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Montag, 28. Mai 2012

Leipziger Buchmesse 2012 – Abschiedsimpressionen



Am Sonntag bin ich ein wenig früher gekommen, um vor dem Workshop ein wenig über die Messe zu stromern. Das hat mir bei all der Arbeit dann doch ein wenig gefehlt. Vielleicht nächstes Jahr.




Ganz ungewohnt für mich als Frankfurterin war der Umstand, dass die Messe in Leipzig eine Stunde später öffnet. Und überhaupt sorgte das Fehlen reiner Fachbesuchertage dafür, dass die Stimmung eine ganz andere war.


Die Leipziger gaben sich großen Mühe, das Schöne, Ungewöhnliche, Besondere im Kleinen zu verstecken, damit die Besucher etwas zu entdecken hatten. Wundervolle Momentaufnahmen, für die meine Kamera und ich nicht die Zeit fanden.


In Erinnerung wird mir besonders der Eingang mit dem künstlichen Teich bleiben. Nicht jeden Tag hat man das Gefühl, über das Wasser laufen zu können.




Die offenen, luftigen Haupthallen, die zu den eigentlichen Messehallen abzweigen, würde ich gerne nach Frankfurt mitnehmen. Oft habe ich mir vorgestellt, wie die Halle 4 mit so eine offenen Glaskonstruktion dann aussehen würde.




Hell und offen, das sind die prägendsten Eindrücke, die ich nach Hause mitnehmen werde. Wenn es wieder Oktober wird, werde ich daran denken. Wenn sich die Buchmesse in Frankfurt genau die eine Woche herauspickt, in der die Sonne vom knallblauen Himmel scheint. Wenn ich dann auf der Terrasse von 3.1 stehe, die letzten Strahlen des hessischen Herbstes genieße und mir ein bisschen Leipzig hierher wünsche.




Vor allem das kulinarische Leipzig. Das hat mich sowohl vom Angebot, als auch vom Preis mehr als einmal gerettet. Kein überteuertes Tröpfchen Eis, sondern ein heißer Crêpes mit Marzipan. Kein überteuerter Kaffee, sondern – wirklich! – ein riesiger Becher Bubble Tea.




Bis nächstes Jahr, liebes Leipzig. Ich freu mich schon auf dich und deine Bücher und deine Autoren.




Freitag, 6. April 2012

Leipziger Buchmesse 2012 – Architektur


Meine ersten Eindrücke der Leipziger Buchmesse sind im Stress und der Hektik untergangen. Es war voll, es war warm und es war hell. Ist es ein Zufall, dass die zwei Wochen Buchmesse in Frankfurt und in Leipzig immer schönes Wetter haben? Bis zum Ende strahlte die Sonne, sodass die Vorzüge des Leipziger Buchmessegeländes zur Geltung kamen.


Das Buchmesse-Gelände liegt kompakter zusammen als die Hallen in Frankfurt. Eine unüberschaubar große Glashalle verbindet im Zentrum liegend alle anderen Hallen mit Hilfe von gläsernen Röhren. Man hat das Gefühl, ständig draußen zu sein, ein Gefühl, das sich in Frankfurt nur beim Überqueren der Agora oder in Halle 3 in der Nähe der Fensterfront einstellt. Frankfurt ist mir im Gegensatz zu Leipzig als dunkler Ort im Gedächtnis geblieben, weil ich jahrelang neun Stunden im hinteren Bereich der Halle 3.0 gearbeitet habe. Ich kam früh morgens, wenn die Sonne aufging und ging abends, wenn sich der Himmel in ein atemraubendes Rot verfärbte.


Leipzig besteht in meiner Erinnerung aus Licht, Glas, Pflanzen und Wasser. Der Haupteingang hat eine große Brunnenanlage, die fast ebenerdig von einem Weg durchkreuzt wird, sodass ich durch das Wasser laufen konnte. In der Haupthalle stehen Bäume. Irgendwie ist es sehr schade, wie verschwommen meine Erinnerungen sind. Den Freitag habe ich zur einen Hälfte gearbeitet, den Rest des Tages nutzte ich zum Pläneschmieden mit RK. Den kompletten Samstag und Sonntag habe ich im Congress Center verbracht. Nächstes Jahr, liebe Leipziger Buchmesse. Nächstes Jahr werde ich jeden deiner Winkel untersuchen und entdecken.


Mittwoch, 2. November 2011

Buchmesse 2011 – Eulen auf der Frankfurter Buchmesse


Mit welchen Argumenten ich Wortschatz wohl überreden kann, mir so ein Ullstein-Buchregal zu bauen? Oder so eine Fototapete zu »erlauben«? Letzteres würde ich wohl auch ungefragt in meinem zukünftigen Bücherzimmer aufstellen, so frech bin ich dann doch. Wird schließlich mein persönliches Refugium werden.

Montag, 31. Oktober 2011

Buchmesse 2011 – Impressionen von den Publikumstagen


Diese Frankfurter Buchmesse war komisch. Im Nachhinein bilanzierten die Organisatoren mehr Besucher, aber auch weniger Aussteller. Letzteres ist mir gleich aufgefallen. Ich habe sechs Tage lang in der Halle 3.0 gearbeitet und war in einer der hinteren Reihe gewesen. Uns gegenüber war eine Druckerei aus Korea, die so gar nicht in diese Halle zu passen schien. Zumindest war ich letztes Jahr in der Halle der ausländischen Verlage, in denen auch Druckereien vertreten waren. Mein Verdacht, dass der Platz uns gegenüber vielleicht mit Nachzüglern aufgefüllt worden war, bestätigte sich, als einige Messearbeiter am Mittwoch den frisch gelegten, grauen Teppich aufrissen, durch einen grauen ersetzten, wieder aufrissen und durch einen orangefarbenen und einen roten ersetzten. Plötzlich rollten die Mitarbeiter riesige donutförmige Sitzkissen an und verschwanden genauso schnell, wie sie aufgetaucht waren. Je länger ich auf meinen Beinen stand (täglich über zehn Stunden), desto verführerischer wurde das Sitzgebäck. Diese visuelle Grausamkeit potenzierte die Messe während den Publikumstagen, als plötzlich mehrere Masseure auftauchten und zehnminütige Massagen gegen eine Spenden anboten. Allein vom Zusehen schmerzte mein Nacken und verkrampfte sich mein Kreuz.


Wen vermisste ich eigentlich als Aussteller? Vor allem viele kleine Independent-Verlage haben sich die Frankfurter Buchmesse dieses Jahr aufgespart. Die Leipziger Messe sei lukrativer, da sie eine Publikums- und keine Lizenzmesse ist. Die Stände seien zu teuer, die Stellplätze unattraktiv. Und immer wieder das Leipzig-Argument. Aber auch die Stiftung Lesen fehlte beispielsweise in diesem Jahr ganz, und mehrere Besucher zogen enttäuscht fort, als ich zunächst im Ausstellerkatalog wühlte, nichts fand und schließlich die Reihen selber absuchte. Die Stiftung war immer ein Aussteller in nächster Nachbarschaft gewesen.


Weniger Aussteller, mehr Besucher? Während den Fachbesuchertagen war mein Eindruck gemischt. Vor allem Vormittags war der Andrang jeden Tag überwältigend und überraschend hoch, um dann nachmittags komplett zusammenzubrechen. Abends waren die Hallen so gut wie leer. Und die Publikumstage? Dieses Jahr war es die Hölle! Seit sechs Jahren bin ich inzwischen auf der Frankfurter Buchmesse unterwegs, und noch nie kamen mir die Hallen so überfüllt, die Gänge so überbevölkert und die Rolltreppen so überfrachtet vor. Besonders der Samstag war abnormal, als hätten sich die Besucher wie Bakterien alle paar Minuten heimlich geteilt. Ich wollte von der Halle 3.0 hoch zu 3.1 und dann schnell zu 4.1, um dann zum Schluss in 4.0 Wasser einkaufen zu gehen. Ich habe mehr als eineinhalb Stunden gebraucht.


Vor den Rolltreppen ballten sich die Menschenmassen. Direkt am Eingang von Halle 3.1 ordneten Sicherheitsleute die Besucher, teilweise warteten 150-200 dicht gedrängt darauf, ins Erdgeschoss runterfahren zu dürfen. Als ich die Halle 3.1 betrat, stand vor der Glastür ebenfalls Sicherheitspersonal und ließ die Menschen nicht mehr auf diesem Weg aus der Halle. Als alternative Route empfahlen sie den Weg über die Treppe entlang der weitläufigen Terrasse vor 3.1. Ich merkte mir den Weg und lief schließlich über den Platz in Richtung der Hallen 4.0 und 4.1. Die Rolltreppen bildeten auch hier das Nadelöhr, Sicherheitspersonal ersetzte hier noch die Bänder zwischen den Etagen. Stellenweise war das Gedränge so unerträglich, dass ich mich geschubst und gedrückt an die Loveparade erinnert fühlte. Sowohl in 4.1, als auch in 4.0 war kaum ein Durchkommen möglich. Entnervt gab ich auf.


Der Sonntag war ähnlich voll und mit der Zeit entwickelte ich meine eigenen Abkürzungen und Tricks, um möglichst schnell und unbeschadet von einem Ort zum anderen zu gelangen. Ich lief diagonal durch die Hallen, mied Kreuzungen und Lesungen, nutzte die Randgänge und liebte die geheimen Seitenstraßen, die nur wenige nutzten.


Vielleicht war es doch gar nicht so schlimm, dass das Lesezelt in diesem Jahr einen neuen Standort hatte und quasi ausgelagert war. Der Platz um den Audi-Pavillon war besonders zur Mittagszeit überfüllt, und eine zusätzliche, kilometerlange Schlange hätte dieses Mal sämtliche Kapazitäten gesprengt. Was blieb mir als Eindruck von der Frankfurter Buchmesse 2011 zurück? Das Gefühl, eben dieses Gefühl nicht wirklich zu besitzen. Ich hatte keine einzige Veranstaltung besuchen können, nahm an keiner Diskussion teil, hörte keiner einzigen Lesung zu. Stattdessen arbeitete und fror ich, da die Lüftung auf Hochtouren lief und mir beständig trotz Beschwerden kalten Wind in den Nacken pustete. Eine eisige, übervölkerte Buchmesse war es gewesen. Ein schönes Gastland hat uns besucht. Und ich muss unbedingt herausfinden, wo man diese Vorhänge herbekommen kann.

Freitag, 28. Oktober 2011

Buchmesse 2011 – Merkwürdige Besucher (IV)

Ich verteilte rund 5000 Magazine während den fünf Messetagen. Es ist ein netter, allerdings sehr anstrengender Job, da man den ganzen Tag auf den Beinen ist und aktiv auf andere zugehen muss, um ihnen dann glücklicherweise ein gutes Produkt anzubieten. Ich habe sehr viele Menschen gesehen, aber niemand ist mir so gut im Gedächtnis geblieben wie dieses eine Mädchen.

Sie gehörte genau in meine Zielgruppe, ich ging lächelnd auf sie zu und hielt ihr das Magazin hin und erklärte kurz, worum es geht. Statt mein Lächeln zu erwidern, starrte sie mich an und während meiner Erklärung senkten sich ihre Augenbrauen immer tiefer. Irgendwann schaute sie nicht mehr grimmig, sondern richtig böse drein und ich hakte sie innerlich schon ab, aber sie griff bereitwillig nach dem Heft, während ihr Blick immer wütender wurde.

Ich habe noch nie in so schwarze, böse Augen geblickt. Die Messe schien plötzlich ein Stockwerk tiefer in der Hölle gelandet zu sein. Oder ich war einfach durch ein Wurmloch mitten rein in einen Horrorfilm gerutscht. Ich strahlte sie an, wünschte ihr einen schönen Tag und ließ mir nichts anmerken. Das Mädchen verstaute stumm und wortlos das Magazin in ihrem Rucksack, warf mir einen abgrundtief hasserfüllten Blick zu und wanderte weiter.

Sie war vielleicht zehn, oder elf Jahre alt, und ich verstand wirklich nicht, wie jemand meiner zwei-Espresso-Laune so widerstehen konnte. Ich verteilte weiter meine Magazin, schaute mal links, mal nach rechts in den Gang, verteilte munter weiter, und erblickte das Mädchen plötzlich wieder. Sie stand an der Ecke und schien genervt auf jemanden zu warten. Als sich unsere Blicke kreuzten, lächelte ich sie an, doch sie reagierte auch darauf nicht, warf mir gönnerhaft ihren hasserfülltesten Blick zu und verschwand.

Montag, 24. Oktober 2011

Buchmesse 2011 – Unbekanntes Flugobjekt: Twitterschlangen


Der Audi-Pavillon sieht von außen schon sehr spektakulär aus. Was erwartete aber nun den Besucher, wenn er es wagte, sein Inneres zu betreten? (Es sah ja alles sehr formell und unnahbar aus.) Eine große Halle, in schwarz gehalten, mit runden, weißen, wellenförmigen Flächen, die mich glauben ließen, in einem elegant zerlegten, gigantischen Audi-Modell zu lustwandeln. Eine Bühne bot Platz für arg wichtige Diskussionen (als ich da war, wurde der Plagiat-Guttenberg zerlegt), danach kam der Eingang zur Antiquariatsmesse, die ich an diesem Ort als letztes vermutet hätte. Das warme Licht am Eingang und die gemütlich wirkenden Regale und Vitrinen mit echten, alten Büchern wirkten in dem klinisch schnöden Raum wie der Eingang zu einer nur allzu verlockenden Hölle. Für einen Ausflug dahin war meine Pause allerdings zu kurz.


Interessant war das Gebilde in der Mitte der Halle, umzingelt zwischen Bühne und einem Café: An 132 Druckern an der Ecke ringelten sich schmale Papierschlangen herab, die die Besucher zum Anfassen und Rätselraten animierte: Was war das nur?


Ein kurzer Blick genügte, um in den kurzen, datierten Textschnipseln mit kruden Abkürzungen Twitternachrichten zu erkennen. Bis heute hat sich mir allerdings nicht erschlossen, nach welchem Prinzip diese Tweets ausgewählt wurden, um in Echtzeit von der Decke des Audi-Pavillons gespuckt zu werden. Ich entdeckte keinen gemeinsamen Hashtag (#fbm11 wäre doch interessant gewesen!), sodass es vielleicht doch die persönliche Timeline des Künstlers Christopher Baker gewesen sein könnte? Auf alle Fälle kritisiert der Amerikaner mit seiner Installation vielleicht den irrsinnigen Datenmüll, der durch die modernen Kommunikationsmittel entsteht oder versucht in dieser digitalen Welt die gegenwärtige Poesie neu zu entdecken. Ich hätte auf alle Fälle gerne ein wenig Zeit gehabt, um mir das Ergebnis der Druckarbeiten am Sonntag anzusehen.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Buchmesse 2011 – Unbekanntes Flugobjekt: Audi-Pavillon


Eigentlich war ich mir ganz sicher: In der Agora auf dem Buchmesse-Gelände ist ein unbekanntes Flugobjekt gelandet, bis ich dann doch vom Gegenteil überzeugt wurde. Statt Antiquariats- und Lesezelt machte sich hier der Audi-Pavillon breit. Gewagte Formen, lauernde Beleuchtung, imposante Erscheinung. Sein Innenleben (falls man sich das Betreten überhaupt traute) bestand aus der Antiquariatsmesse und einer StoryDrive Bühne und einem dazugehörigen Kino samt Kunstinstallation. Einen Wegweiser zum Lesezelt hätte dieses Jahr so mancher Besucher gebraucht. Für mich ist dies ein weiterer Schritt, um sich von der Publikumsmesse in Leipzig abzugrenzen.


Montag, 17. Oktober 2011

Buchmesse 2011 – Merkwürdige Besucher (III)


Sehr geehrter Herr von Mythenmetz,

vielen Dank, dass Sie es dieses Jahr auf die Frankfurter Buchmesse geschafft haben, nachdem ich 2010 bereits Gerüchte über Ihr Erscheinen gehört habe. Ich hoffe, Sie haben sich wohl gefühlt, trotz all der ausgestellten Bücher in den übervollen Hallen, die Sie bestimmt an Buchhaim erinnert haben. Schade, dass es Ihr Übersetzer nicht an den Stand geschafft hat; selbst wenn Sie öfter mit ihm im feuilletonistischen Streit liegen, hat er aus Ihren famosen Werken doch lesbare Übersetzungen gemacht. Versöhnen Sie sich doch bitte mit ihm, damit weitere Übersetzungsarbeiten problemlos und schnell vonstatten gehen können.

Mit freundlichen Grüßen,
die Büchereule

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Buchmesse 2011 – Merkwürdige Besucher (I)

Ich bin heute Zwillingen begegnet. Sie sind an mir vorbeigeschwebt. Der eine Junge war groß, dürr, zehn Jahre alt, der andere Junge war klein, dürr, acht Jahre alt. Aber es waren Zwillingen, ganz bestimmt. Ihre bleichen Gesichter waren absolut identisch, bleich und wächsern. Ihre glanzlosen Haare blond und zu einer Ritterfrisur Marke Topfdeckel geschnitten. Die schwarzen Langarm-Pullover und die schwarzen Hosen und die schwarzen Turnschuhe betonten ihre Blässe. Absolut synchron liefen sie an mir vorbei und hinter beiden linken Ohren war ein übergroßes Pflaster angebracht.

Außerirdische? Zombies, denen das Gehirn ausgesaugt wurde und die das Loch mit einem Pflaster verdecken?

Buchmesse 2011 – Erster Tag, erste Impressionen


Genau wie dieser halbe Fuchs wäre ich am ersten Messetag gerne in den Erdboden versunken. Ich war schon nach wenigen Stunden ungeheuer messemüde geworden. Erst war alles ganz toll, die Stände, die Stimmung, das Publikum, das in ungewohnten Massen in die Hallen strömte. Doch dann ging alles schief. Die Messeleitung hatte zumindest in Halle 3.0 ein gewaltiges Problem mit der Lüftung, die Beschwerden häuften sich. Erst war es ungeheuer heiß, dann pustete einem die Lüftung die Haare vom Kopf. Ab 15 Uhr hatte er die Menschen aus den Hallen geföhnt und alles war plötzlich erschreckend leer. Das, was für einen Messe-Mittwoch an Andrang vorher noch zuviel gewesen ist, schrumpfte und fiel an Zahlen in sich zusammen. Und ich musste noch mehrere Stunden arbeiten, die sich wie Kaugummi zogen. Die Schuhe drückten, meine Geheimwaffen streikten, und meine Stiefel schabten an meinen neuen, roten Strumpfhosen (warum auch immer das nötig sein musste). Da stand ich nun, hatte nichts zu tun, wurde immer müder und hungriger, wünschte mir Schokolade und die Zeit verging so langsam, wie sich der Schmerz in den Füßen potenzierte. Meine Pause konnte ich nicht wie geplant dann machen, als eine spannende Diskussion anfing, andere Termine hatte ich mir nicht aufgeschrieben und für kreative Fotos war plötzlich keine Energie mehr da. Als ich abends zu Hause ankam, stellte ich fest, dass mein Lieblings-Klatschblatt der FAZ nicht mehr in meiner Tasche war. Man, das war ein blöder Messetag gewesen (bis auf die Island-Ausstellung). Blöd, blöd, blöd!

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Buchmesse 2011 – Aufbau


Für mich fing die Buchmesse schon am Dienstag an. Ich half einem befreundeten Verlag beim Aufbau ihres Standes in Halle 3.0 und bekam dafür eine Aufbau-Eintrittskarte und einen Bagel mit Sesam. Vor allem aber habe ich mich auf die Karte gefreut, denn so konnte ich nach dem flotten Auspacken, Einräumen, Putzen und Umstellen durch die unfertigen Hallen streunen.


Aber halt, eigentlich fing für mich das Gefühl, das jetzt endlich wieder Messe-Zeit ist, schon ein paar Minuten vorher an. Noch bevor der bleistiftförmige Messeturm am Horizont auftauchte. In der S-Bahn stiegen eine Engländerin mit penetranter Stimme ein und drei Ungarn mit großen, schweren Koffern. Sie sprachen über Süßigkeiten und Künstler, eine gute Mischung, wie ich finde. Und ich stellte mir vor, wie um mich herum Agenten aus dem Ausland saßen und vielleicht zum ersten Mal hier in Frankfurt waren, um sich die Rechte an einem zukünftigen Bestseller zu sichern. Ich schielte nach Lesern des Börsenblatts oder buchreports, meine Vermutung blieb aber unbestätigt im stickigen Bahnabteil in der Luft kleben.


Noch früher, das Messe-Gefühl setzte noch eher ein als gedacht. Letzte Woche war ich zwei Mal in Frankfurt gewesen, zum Umsteigen und Einkaufen (für die Buchmesse). Letztes Jahr hingen die großen Plakate mit den gelben Flächen und dem jungen Mann überall herum und warben für die Buchmesse 2010. Dieses Jahr entdeckte ich die Puzzleteile, die die verschiedensten Menschen miteinander verband, nur wegen der Messe. Interessantes, neues Konzept, aber ein bisschen fad waren die Plakate schon. Und heute schon wieder weg, als hätten die Werbemenschen es sich plötzlich anders überlegt.


Noch früher, viel früher. Diese stille Sehnsucht nach diesem trubeligen Ort setzte bereits im September ein, als Wortschatz und ich einen der grauen Aussichtsplattformen bestiegen und den Messeturm im Licht der untergehenden Sonne fotografierten. Warm war es da noch gewesen, der Taunus versank im Schatten und die Flieger flogen über den Süden in Richtung Stadion und landeten auf dem großen Flughafen, der so grau und deplatziert in der Landschaft wirkte.


Ich streunte heute umher, meine Kamera in der Hand, zuviel Gepäck auf dem Rücken. Ich beneidete den Standplatz des befreundeten Verlags, die in Halle 3.0 direkt die Fenster im Blick haben, während ich am anderen Ende eine Woche lang das Tageslicht nicht sehen werde. Im Dunkeln hin, im Dunkeln zurück, so sah das bislang bei mir aus, außer im vergangenen Jahr. In 3.0 herrschte ein munteres Treiben, irgendwo probierte ein Verlag ihre Musik am Stand aus. In 4.0 herrschte ein überschaubares Chaos, bis ich dort plötzlich in der Non-Book-Abteilung stand und beschloss, diese besser zu umgehen. Der Kleinkram dort beanspruchte mehr Kisten als auf die Gänge passten, geschweige den die Halle. Bei meiner Flucht kreuzte ich zwei Gabelstaplern. So ist das nun mal, von Mittwoch bis Sonntag sind es Ellenbogen und Fußtritte, am Dienstag Gabelstapler.


Richtig, richtig schlimm sah es nicht bei den Strebern in 4.1 aus, sondern in Halle 3.1. Manche Gänge waren frei, andere hingegen unbetretbar. Die Kisten, Verpackungsmaterialien, Folien türmten sich mehrere Stockwerke hoch. Ob hier noch vor Mitternacht der Teppich verlegt werden konnte? In 3.0 sollte er um 15 Uhr kommen, ich hab ihn allerdings auch um 16 Uhr noch nicht gesehen. Stress allerdings auch nicht, eher verschwitzte, glückliche und rauchende Menschen, überall. Genau so sieht die Messe-Vorfreude aus.

Dienstag, 2. November 2010

Buchmesse 2010 – Fünfter Tag, mehr als fünf Stunden Schlaf gesucht


Der letzte Tag war ein Buchmessetag der Kontraste. Einerseits gab es Hallen, die übervoll waren. Das Stöbern und Entdecken machte hier keinen Spaß und die Zugabe – schlechtgelaunte Messebesucher – war ebenfalls nicht erfreulich. Wesentlich interessanter wurde es in den Hallen abseits der Massen: Gähnende Leere, abgeräumte Regale und lauter Menschen, die mit dem Aufräumen beschäftigt waren.


Stille kehrte ein in die Hallen – so nach und nach. Spätestens nach der Mittagszeit deckt an Sonntagen ein kollektives Wachkoma die Standbetreiber zu, die langsam und mit steifen Gliedern mit dem Einpacken beginnen.


Regale werden leergeräumt, Bücher verpackt, Schilder vorsichtig von der Wand gelöst. Bereits eine Stunde vor Schluss türmte sich das Verpackungsmaterial bei uns in Halle 4.1, die ersten Sektflaschen wanderten von Stand zu Stand und besonders coole Verleger setzten sich über das Rauchverbot hinweg. Alles egal, alles vergessen, denn durch die Anstrengungen der letzten Tage hatte man ein dickes Fell bzw. Hornhaut angesammelt.


Schmerzende Fußsohlen, steife Beine, verspannte Nacken, Kopfschmerzen. Als der Gong zum letzten Mal ertönte, um die letzten Besucher am letzten Tag hinauszuscheuchen, war alles vergessen und überall fiel die Anspannung von den Menschen.


Nach einem turbulenten letzten Nachmittag verabschiedete ich mich ebenfalls etwas wehmütig von der Buchmesse. Um 19.42 Uhr stieg ich in die Straßenbahn und blickte zum letzten Mal zurück auf den Messeturm und die wehenden Flaggen. Bis zum nächsten Jahr, liebste Frankfurter Buchmesse.

Montag, 18. Oktober 2010

Buchmesse 2010 – Sonne, Himmel, frische Luft!


Morgens eilt man zur Messe. Meistens ist es – da Anfang/Mitte Oktober – fast noch dunkel, wenn die S-Bahn, das Taxi, die Straßenbahn, das Fahrrad oder die U-Bahn erklommen wird. In den Hallen verliert sich der Morgen in den Mittag und dieser stolpert in den Abend hinein. Ohne Fenster leidet man in den stickigen Hallen still vor sich hin, bis die Messe einen nachts wieder hinaus in die Dunkelheit spuckt.


Gegen diesen Zustand mag ich protestieren – und zwar mit einer kleinen Fotostrecke. Für dich, lieber Leser, habe ich extra den Schritt hinaus gewagt, richtig nach draußen, nicht nur im gläsernen Gang stehend. Es war sogar schönes Wetter gewesen, auch wenn wir davon wahrscheinlich gar nichts mitbekommen haben.


Ich liebe die Bänke um die kleine Wasseranlage herum in der Agora. Besonders in der Mittagszeit ist der Trubel immer wieder faszinierend. Ein weiterer Geheimtipp ist eine Treppe vor der Halle 3.0, die auf die Terrasse vor der Halle 3.1 führt. Der Ausblick von hier ist wunderbar, die Menschen winzig, die Messe plötzlich weit weg. Und wenn der Wind sich richtig austobt und wie verrückt pustet, dann ist man trunken vor lauter Sauerstoff, dass einem der restliche Tag nicht mehr ganz so schwer vorkommt.