüstern während der Buchmesse an, war allgegenwärtig. Verabredungen wurden geschmiedet, Neulinge dazu überredet, zur Bookfair a-go-go zu gehen und alte Freunde erinnert, obwohl das Ticken der inneren Indie-Uhr reibungslos funktioniert. Schade nur, dass Messe und Literaturhaus ein wenig weit voneinander entfernt liegen. In Leipzig waren die Partys generell irgendwie alle näher beisammen.




Angefangen haben die Hotlist-Partys rückblickend betrachtet an merkwürdigen Orten: Die ehemalige Diamantbörse in Frankfurt hatte niedrige Decken, verrückte Roboterskulpturen und eine inaktive Rolltreppe. An den Wänden waren zweideutige Comics verewigt. Die Alte Hauptpost in Leipzig, groß, ein wenig kühl und steril, federweich ausgeleuchtet. Der Frankfurter Sinkkasten war so klein, eng und schmuddelig, dass die Warteschlange bis zur Zeil ging.




Und dieses Jahr nun das Literaturhaus Frankfurt. Pompös ausgeleuchtet, mächtige Säulen, träge House-Musik. Ja, die Party der Jungen Verlage war genauso hipp wie eh und je, nur strahlte sie dieses Jahr einen wunderbaren Glanz aus. Schnell trafen sich die richtigen Grüppchen, selten stand jemand allein. Das Experiment der Organisatoren war geglückt und ich bin gespannt, ob es bei dem Veranstaltungsort bleiben wird.


Montag, 9. April 2012

Leipziger Buchmesse 2012 – Buchmesse-Party (III 1/2) und (IV)


Der Freitag während der Leipziger Buchmesse war ... Kennst Du diese verrückten Road-Movies, die man nur in Träumen erleben kann? Die immer irrer und wahnsinniger und verrückter werden und nie aufzuhören scheinen? So war der Freitag für mich. Wir kamen spät von der Messe und machten uns Ausgeh-Schick. Den Tag hatte ich lediglich wegen Schoko-Müsli, einem Marzipan-Crêpe, eineinhalb Bubble Teas und der herrlichen Suppe vom Stand der Frankfurter Buchmesse überlebt, also knurrte mir nun beträchtlich der Magen. Um kurz nach acht Uhr streunten wir durch die Straßen von Leipzig und schafften es, trotz zwei internetfähiger Smartphones, die Adresse eines uns empfohlenen Restaurants nicht zu finden. Als wir es schließlich doch schafften (mit Hilfe von ortskundigen Leipzigern, merci!), blieben wir mehr als zwei Stunden dort. Der Zunftkeller war unglaublich urig und wir tauschten die Vorspeisen untereinander aus und meine Spätzle schmeckten trotz Knoblauch wunderwunderbar. Pappsatt genehmigten wir uns noch einen Kindereisbecher mit drei Löffeln und einem Sahneberg.


Um halb elf stellten wir uns die Frage: Wohin nun? Nach zwei Telefonanrufen waren wir draußen, es dauerte zwei Minuten, bis wir ein Taxi für uns begeistern konnten und ab ging die Fahrt ... in einen Irish Pub, wo ich plötzlich mitten in der Raucherecke saß und eine Stunde lang versuchte, die Luft anzuhalten. Aber die Fotos waren klasse, an den Wänden. Auf einem zog sich – eventuelle der Wirt? – die Unterhosen von hinten runter. Als Schwarzweiß-Fotografie.


Nachdem ich eine Stunde lang die Luft angehalten, freundlich genickt und immer wieder in meine Cola hineingatmet hatte, ging die Fahrt weiter. Statt zu viert waren wir jetzt zu sechst und wir beschlossen, zuerst zur Hoca zu fahren, um dann zur Party der Jungen Verlage zu fahren. War es dafür nicht schon zu spät? Nein, Hoca – die Party des Verlags Hoffmann & Campe – sollte erst um 22 Uhr beginnen, die Party der Jungen Verlage startete um 21 Uhr. Unsere Zeiteinteilung schien also nur logisch zu sein. Wir teilten uns auf zwei Taxen auf, ich saß im ersten.


Leipzig bei Nacht ist unheimlich blau. An jeder Straßenecke ist irgendeine Werbetafel, eine Lampe oder eine Ausleuchtung, die knallblau leuchtet und strahlt, sodass die Augen schmerzen. Effektive Werbung sieht anders aus, Blau wirkt da einfach nicht. Der Taxifahrer war schnell und langsam krochen wir schließlich an dem Ort des Geschehens vorbei: Die Hoca-Party. Interessanterweise war das komplette Lokal leer. Draußen entdeckten wir mehrere Frauen. Einer von uns sprintete aus dem wartenden Taxi und ermittelte von den Diogenes-Damen, dass die Party nie wirklich angefangen hat. Ungläublich, verwirrt und ein bisschen belustigt gaben wir dem Taxifahrer neue Anweisungen und kehrten um. Noch auf dem Weg riefen wir den Rest im zweiten Taxi an, um ihren Zielort ebenfalls zu ändern. Sie trafen noch vor uns ein.


Etwas ungläubig trafen wir auf der Party der Jungen Verlage ein. Im Irish Pub hatten wir noch darüber spekuliert, ob wir zur Hoca-Party überhaupt eingelassen werden würden, da die Eintrittskarten im Vorfeld sehr stringend verteilt worden waren. Und nun diese Pleite. In der Alten Hauptpost war hingegen für die Uhrzeit (es war inzwischen halb eins) die Hölle los.


Während meine Kollegen sich Getränke holten, nutzte ich die Gelegenheit, um in der punktuell lichtdurchfluteten Dunkelheit Fotos zu machen. Blende auf 1.8 und ab ging die Party für mich. Ich liebe solche Gelegenheiten, wenn man durch den Sucher die Menge beobachtet, sich interessante Details auspickt und versucht, den Rhythmus der flackernden, bunten Lichter auf das gewünschte Motiv zu verfolgen. Mehr denn je wurde mir klar, dass ich mir eine noch geringere Brennweite wünsche, ich Weitwinkel-Kind.


Ich gesellte mich zu den anderen, verlor sie immer mal wieder. Viele verschwanden auf dem Klo und kamen für Stunden nicht zurück. (Wegen der Schlange davor.) Ich traf wieder nette Menschen (wieder), besonders freute ich mich über FT, der hier natürlich nicht fehlen durfte und andere Indie-Menschen, von denen ich viele zumindest vom Sehen her kannte. Die Welt ist klein, vor allem die der Indie-Verlage. Ich glaub, um zwei Uhr waren wir wieder in der Wohnung. Um halb sieben musste ich wieder aufstehen. Das ist das ewige Leid der Messetage.


Montag, 2. April 2012

Leipziger Buchmesse 2012 – Buchmesse-Party (II)

Donnerstag, kurz vor oder nach Mitternacht: Unser Weg führte uns zu den Resten der meistherbeigesehnten Party des Abend. Die Beteiligten? PaperC, das Forum Zukunft und die Börsenvereinsgruppe in Bricks Cocktailbar, einer schicken, bunten Kneipe mit Leipziger Edelcharme. Irgendwie kamen wir rein, wir mussten uns nur weit genug durch irgendwelche Namen wühlen. Den eViolisten haben wir verpasst und nahmen dann eine Mischung aus DJ mit Mainstream-Musik und asynchroner Leinwandprojektion hin.


Auf der Feier fanden wir um die Uhrzeit den nettesten Haufen der Messe vor, nicht mehr ganz nüchtern, aber wirklich witzig. Es war schon fast leer gewesen und eine Erleichterung nach dem Gedränge bei Aufbau. Es gab nette Gespräche mit RK, auch wenn sie sich nicht mehr daran erinnern kann, ich lernte eine Prof aus E. kennen und spielte mit ihm mehrere Bachlor- und Masterszenarien durch (hat mich sehr gefreut, A.) und führte mit einem PaperCler krude Gespräche über Kameras, an die er sich bestimmt auch nicht mehr erinnern kann. Manchmal ist es wirklich ziemlich lustig, keinen Alkohol zu trinken. Um kurz nach zwei Uhr waren wir alle im Bett und der aufopfernde, müdigkeitsstrotzende Messewahnsinn hatte mich wieder. Life-Bloggen? Dieses Mal leider nicht, denn mein WLAN wollte in den ersten Tagen nicht so, wie ich es wollte. Darum erst jetzt.


Fazit der zweiten Messeparty: Gemütlicher als die Party der Jungen Verlage, Programm verpasst, nette Leute. Nächstes Jahr komme ich früher vorbei.

Freitag, 30. März 2012

Leipziger Buchmesse 2012 – Buchmesse-Party (I)

Nachdem man statt fünfeinhalb sogar siebeneinhalb Stunden mit der Bahn von München nach Leipzig unterwegs gewesen ist und sich in Auerbachs Keller sattgegessen hat, macht jeder vernünftige Mensch was? Genau, sich auf die nächste Buchmesse-Party verkrümeln.


Meine Kollegin N. und ich begutachteten unsere wunderschöne Wohnung, verstauten schnell die Koffer und Reisetaschen, hübschten uns kurz auf und verschwanden zur ersten Party in der Nähe, zu der wir Einladungen hatten. Zumindest fast alle. Alles zu Fuß, denn unsere Wohnung lag direkt in der Nähe der Innenstadt. Und alle Partys fanden in der Innenstadt statt, so auch die vom Aufbau Verlag.


Der Veranstaltungsort war schick, rustikal und ein wenig eng. Große Räume, Spiegel, Glastüren, grüne Holzwände mit Bücherregalen voller alter Wälzer, Kronleuchtern, Blumenlampen und einem romantischen Wandbild. Erst der Wildschweinbraten, dann diese ländliche Romantik – ich fühlte mich, als hätte ich Bayern nicht verlassen. Es gab Suppe und Tische zum Sitzen. Da die Party allerdings hoffnungslos überfüllt war, entwickelte sich rasch eine Stehplatzromantik zwischen Aufbau-Werbeplakaten und einem überteuert aussehenden Leseexemplar mit Leseproben verschiedener Spitzentitel, als Hardcover gebunden. Dann der erste Schock: Statt Cola gab es nur Cola Light! Sünde! Verdammnis! Die Party war für mich gelaufen. Wir hielten einige nette Schwätzchen, ich traf einen lieben Kollegen von einem Kinderbuch-Verlag (hallo M.!) und machte einige Fotos, die mir immer noch gut gefallen.


Mein Fazit der ersten Messe-Party des Jahres? Süßer-schnuckliger-romantischer Ort, ungemütlich eng, keine Cola. Kurz vor Mitternacht düsten wir weiter zur nächsten Party, angeblich DER Szene-Feier des Abends. Praktischerweise fast direkt um die Ecke gelegen, vorbei an einer mit protzigen goldenen Engeln vergoldeten Fassade irgendeiner Bank, die ihre besten Zeiten schon hinter sich gebracht hatte.


Mittwoch, 26. Oktober 2011

Buchmesse 2011 – Hotlist-Party


Am meisten freute ich mich während der Frankfurter Buchmesse auf die Hotlist-Party der Independent-Verlage, die dieses Jahr im Frankfurter Sinkkasten abseits der Zeil lag. Wie sah mein Abend denn so aus? Zunächst einmal befand ich mich eigentlich ab 17.30 Uhr mitten in der Preisverleihung zum Deutschen Jugendliteraturpreis und wühlte mich irgendwann zum Schluss rasch durch das Büffet, um zumindest etwas anderes als ein großes Frühstück im Magen zu haben. Dann folgte ein Desaster nach dem anderen: Die Straßenbahn fuhr vor meiner Nase weg, dann die S-Bahn und irgendwann begann ich zu rechnen: Ich hatte genau zwölf Minuten Zeit, um vom Bahnhof aus nach Hause zu fahren, mir etwas wärmere Sachen für den Abend anzuziehen, Haare und Make-up zu überprüfen, mich nochmal wegen der Zugverbindung zu versichern (die abends sehr tückisch sein können), mir die Sinkkasten-Adresse rauszusuchen und meine Fotoausrüstung einzupacken, um wieder zurück zum Zug zu düsen. Der Grund? Eigentlich sollte ich von der Preisverleihung Fotos für den Veranstalter machen. Ach herrje!


Schließlich kam ich an und hatte nur sensationelle zehn Minuten Verspätung angesammelt. Die Moderatoren, bestehend aus Jakob Augstein und Charlotte Roche, waren noch mitten in der Vorstellungsrunde. Perfekt. Der mit 5000 Euro dotierte Hauptpreis ging dieses Jahr an die Frankfurter Verlagsanstalt für Nino Haratischwilis Roman »Mein sanfter Zwilling«. Die Autorin war so überrascht, dass sie nach der obligatorischen Blumenstraußübergabe und der Rede vom Verleger Joachim Unseld erst einmal eine rauchen musste.


Warum habe ich mich auf diesen Abend eigentlich so besonders gefreut? Zunächst einmal, weil einer »meiner« Titel auf der Hotlist gelandet ist (John Ashbery: »Ein weltgewandtes Land«), zum anderen weil ich unglaublich ausgehungert war. Obwohl Freitag war, hatte ich von der Buchmesse praktisch noch überhaupt nichts gesehen (Stichwort: katastrophale Pausenzeiten), und die Gästeliste auf Facebook versprach so einige Überraschungen, die tatsächlich alle eintraten. Ich traf viele liebe alte Kollegen eines Frankfurter Verlags (besonders S.J., M.B. und A.S. können sich hier angesprochen fühlen), lief R.W. mal wieder über den Weg (das haben wir auf der Messe dauernd geschafft, fabelhaft!), begegnete meinen allerallerliebsten Kollegen A.K. und C.L., lief doch tatsächlich der lieben Twitterfrau W.L. über den Weg und zum Schluss durfte ich auch R.K. und ihre lustigen Erlanger Kommilitoninnen draußen vor der extrem langen Warteschlange begegnen. Schade, dass wir uns am Tag darauf verpasst haben! Nach diesen freudigen Treffen und vielen neuen Bekanntschaften mit anderen Independent-Verlegern war die Messe für mich gerettet.


Besonders schön war die Verleihung des Melusine-Huss-Preises im Laufe des Abends. Schon ziemlich früh am Abend entdeckte ich unter den Gästen ein bekanntes Gesicht, einen Autor, den ich bislang nur in den Feuilletons der Zeitungen gesehen habe. Ein wenig deplatziert wirkte er, verloren und fast schon schüchtern, aber als er den Preis tatsächlich gewann, freute ich mich umso mehr für ihn: Peter Kurzeck vom Stroemfeld Verlag gewann den Melusine-Huss-Preis für seinen Roman »Vorabend«. Gerade weil er so oft nominiert, aber dann doch nicht gewonnen hatte (Ausnahme: der Grimmelshausen-Preis), freute ich mich für Kurzeck; und bei der Preisvergabe strahlte der Schriftsteller so richtig.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Buchmesse 2010 – Hippe Verleger außer Rand und Band


Egal, wo man auf der Messe war, überall lag ein Flüstern in der Luft. »Kommst du?« – »Freitagabend!« – »Party der unabhängigen Verlage!« – »Gebongt!«
Eigentlich brauchte man nur einen der bunten Flyer hervorzuholen und verschwörerisch zu blinzeln, um ein anerkennendes Nicken zu ernten: Ja, ich bin bei der angesagtesten, hippsten Party der Messe dabei. Alles schon im Kalender vorgemerkt: Book Fair – A-Go-Go. Die Party der jungen Verlage.


Dabei waren AvivA, belleville, bilgerverlag, Blumenbar, Echtzeit, Edition Korrespondenzen, Folio, Junge Magazine, kookbooks, Liebeskind, Lilienfeld, °luftschacht, luxbooks, mairisch, Milena, Onkel & Onkel, orange-press, Salis, Secession, Ventil, Verbrecher, Voland & Quist, Walde + Graf und Yedermann.


War sie nun hip und cool? Fehlanzeige. Da ich früher Feierabend hatte als erwartet, bin ich noch einmal schnell nach Hause gefahren. Der Zug hatte eine viertel Stunde Verspätung. Auf dem Rückweg fielen zwei Züge aus, einer endete unerwartet am Frankfurter Hauptbahnhof, und auf dem Weg zur Konstabler Wache fiel dann Zug Nummer drei aus. Aus einem zwanzig Minuten-Weg sind knapp zwei Stunden geworden. Vielen Dank, liebe Deutsche Bahn.


Entsprechend mies gelaunt kam ich eineinhalb Stunden zu spät zur Party. Die ehemalige Diamantenbörse in Frankfurt war ein angemessener Ort für so ein Event: verrückte Roboterskulpturen im Raum, eine inaktive Rolltreppe führte zur Preisverleihung der Hotlist und an den Wänden hingen zweideutige Comics.


Wenig überraschend gewann Ulrike Almut Sandig mit ihren Geschichten in »Flamingos« (Schöffling) den Preis der unabhängigen Verlagen, der in diesem Jahr zum zweiten Mal verliehen worden ist. Zwei komische Frauen in komischen grünen Kleidern und komischen Brillen überbrachten Sandig die freudige Nachricht. Wofür sie das Geld brauchen könne? »Ich fahre morgen nach Finnland und habe mir schon Sorgen gemacht, dass ich mir dort nichts kaufen werden kann«, schmunzelte die junge Autorin, die schon den Leonce-und-Lena-Preis für ihre Lyrik gewonnen hat.



Viel zu viele Menschen drängten sich nach einer endlos langen Preisverleihung in das Erdgeschoss. Zwar machten Rosalie und Wanda tolle Musik (»Lieder, die man sich an die Wand hängen könnte«), doch das Klima in dem schlecht belüfteten Gebäude erreichte schnell hohe Punkte in der Unerträglichkeitsskala.





Eigentlich schade für eine so hippe, junge Party, wenn das Gebäude versagt und die Getränkepreise Messeniveau erreichen. Vielleicht sehen wir uns im nächsten Jahr wieder, mit besserer Belüftung und interessanterem Programm?

Samstag, 9. Oktober 2010

Buchmesse 2010 – Wie man eine Messeparty überlebt



Wow, dachte ich am Donnerstagabend, als meine Chefin mich um kurz nach 18 Uhr fragte, ob ich Lust hätte, ihre Einladung zur Messeparty vom S.Fischer-Verlag zu übernehmen. Mein innerer Ausruf beschreibt treffend, was für Emotionen in meinem Kopf umherspukten. Angst, Freude, Verwirrung, Zweifel, Neugier, Hunger, Kleidungsfrage. Relativ sprachlos nahm ich die Einladung an und meine Chefin entschwebte dem Messegelände.


Bevor ich es realisieren konnte, flitzte ich hinüber zu einem befreundeten Verleger und klagte ihm mein Leid. »Scheiße, ich bin dort eingeladen und kenne niemanden.« Weise, wie Herr L. ist, drückte er mir ein Buch in die Hand, kritzelte vorher einen Gruß ins Buch und lächelte zufrieden. Ich lächelte breit zurück. Mit dem Buch hatte ich die Einladungskarte ein zweites Mal erhalten, nur dieses Mal mit dem Auftrag, Herrn B. zu suchen und ihm das Buch zu überreichen. Wunderbar!


Um halb sieben schob ich mich in eine Buchmesse-Toilette. Um die Uhrzeit ist dort der Teufel los und alle Waschbecken sind belegt: Eine Frau im Kostüm putzte sich die Zähne (irgendwie sah es so aus, als würde ihr die Zahnpasta dazu fehlen), eine weitere benutzte eifrig Zahnseide. Eine Blondine steckte ihr Haar in einem Pferdeschwanz hoch, schob sich zielgerichtet einen schwarzen Haarreif mit gebogenen schwarzen Federn auf den Kopf und warf sich einen prüfenden Blick zu. Wesentlich rasanter ging es bei Blondie Nummer Zwei zu, die panisch versuchte, einen Fleck aus ihrer weißen Bluse zu waschen. Ich zog mir lediglich meinen Lippenstift nach, trug Gloss auf und richtete meine Haare.


Auf dem Weg zur Straßenbahn schnappte ich mein Handy und rief Wortschatz an. »Ich bin ganz schön am Popo - hilf mir!«, flüsterte ich laut genug, um nur von ihm gehört zu werden. Nach zehn Minuten hat er mir erklärt, wie ich in etwa wohin fahren musste, um mein Ziel zu erreichen.


Genial. So nach und nach lösten sich all meine Probleme in Luft auf. Das nächste erledigte ich in einem Schmuckgeschäft am Hauptbahnhof, als ein Haarreif mit Perlen (nein, die Federn haben mich nicht inspiriert) im Körbchen und später auf meinem Kopf landete.


So ausgestattet fühlte ich mich gewachsen für meine allererste Messeparty. Hätte ich nur vorher gewusst, dass ich ein ganz neues Territorium betreten würde, wild, wüst und undurchdringlich, bereit, mich zu zertrampeln und in Zigarrenrauch zu ersticken. Vielleicht hätte ich dann brav mit dem Kopf geschüttelt und die Einladung zur Party abgelehnt. Aber nur vielleicht.


Die S-Bahn brachte mich nach Frankfurt Süd und nach zwei Minuten unsicheren Fußes erreichte ich das schwarze, schmiedeiserne Tor, vor dem zwei gutaussehende Torposten einen höchst lässigen Blick auf meine Karte warfen, um mich dann mit einem Kopfnicken durchzulassen.


Ich war drin. Mitten im Getümmel aus gefühlten zwei Millionen Menschen auf vier Quadratmetern, die sich in Grüppchen genau so hinstellten, dass sie im Weg waren. Ich suchte mir eine Ecke und verharrte dort. Überblick, ich lechzte danach, erstickte in der Masse.


Die restlichen zwei Stunden sind rasch erzählt: befreundete Redakteurin, netter Plausch, Herr B. bekannt, Suche, Haus rein, Haus raus, Hof rum, Hof verlassen, Haus rein, Haus hoch, kleiner Lesesaal, großer Lesesaal, netter Plausch, kein Herr B., Verabschiedung, Rundgang, Fotos, fertig.


Wesentlich nützlicher als die Beschreibung meines Heimwegs ist ein kleiner Ratgeber mit Warnungen, ohne die man eine Messeparty eigentlich nicht überleben kann.


1. Sobald ein Kellner oder ein Stand mit Getränken in der Nähe ist, solltest du, lieber Leser, deine Chance nutzen: Schnapp dir ein Glas, ehe es zu spät ist! Der Weißwein ist bei S.Fischer berühmt-berüchtigt - damit kannst du nichts falsch machen, aber nimm es dir, denn du weißt nicht, ob die Menschenmasse dich je wieder in die Nähe von Getränken drängen wird.


2. Dasselbe gilt für Abstellflächen: Sobald du eine siehst, schnapp dein leeres Glas und stell es ab, sofern kein Kellner zum Nachschenken in der Nähe ist.


3. Verstau deinen Mantel sofort in der Garderobe, auch Taschen. Je dünner du bist, desto weniger wirst du gequetscht und desto mehr kannst du locker-leicht-flexibel die Hindernisse umkurven.


4. Suche dir als Nichtraucher keine Freunde, die rauchen. Im Haus herrscht Rauchverbot, sodass du mit Zigaretten-Freunde draußen im Hof unter einem durchsichtigen Zelt stehen musst. Nach zwei Stunden ist der Rauch dicht wie Zuckerwatte, nur nicht so schmackhaft und bildet einen ganz eigenen ökologischen Kreislauf. Mal schauen, was sich da im Laufe der Evolution noch für Lebewesen entwickeln werden.


5. Wenn du Lippenstift trägst, schnapp dir die Tomaten und die Knabberstangen, da es nicht gewährleistet ist, dass die Masse dich, liebe Leserin, jemals zu den Toiletten durchlassen wird.


6. Halte dich von dem kleinen Lesezimmer fern. Hier tummeln sich die grauen Eminenzen und das Licht ist Mist zum Fotografieren.


7. Mit dem Uhrzeigersinn oder dagegen? Im Hof ist es egal, denn es wird kein Durchkommen geben. Alle Wege führen ins Haus und sind dort wesentlich schneller zu bewältigen, als einmal quer über den Hof zu laufen.


8. Tipp: Im großen Lesesaal kann man Bücher hinter Glas bewundern. Hier werden die Häppchen regelmäßig nachgefüllt und die Kellner haben genug Beinfreiheit, um regelmäßig die Gläser nachzufüllen. Achtung! Bei der Auswahl der leckeren Brote musst du darauf achten, keine allzu fettigen zu wählen. Die Servietten liegen zwar verlockend in der Nähe, allerdings habe ich während der gesamten Feier keinen Mülleimer gesichtet.



9. Hüte dich vor Tine Wittler und Roger Willemsen!