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Mittwoch, 6. Juni 2012
Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 23
Die Jungen Verlagsmenschen Frankfurt sind wieder aktiv! Ich freue mich und bin gespannt, wen ich beim nächsten Treffen noch so alles kennenlernen werde. Die Mädels oben blättern übrigens die druckfrischen Verlagsvorschauen der Frankfurter Verlagsanstalt durch. Dort waren wir Gast und bestaunten den Stuck im Frankfurter Westend (jaja, die Bücher auch).
Verleger Joachim Unseld erzählte aus seinem Alltag, vom Wandel des Verlagsgeschäftes und von der Zukunft. Social Media? Er wisse ja nicht, ob seine Bemühungen in die Richtung jemals zu einem Buchverkauf geführt haben. Und das aus dem Mund des Verlegers, dessen Verlag sich sogar auf Pinterest tummelt. Sehr nett war es, sehr schön war es (ich als Suhrkamp-Verehrerin konnte meinen Blick nicht vom großen Unseld-Sohn wenden) und traurig war es. Alles zerfließt, zerfasert, zerbricht und nach einem halben Jahr Leben in einer Münchener Agentur hatte sie mich wieder, die Zerrissenheit und Angst der kleinen Verleger.
Donnerstag, 17. Februar 2011
Rezension – Friedmar Apel: »Nanettes Gedächtnis«
Im Rahmen eines Seminars musste ich Friedmar Apels Roman »Nanettes Gedächtnis« lesen. Ich kannte weder den Autor, noch den Titel und sprang ins kalte Wasser. Das Eintauchen in die Welt der Synästhetikerin Nanette, die in einer Psychiatrie sitzt und versucht, sich an ihre Vergangenheit zu erinnern, hat sich gelohnt.
Mittwoch, 17. November 2010
Bücher-Haul – Suhrkamp-Spezial
Endlich lag das letzte Buch bei mir im Briefkasten und ich freue mich schon seit der Bestellung darauf, beide endlich in den Händen zu halten. Die Rede ist von zwei Siegfried Unseld-Büchern: Einmal »Briefe an die Autoren« (Bibliothek Suhrkamp, 2004) und einmal »Der Autor und sein Verleger« (suhrkamp taschenbuch, 1985). Leider bin ich ein Mensch, der sich für Bücher unheimlich schnell begeistern kann. Als Herr S. in einem Seminar das blaue Taschenbuch als Lesetipp hochhielt, war es sofort um mich geschehen. Gerade deshalb, weil es um den deutschen Traditionsverlag mit seinen unglaublich tollen Autoren geht.

Von den aktuellen Ereignissen und Entwicklungen mag jeder sagen und denken, was er möchte, aber ich selbst liebe die Geschichte des Verlags: Die Anfänge mit Peter Suhrkamp, der Kampf gegen die Nationalsozialisten, der Bruch mit dem S. Fischer-Verlag, der junge Siegfried Unseld, der mit den Taschenbüchern den Markt auf den Kopf stellte, die wilden 68er und natürlich die Autoren und die Beziehung des Verlags zu ihnen. »Wir verlegen keine Bücher, wir verlegen Autoren«, betonte Unseld und drückte damit seine Verlagsphilosophie aus.
Ich freue mich auf eine weitere Dosis Suhrkamp-Kultur, wenn ich mir die Aufgaben eines literarischen Verlegers anschaue. Wenn ich Hermann Hesse, Bertolt Brecht, Rainer Maria Rilke, Robert Walser und ihre Verleger auf dem Weg zum fertigen Buch begleite. Ich freue mich auch auf das Stöbern in den Briefen zwischen Unseld und den Suhrkamp-Autoren. Beim ersten Hineinschnuppern fiel mir sofort der erste Brief ins Auge, der an Hermann Hesse adressiert ist – vom 31. Dezember (1951). Ein gutes Datum, um mit diesem Buch zu beginnen, wie ich finde.

Von den aktuellen Ereignissen und Entwicklungen mag jeder sagen und denken, was er möchte, aber ich selbst liebe die Geschichte des Verlags: Die Anfänge mit Peter Suhrkamp, der Kampf gegen die Nationalsozialisten, der Bruch mit dem S. Fischer-Verlag, der junge Siegfried Unseld, der mit den Taschenbüchern den Markt auf den Kopf stellte, die wilden 68er und natürlich die Autoren und die Beziehung des Verlags zu ihnen. »Wir verlegen keine Bücher, wir verlegen Autoren«, betonte Unseld und drückte damit seine Verlagsphilosophie aus.
Ich freue mich auf eine weitere Dosis Suhrkamp-Kultur, wenn ich mir die Aufgaben eines literarischen Verlegers anschaue. Wenn ich Hermann Hesse, Bertolt Brecht, Rainer Maria Rilke, Robert Walser und ihre Verleger auf dem Weg zum fertigen Buch begleite. Ich freue mich auch auf das Stöbern in den Briefen zwischen Unseld und den Suhrkamp-Autoren. Beim ersten Hineinschnuppern fiel mir sofort der erste Brief ins Auge, der an Hermann Hesse adressiert ist – vom 31. Dezember (1951). Ein gutes Datum, um mit diesem Buch zu beginnen, wie ich finde.
Donnerstag, 11. November 2010
Rezension – Wolfgang Hildesheimer: »Paradies der falschen Vögel«
Die Mona Lisa, die im Pariser Louvre hängt, ist eine Fälschung. Zumindest behauptet das der Erzähler, Künstler und Märtyrer Anton Vehlhagen. In dem Roman »Paradies der falschen Vögel« von Wolfgang Hildesheimer (Suhrkamp) wird der komplette Kunst- und Kulturbetrieb kritisch durchleuchtet und parodiert – auf eine unglaublich unterhaltsame Art und Weise.
Als Kind fälscht Anton ohne böse Absicht den Prager Misthaufen, übt sich dann als Künstler und wird von seinem Onkel Robert Guiscard stolz beobachtet, denn dieser ist ein begabter Fälscher. Seine Kopie der Mona Lisa hängt nun im Museum und für das Original erhielt er einen Künstlerpreis für die perfekte Kopie. Im fremden Land Procegovina erfindet Guiscard die Biografie und das Werk des Nationalkünstlers Ayax Mazyrka und eher unfreiwillig wird Anton Vehlhagen in die Welt des Fälschens hineingezogen.
Hildesheimer stellt das Motiv der Kunstfälschung in allen möglichen Situationen dar, fälscht, ergänzt, erfindet neue Werke, spielt mit der Originalität und dem Authentischen und entwickelt auf nur 140 Seiten eine Welt, die selbst eine Fälschung ist: Die Länder Procegovina und Blavazien mit zahlreichen Figuren, die in allen möglichen Bereichen und Situationen fälschen, betrügen, verschleiern, manipulieren, ignorieren und unterschlagen. Hildesheimer entwirft wirklich ein Paradies der falschen Vögel, das von ihm kurios, ironisch und intelligent konstruiert wird. Lediglich am Anfang lässt er seine Hauptfigur ein wenig zu lange und mit zu vielen Informationen schwafeln, doch nach diesem holprigen Anfang wird der Roman genial. Versprochen. Dafür gibt es von mir die Note 2.
Als Kind fälscht Anton ohne böse Absicht den Prager Misthaufen, übt sich dann als Künstler und wird von seinem Onkel Robert Guiscard stolz beobachtet, denn dieser ist ein begabter Fälscher. Seine Kopie der Mona Lisa hängt nun im Museum und für das Original erhielt er einen Künstlerpreis für die perfekte Kopie. Im fremden Land Procegovina erfindet Guiscard die Biografie und das Werk des Nationalkünstlers Ayax Mazyrka und eher unfreiwillig wird Anton Vehlhagen in die Welt des Fälschens hineingezogen.
Hildesheimer stellt das Motiv der Kunstfälschung in allen möglichen Situationen dar, fälscht, ergänzt, erfindet neue Werke, spielt mit der Originalität und dem Authentischen und entwickelt auf nur 140 Seiten eine Welt, die selbst eine Fälschung ist: Die Länder Procegovina und Blavazien mit zahlreichen Figuren, die in allen möglichen Bereichen und Situationen fälschen, betrügen, verschleiern, manipulieren, ignorieren und unterschlagen. Hildesheimer entwirft wirklich ein Paradies der falschen Vögel, das von ihm kurios, ironisch und intelligent konstruiert wird. Lediglich am Anfang lässt er seine Hauptfigur ein wenig zu lange und mit zu vielen Informationen schwafeln, doch nach diesem holprigen Anfang wird der Roman genial. Versprochen. Dafür gibt es von mir die Note 2.
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