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Mittwoch, 21. November 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 47


Erinnerst Du dich noch an das Cover von Dan Browns Sakrileg? Oder an Cecilia Aherns Liebesroman mit himmelblauen Hintergrund und luftig geschwungener Schrift? Wenn nicht, dann denke bitte an die vielen Fantasy-Romane mit den Frauengesichtern auf dem Cover, die melancholisch mit großen Augen ins Leere blicken und an ihre große Liebe denken. All diese Bücher haben in ihrer Gestaltung Trends geschaffen, die teilweise bis zum Erbrechen kopiert wurden. Interessant dabei fand ich vor allem, wie offensiv geklaut wurde.

Seitdem beobachte ich argwöhnisch die Neuerscheinungen, denn jedes neue Buch hat Potential, einen neuen Trend einzuläuten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mit J.K. Rowlings neuem Buch ebenfalls eine Mode eingeführt wird und der Trend hin zum Retro-Cover geht. Da das Rowling-Cover bislang nicht gut ankommt, bin ich gespannt, ob ich mit meiner Vermutung recht haben werde. Denn mal ehrlich: Jeder neue Modetrend ist auf den ersten Blick potthässlich, bis man sich an ihn gewöhnt hat.

Und wenn man sich so den Liebesroman-Tisch der Engländer in einem Buchladen ansieht, blickt man in eine ganz andere Welt. Wer viel und gerne Blogs liest, dem wird der Trend zu weißen Blogs aufgefallen sein. Ob dieser Geschmack sich irgendwann auch in weißen Liebesromanen in Deutschland niederschlagen wird?

Mittwoch, 7. November 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 45


Soviel zum neuen Trend, den Buchschnitt mit bunten Motiven zu verzieren. Ich selbst kannte bislang nur Varianten mit einem Muster (marmoriert), einem besonderen Bezug (vergoldet) oder einer Farbe. Indem der Buchschnitt durch die Farbe nochmal behandelt wird, quellt das Papier leicht auf, sodass kein Schmutz und Staub ins Buchinnere gelangen kann. Früher war deshalb nur der Kopfschnitt eingefärbt. Die bunten Motive von heute dienen also eher der Ästhetik. Mal schauen, wann der erste bibliophile Buchtitel auftaucht, der den Schnitt mit Buchstaben verziert. Das wäre doch eine feine Idee für den nächsten Moers?

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 44


Zum Samhain-Fest gibt es hier nun ein kleines Gender-Posting. Als ich im September mit Wortschatz Ferien machte, verschlug es uns unter anderem durch ein sehr günstiges Angebote in ein sehr abgelegenes Hotel. Wir waren ungefähr vierzig Jahre jünger als die zweitjüngsten Gäste in diesem urigen Schmuckstück und als wir unser Zimmer betraten, sind wir fast umgefallen: Seidentapeten, prunkvolle Spiegel mit goldenen, verschnörkelten Rahmen, schwere, dunkle Echtholzmöbel (die schönen, die nicht nach Großeltern, sondern nach Wohlstand aussehen), und neben dem modernen Badezimmer stand neben dem Bett, mitten im Raum, eine freistehende Badewanne auf goldenen Löwenfüßchen in einer Nische, die mit Marmor verkleidet war. Kurzum fühlten wir, zwei junge Studenten, uns plötzlich wie Könige eines vergessenen Reichs.

Ein Blick und ich erhaschte neben meiner Bettseite zwei Regale mit Büchern. Ich entschied mich spontan für die linke Bettseite und war erfreut, neben mir nach Farben geordnete Klassiker zu finden, darunter eine tolle Ausgabe von Thomas Mann, allerdings auch einige Reader's Digest-Bücher. Neugierig geworden schritt ich (in so einem Zimmer schreitet man wie eine Dame!) zum Bücherregal auf der anderen Bettseite und erblickte hier eine bunte Ansammlung von Danielle Steel, Utta Danella, Pferdebüchern, Konsalik und Konsorten.

Oha! Habe ich da gerade eine Gender-Falle entdeckt und ein Buchregal für Männer und ein Buchregal für Frauen entdeckt? Natürlich in Anbetracht der Tatsache, welche ältere Zielgruppe so ein Hotel besucht? Ich fand die Auswahl spannend und auch die Platzierung: Die Frauenbücher, vermutlich, befanden sich auf derselben Bettseite, vor der die Badewanne thronte. Ebenso das Telefon zum Hotel und ein eiserner Ständer für Anzüge (damit die Frau sie für den Mann abends aufhängen kann?). Auf meiner Seite mit den Klassikern befand sich hingegen nur der Wecker. 

Als Freund von Statistiken würde ich nun doch gerne Zahlen sehen, wie die Bettverteilung vor uns ausgesehen hat. Haben die Bücher letztendlich die Platzwahl und so die Rollenverteilung während des Urlaubs bestimmt? Wurden sie überhaupt beachtet? Sah es in allen Zimmer ähnlich aus? Wie war dort die Verteilung der Badewanne und des Anzughalters? War die Anordnung bei uns Zufall? Oder bildete ich mir dort in meinem urigen Königreich mit Hirschgeweihen und Truthähnen im Frühstückssalon einfach zu viel ein?


Mittwoch, 26. September 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 39


Habe ich mich vor einiger Zeit über farbigen Buchschnitt gefreut, folgt nun anscheinend der nächste Trend. Es ist so einfach wie genial: Statt einem Muster oder einer Farbe werden Motive auf den Kopf-, Vorder- und Unterschnitt gedruckt. Ich bin sehr gespannt, wie die Hersteller, Grafiker und Gestalter mit diesem tollen Trend spielen werden. Einen praktischen Nutzen hat der bunte Schnitt in dieser Art nicht, aber er sieht gut aus. Und nun kann man die Bücher auch mit dem Rücken nach hinten gedreht im Regal stehen haben. Fein!

Montag, 20. August 2012

Buch-Challenge – »Rory Gilmore Reading Challenge«




Neulich habe ich meine Sehnsucht nach echten Büchern beschrieben. Bücher, die Gesellschaften bewegt und ihre Leser verändert und beeinflusst haben. Literatur, die kompliziert ist, den Leser fordert und mit echten Glücksmomenten belohnt: Spitzen Dialogen, tiefgründigen Charakteren, unerwarteten Wendungen. Bücher, die in ihrer Klarheit schockieren, die mit ihren Themen mitreißen und deren beschriebene Kultur einfach unglaublich ist.

Auf der Suche nach einem Bild von der lesenden Rory Gilmore bin ich plötzlich über eine Challenge gestolpert, bei der mein Leserherz gejauchzt hat. Die »Rory Gilmore Reading Challenge« listet alle Bücher auf, die Rory Gilmore während all den Staffeln je in der Hand gehalten und gelesen hat, aber auch jene, über die gesprochen wurde. Und genau diese Liste möchte ich mir vornehmen.

Da ich mir derzeit ein Leseverbot auferzwungen habe, weil ich mich auf meine Magisterarbeit konzentrieren möchte, plane ich nach meinem Abschluss, das Jahr 2013 zu einem Rory-Gilmore-Lesejahr zu machen. Ich werde (außer für die Arbeit) keine anderen Bücher lesen als die, die auf der Liste stehen.

Es sind viele Titel dabei, die ich schon immer lesen wollte, angefangen von Marcel Proust, Lewis Carroll, Henry James, William Faulkner, Sylvia Plath, Alexandre Dumas, Dostojewsky, Arthur Miller, Dante, James Joyce, Mark Twain, Victor Hugo und vielen mehr, außerdem noch einige Schriftsteller, die ich gerne noch einmal lesen würde, wie vieles von Shakespeare, Stephen King, Sailinger, Kafka, Norman Mailer, Umberto Eco, Oscar Wilde und Virgina Woolf.


Die komplette Listet findet ihr hier. Für Deutschland hat die Bloggerin SeitenBlicke das Thema aufgegriffen und eingeführt. Zum Start werde ich nochmal die komplette Liste übersetzen, sortieren und in einem neuen Blogpost aufgreifen. Ich freue mich schon auf 2013 und auf qualitatives statt quantitatives Lesen!

Freitag, 10. August 2012

Vorsicht, Verwechslungsgefahr! (II)

Letztens musste ich wieder mal viele aktuelle Neuerscheinungen durchgehen, dieses Mal im Bereich Jugendbuch. Da ich nicht nur stupide ISBN-Nummern kopieren wollte, hab ich auch hin und wieder in die Klappentexte reingelesen. Und dabei ist mir etwas sehr witziges aufgefallen: Die meisten erste Sätze im Werbetext aktueller Jugendbuch-Bestseller hatten Satzkonstruktionen mit den Wörtern »bis«, »als« oder »doch (dann)«, die vereinfacht beschrieben eine Wendung in einer Handlung ankündigen. Seht selbst, wie meine Sammlung wahllos ausgewählter Titel aussieht:

Mit Romantik oder gar Leidenschaft hätte Bella ihren Umzug nach Forks, einer langweiligen, ständig verregneten Kleinstadt in Washington State, kaum in Verbindung gebracht. Bis sie den geheimnisvollen und attraktiven Edward kennenlernt.


Sophie ist gerade mit ihrer Mutter nach Kalifornien gezogen und eigentlich ganz zufrieden mit ihrem Leben. Doch dann rammt sie beim Ausparken das Auto eines Jungen, der unglaublich charmant und gut aussehend ist.

Wie ein feuriger Blitzschlag ... ... fühlt es sich an, als Asher in Remys Leben tritt.

Für die sechzehnjährige Milla scheint die Zeit stehen zu bleiben, als sie an einem heißen Frühlingstag dem jungen Gondoliere Luca begegnet.

Lucinda Price ist 17 und den ersten Tag auf dem Internat, als sie ihn sieht: Daniel Grigori, den unglaublich attraktiven, aber auch unglaublich distanzierten Jungen, von dem sie sicher ist, dass sie ihn schon einmal gesehen hat.


Lady Katsa wird überall gefürchtet, denn sie hat die Gabe des Tötens. Doch sie ist es leid, ständig als Racheengel eingesetzt zu werden - und als sie dem geheimnisvollen Prinzen von Lienid begegnet, schöpft sie Hoffnung, mit ihrer Gabe auch Gutes bewirken zu können.

Zwischen Himmel und Hölle liegt nur ein Herzschlag. Als Frannie zum ersten Mal Luc begegnet, fehlen ihr die Worte. Dabei ist sie sonst nicht auf den Mund gefallen. Doch der Neue sieht einfach unverschämt gut aus: ein echter Drauf­gänger mit dunkler Aura – genau ihr Typ.

Auch Lena steht dieser kleine Eingriff bevor, kurz vor ihrem 18. Geburtstag. Danach wird sie geheilt sein. Sie wird sich nicht verlieben. Niemals. Aber dann lernt sie Alex kennen.

Als Jade, das Mädchen mit den
flussgrünen Augen, den schönen und fremdartigen Faun kennenlernt, ist ihre Welt bereits am Zerbrechen.

Als Nora ihm zum ersten Mal begegnet, weiß sie gleich, dass seine
tiefschwarzen Augen mehr verbergen als offenbaren: Patch wirkt geheimnisvoll, fast unheimlich auf sie, und Nora ist zutiefst fasziniert von seiner rätselhaften Ausstrahlung.

Verliebt war die sechzehnjährige Tori schon hunderte Male. Doch noch nie hat sich ihr Angebeteter vor ihren Augen in schimmernde Luft aufgelöst. Cam Chase, mit seinen
tiefgrünen Augen, verbirgt ein Geheimnis vor ihr. Doch was steckt hinter seinen wandlerischen Fähigkeiten?

Ob die Sterne wussten, dass diese Nacht Mias Leben verändern würde? Sie erleuchteten den ganzen Himmel, als Iason mit den anderen Flüchtlingen auf der Erde landete. Jetzt steht er vor ihr. Eine dunkle Stille geht von ihm aus, doch seine
graublauen Augen scheinen ins Innerste von Mia zu blicken.

Vor etwa einem Jahr war ich frustriert. Mit Büchern, mit der Literatur, mit dem Buchmarkt. Ich sagte zu meinem Verlagskollegen (der wie ich Literaturwissenschaftler ist): Ist das nicht unglaublich zermürbend? Irgendwann wiederholt sich doch jede Geschichte. Ich begann nur noch Bezüge, Motive und Personenkonstellationen zu sehen, die in einem unendlichen Brei immer wieder auf dasselbe Ende hinausliefen. Ich dachte an eben diesen Verleger, der mir erzählt hatte, dass er seit Jahren keine Bücher mehr lese und nur noch eins nach dem anderen anlese (so kamen wir zu meiner Beschreibung). 

Ich dachte aber auch an einen Zeitungsartikel, den ich vor Jahren gelesen habe. Der beschreibt, dass Menschen eigentlich gerne in ihrem Genre bleiben und so immer wieder dieselben Geschichten erleben wollen. Wer einmal sein ganzes Leben lang historische Liebesromane gelesen hat, wird sich im Alter schwer zu einem Krimileser umerziehen lassen. 

Und dann entdeckte ich diese Sätze aus den Klappentexten, die genau dieses Phänomen, diesen Zeitgeist beschreiben. Ein Trend führt zur nächsten Modeerscheinung: Erst die Vampire, dann die Werwölfe, dann die Engel und Dämonen, dann die Zombies. Und selbst wenn die Protagonisten sich ändern, bleibt die Konstellation der Figuren doch immer gleich und befriedigt so eine junge Zielgruppe, die genau das lesen will, was der Buchmarkt ihnen liefert.

Es sind Geschichten von jungen Mädchen, idealerweise 17 Jahre jung (Identifikationsmöglichkeit ist gegeben und die Grauzone zwischen Jugendlichen und Erwachsenen wird miteinbezogen), die entweder denken, sie wären zu normal. Oder die sich unnormal und sich deshalb als Außenseiter fühlen. Dann tritt der Wandel in Form eines Jungen ein. Dieser Fremde ist stets geheimnisvoll, unheimlich, mysteriös, rätselhaft und sieht sehr gut aus. Es folgt eine unwiderstehliche Faszination der Charaktere füreinander. Wie die Geschichte weitergeht, hängt von der Rollenverteilung ab. Ist das Mädchen wirklich normal und nicht besonders, dann ist der fremde Junge anders und zieht das Mädchen in seine unnormale Welt. Entweder er ist ein anderes Wesen oder hat besondere Kräfte. Es kommt zu einer Einführung in die fremde Welt, es kommt zu einem Konflikt mit der Welt und ihren Restriktionen, die die Liebe zwischen dem Mädchen und dem Jungen prüft. Danach folgt ein schönes Ende.
Es kann aber auch sein, dass das Mädchen nicht normal ist und der fremde Junge diese Veränderungen deutlich macht. Er als Mensch erkennt das Unmenschliche in ihr. Entweder hat er das Wissen, sie aufzuklären (er spielt eine Rolle in dieser magischen Welt) oder sie will verhindern, dass er sich aus ihrer neuen Welt entfernt und weiht ihn in das Geheimnis ein. Wieder kommt es zu Konflikten zwischen ihrer und seiner Welt, die Liebe jedoch bleibt bestehen.

Die Augensymbolik spielt gegenwärtig eine immens große Rolle: Es kann als sehendes, wissendes, erkennendes Auge interpretiert werden. Bella sieht, dass Edward anders ist. Seine Augenfarbe verändert sich zudem als sichtbarer Beweis. Als mystisches und religiöses Symbol durchdringt das Auge alle Geheimnisse und weiß alles: Als wissendes Auge blickt es über die Geheimnisse, die verborgen sind, hinweg. Dadurch gewinnt der Sehende Macht und Stärke. Sämtliche Charaktere sind deshalb fasziniert von den geheimnisvollen Augen des Fremden und umgekehrt. Ist der Junge nicht von dieser Welt, erkennt das Mädchen in den Augen dieses Geheimnis. Ist das Mädchen nicht normal, erkennt es in den sanften, menschlichen Augen des Jungen ihre eigene Fremdheit. Natürlich erkennen sich das Mädchen und der Junge gegenseitig in ihrem Blick: Ihre Augen sind der Spiegel ihrer Seele und indem sie sich ganz erkennen, schafft das eine Bindung, die keinerlei Erklärung oder Begründungen braucht: Es ist die unsterbliche Liebe.

Mit dieser Zuordnung habe ich für mich eine Begründung gefunden, warum mich der Buchmarkt vor gar nicht so langer Zeit unglaublich frustriert hat. Letztendlich sind die gegenwärtigen Bestseller alles Spiegelungen von tausend anderen zuvor gelesenen Geschichten. Teilweise brauchte die Liebe beider Protagonisten sogar so wenig Begründung, dass die Bücher überhaupt keinen Tiefgang hatten und die Figuren platt und oberflächlich wurden. Die Entwicklung war selten überraschend, denn das Schema war immer gleich. Dabei war es egal, ob ein Werwolf oder ein Engel die Hauptfigur spielte, denn jede Welt brachte seine eigenen Restriktionen mit sich, die wiederum (Achtung! Spoiler!) immer zu demselben Ergebnis führte: Ein perfektes, langweiliges (unendliches) Leben mit der großen Liebe, variabel ausgedehnt auf eine beliebige Anzahl von Büchern.

Klar wird damit ein Markt bedient und Leser herangezogen, die genau das lesen wollen, was sie bekommen. Ich hingegen bin ein Leser, der alles liest und jedes Genre annimmt. Ich bin offen für Bestseller, für Indie-Literatur, für Klassiker, für Trash, für ernste Gegenwartsliteratur, blutige Thriller, historische Romane, schnulzige, französische Liebesgeschichten, Vampirbücher (ich bin auf Dracula und Stephen King geprägt), Abenteuerromane, Internatsgeschichten, die großen Amerikaner, die Russen, die Südamerikaner, die Autoren aus dem Balken, die Schriftsteller aus Island: Kurzum liebe ich die Abwechslung, wie verschiedene Länder, Zeiten und Kulturen mit verschiedenen oder gleichen Themen umgehen und bin offen für das Neue. Ein, zwei Jahre habe ich zwischen Nabokov, Shakespeare, Samuel Beckett, Don DeLillo, Tolstoi, Baudelaire, T.S. Eliot, E.T.A. Hoffmann, Marcel Proust, Émile Zola, Mark Danielewski und anderen Büchern, die mich forderten, in den freien Stunden gerne bei den erwähnten Büchern Freiheit gesucht. Es waren einfache Bücher, die in einer Nacht runtergelesen werden konnten, die bestätigten, dass ich als langsam lesende Leseratte mehr als 50 Bücher im Jahr schaffe. Aber mit der Zeit frustrierten sie mich so sehr, dass ich mich nun nach der Zeit sehne, die nach meiner Magisterarbeit kommt. Wenn ich wieder die Zeit finde, mich mit anspruchsvoller Literatur, unglaublichen Dialogen, überraschenden Wendungen und tiefgründigen Figuren auseinander zu setzen. 

Mal schauen, wie der Markt für Jugendbücher in zehn Jahren aussehen wird. Wenn den Autoren nach Wurmmenschen, Außerirdischen und sämtlichen, aufgewärmten Märchenprotagonisten keine phantastischen Wesen mehr einfallen, müssen sie ja an den Handlungen etwas verändern. Vielleicht.

Freitag, 3. August 2012

Bookmarks – Lesezeichen


Meine ersten eigenen Lesezeichen waren eigentlich ziemlich langweilig. Ich habe sie mir in der fünften Klasse auf unserem ersten Weihnachtsbasar der Schule gekauft. Sie waren weiß, aus Pappe ausgeschnitten und hatten verschiedene Tiermotive, die erhaben waren. Als wären sie der Abdruck eines Stempels mit einer Gelflüssigkeit als Tinte. Da kann ich mich an einen Bären erinnern. Weitaus spannender war für mich ein Lesezeichen in dergleichen Form mit einem aufgeklebten Textmuster. Das besondere für mich war, dass das Mädchen alle Namen aus meiner Klasse abgetippt, ausgedruckt und draufgeklebt hat. Noch nie hatte ich einen Gegenstand, der ganz kommerziell meinen Namen trug. (Zur Erklärung: Er ist nicht alltäglich.)


Danach hatte ich klassische Lesezeichen. Ausgeschnittene Bilder von Lieblingsautoren aus der Zeitung, aufgeklebt auf Kartonpapier. Rausgerissene Zeitungsseiten, Fotografien, gekaufte Lesezeichen mit schönen Bildmotiven. Doch in Zeiten von Internet, DaWanda, Etsy, Pinterest und Unmengen an Blogs mit DIY-Schwerpunkten reizt es einem dann doch, mitzumachen, zu basteln und schöne, ästhetische Lesezeichen zu gestalten. Ganz einfach weil wir als Leser und buchaffine Menschen das Sinnliche lieben: In Büchern schnüffeln, zusammengeklebte Seiten aufstupsen und den E-Reader mit aufwendigen Mappen und Hüllen eine individuelle Note zu verleihen.


Die klassischen Lesezeichen sind für mich einfache, flache Zettel in jeglicher Form, die zwischen die Seiten gelegt werden. Ganz wunderbar fand ich die Idee, dafür einen Pantone-Farbfächer umzugestalten und mit einem Band in passender Farbe zu versehen. Passende Motivstanzer sind inzwischen günstig und mit vielen verschiedenen Symbolen verfügbar. Ganz häufig finden sich auch Lesezeichen mit Sprüchen und Schriftspielereien, natürlich mit bibliophilen Inhalten.


Die Königsklasse erreichen Lesezeichen, wenn mit dem Material gespielt wird. An dem Modell im Vintage-Look kann ich mich gar nicht sattsehen, doch für solche Exemplare fehlen mir nicht nur der richtige Stoff, sondern wahrscheinlich auch die Nähkünste. Zurück zum Ursprung kommt man mit Lesezeichen aus Holz. Holz begegnet mir als Trendstoff beim Basteln immer häufiger und passt meiner Meinung nach gut zum bibliophilen Thema und zur Sehnsucht nach einer naturnahen, einfachen Haptik.


Im nächsten Schritt gibt es natürlich klassische Lesezeichen, die mit dem Genre spielen, das der Leser bevorzugt. Spannungsmesser, Mittäter, Mordsgaudi als Lesestoff in Messerform finde ich sehr originell. Ich selbst hatte in meiner Vampirlesezeit vor zehn Jahren (Bram Stoker und Anne Rice) etwas eher makaberes gebastelt: Ein blutiges Taschentuch, natürlich einlaminiert. Passte aber gut zum Horror- beziehungsweise Vampirmotiv.


Dass ich eine kleine Schwäche für Eulen habe, muss ich wohl nicht erwähnen. Tiermotive werden ebenfalls gerne als klassische Lesezeichen benutzt. Ganz schrecklich finde ich den Bücherwurm (ich finde Würmer eklig, egal wie verkitscht sie dargestellt werden) oder die Leseratte (woher kommen diese Vergleiche eigentlich?), wesentlich besser die weise Eule, den schlauen Fuchs, die listige Krähe oder den geheimnisvollen Wolf. Ich muss mal wieder nach Motivpapier Ausschau halten, vielleicht finde ich ein paar schöne Muster zum Basteln.


Das war es erst einmal mit den klassischen Lesezeichen. Kommen wir nun zu den Exemplaren, die es sich an den Ecken gemütlich machen. Okay, das erste Modell passt nicht so ganz, denn das Lesezeichen eines Vogels könnte man auch entlang des Seitenrandes weiterschieben. Dieses Lesezeichen, übrigens aus dünnem Metall, ist aber eine gute Überleitung zwischen den klassischen und den Eck-Lesezeichen.


Sehr typisch ist allerdings das folgende Eck-Lesezeichen, das sogar einen Papierbommel hat. Obwohl die meisten dieser Lesezeichen sehr einfach aussehen, werden sie selten geklebt, sondern kunstvoll gefaltet. Ich selbst lerne gerade, wie man ein Eck-Lesezeichen mit einer Herzform faltet. Je nachdem, wie aufwendig man vorangeht, desto kniffliger wird die Angelegenheit. Oben in dem Bild sind übrigens die einzelnen Blütenblätter gefaltet.


Darf es auch ein wenig moderner sein? Dann ist das Moustache-Lesezeichen ein absolutes Muss! Und aus Erfahrung kann ich sagen, dass es sehr knifflig ist, so einen Schnauzer zu zeichnen (ich hatte meine Nägel mal mit kleinen Moustaches verziert). Das abgebildete Lesezeichen ist aber nicht gefaltet, sondern geklebt worden. Welch schnöde Schummelei!


Mein letztes Beispiel aus der Reihe der Eck- (oder Seitenränder) Lesezeichen geistern gerade in dieser und ähnlicher Form durch sämtliche Modeblogs. Und zwar als Ringe, die ganz schlicht aus Metall und in Herzform zurechtgebogen werden. Dasselbe klappt natürlich auch für Lesezeichen.


Die nächste Lesezeichen-Gattung zähle ich zu den flexiblen Markern, zumeist Gummibänder. Diese können mittlerweile sehr lustige und praktische Formen annehmen, wie der blaue Zeigefinger, der nicht nur die Seite, sondern auch den zuletzt gelesenen Satz markiert.


Das absolut skurrilste Lesezeichen überhaupt stammt aus Japan und war flüssig, ist glibbrig und wird als Liquid Bookmark angepriesen. Ich finde das Lesezeichen genial, sofern es nicht abfärbt oder die Struktur des Papiers durch die Feuchtigkeit verändert. Den Schleim gibt es in drei Farben: Weiß, Rot und Grau. Und wird vom Designer selbst gegossen. Aha!


Kommen wir zum Schluss nun zu Lesezeichen, die sich durch ihre Gegenständlichkeit auszeichnen. Dazu gehören meiner Meinung nach die nachfolgenden vier Bookmarks, die alle eine dünne Fläche haben, die zwischen die Buchseiten gelegt wird, aber auch wuchtige, auffällige Formen, die die gelesene Seite visuell von Außen markieren. Ein dünnes Band aus Vlies, eine auffällige Perle? Schwubbs ist das Lesezeichen mit der Weintraube perfekt. Eigentlich hat das Lesezeichen an beiden Enden diese Perle, was ich wiederum sehr unpraktisch bei Transportbüchern finde. Bücher, die nur zu Hause gelesen werden und deshalb auf dem Nachtisch liegen, können so ein Lesezeichen haben. Stehend, in einer Tasche, verknickt die Perle vielleicht den Unterschnitt oder den Einband.


Das Problem hat der Zipper nicht. Dieses Lesezeichen ist ein lustiges Gadget und macht optisch echt was her. Die Bilder auf Trendhunter machen echt was her, doch ich wollte hier im Blog vor allem darstellen, wie der Zipper im Ganzen aussieht. Im Einsatz ist nur der Reißverschluss zwischen den Buchseiten zu sehen.


Das Bücher fantasievoll sind, vor Leben und Abenteuern nur so strotzen und in fremde Welten entführen, spiegeln die nächsten Lesezeichen sehr schön wieder. An normale Lesezeichen sind Füße beziehungsweise Hände angebracht wurden, die aus dem Buch herausragen. Das erste Lesezeichen verweist auf den Zauberer von Oz, das zweite hingegen auf Zombies. Die Zombiehände waren übrigens auch die ersten ungewöhnlichen Lesezeichen, die ich im Netz bewusst wahrgenommen habe. Und ja, ich würde sie mir bestellen.


Zum Schluss wie immer noch einmal die Quellenangaben zu den einzelnen Lesezeichen:
Pantone-Farbfächer-Lesezeichen, Lesezeichen mit Sprüchen, Vintage-Lesezeichen, Lesezeichen aus Holz, Krimilesezeichen, Eulen-Lesezeichen, Metallvogel-Lesezeichen, Eck-Lesezeichen mit Blume, Moustache-Lesezeichen, Herz-Lesezeichen, blauer Zeigefinger, Liquid Bookmark, Weintrauben-Lesezeichen, Zipper-Lesezeichen, Zauberer von Oz, Zombies

Freitag, 22. Juni 2012

Literary Tattoos – Bibliophile Tattoos


Ein weiteres Phänomen, was mich seit Pinterest ständig begleitet, sind neben ausgefallenen Küchlein, DIY-Gartendekorationen und Buchregalen vor allem eines: Literarische Tattoos. Bislang habe ich diesem Körperschmuck wenig Beachtung gezollt, doch seit Pinterest respektiere ich sie vor allem als eigenständige Kunstform (im Idealfall). Besonders spannend wird es, wenn Bücher zum Thema werden. Von diesen Literary Tattoos möchte ich Euch einige Varianten vorstellen und fange am besten mit der verbreitetsten an: Zitate aus Büchern. Im ersten Foto wurde Shakespeares »A Midsummer Night's Dream« verewigt. Für viele Zitate sucht sich der Tätowierte ausgefallene, passende Schriften aus, oftmals sind es verschlungene Handschriften, die leider nicht immer gut lesbar sind, besonders wenn sie sich an Körperstellen befinden, die das Tattoo oft verzerren. Eine weitere Möglichkeit sind Unterschriften von berühmten Autoren samt Silhouette, so gesehen bei einem Jane Austen-Tattoo.


Eine Steigerung zu Buchzitaten sind ganze (Schlüssel-) Szenen aus Büchern. Auf dem Arm wurde Ray Bradburys »Fahrenheit 451« verewigt, die Szene mit den brennenden Büchern. Das ist Gänsehaut pur! Weitere Szenen, die ich aufgestöbert habe, kamen von Alice im Wunderland – inklusive einem Zitat – und fliegenden Karten. Außerdem eine Szene aus Richard Adams »Watership down« – ich liebe das Buch und das Tattoo versetzte mich sofort zu den Kaninchen und frischem Klee zurück. Wesentlich witziger ist die Figur »Wo ist Walter?«, die hinter dem Ohr ihrer Besitzerin hervorlugt oder das Gesicht der Grinsekatze auf dem Rücken. Neben ganzen Szenen wird ab und an nur ein Gegenstand aus einem Buch verwendet, zum Beispiel der goldene Schnatz aus den Harry-Potter-Romanen oder einfach die Zahl 42.
Als weitere Variante taucht immer mal wieder der Kopf eines Schriftstellers am Arm, Rücken, Bein auf. Oder nur der Name und die Lebensdaten.


Es ist nahe liegend, dass auch Bücher das Motive bibliophiler Tattoos sein können. Meistens werden richtig alte Schmöker verarbeitet, die auch Walter Moers in seinen Büchern gerne verwendet: Aus Leder, mit Bünden und Einbandverzierungen. Bücher werden generell in allen möglichen Posen abgebildet: Aufgeschlagen, fallend, gestapelt, in Regalen aufgereiht. Der Fokus liegt wirklich am Medium selbst, denn nur selten ist ein Buchtitel oder ein Autor vermerkt. Meistens finde ich die Motive schön, doch auch hier gilt: Je größer das Tattoo, desto unförmiger wirkt es ab und an.


Spannend finde ich Satzzeichen als Tattoos. Sehr oft habe ich Gänsefüßchen entdeckt, meiner Meinung nach eine schöne Metapher für Dialoge bzw. für einen leeren Raum zwischen den Anführungszeichen, der mit Inhalt gefüllt werden kann. Wesentlich verwirrender fand ich ein Mädchen, das sich ein Semikolon auf den zweiten kleinen Zeh tätowieren ließ. Steht es generell für die Verbindung? Für einen Bruch (neuer Hauptsatz)? Komisch, dass ich unter den gefundenen Bildern keine drei Fragezeichen fand.


Besonders spannend und sehr selten sind typografische Spielereien. An denen könnte ich mich jahrelang sattsehen. Die Schrift, die Anordnung, das Experimentelle, die Aussage, die Ästhetik dahinter: Grandios! Und leider viel zu selten. Ich muss mal meine Typografie-Bücher wälzen, oder vielleicht lieber nicht. Sonst komme ich noch auf Ideen...!


Wie sieht es aus, wenn ein Buchmotiv zum bibliophilen Tattoo wird? Dann erhält man ein Reh mit dem Schriftzug »always.« – und die schönste Geschichte, die ich auf meiner Suche entdeckt habe. Nach zwölf Jahren, sieben Büchern und acht Filmen wollte der Ideengeber die Liebe zu den Harry Potter-Büchern auf seinem Körper verewigen. Es suchte sich ein Zitat aus: 
»After all this time, Serverus?« – »Always.«
Diese Szene, in der Serverus seine lebenslange Liebe zu Lilly Potter eingesteht und seinen Patronus fliegen lässt (eine Hirschkuh), verdeutlicht nicht nur die tiefe Liebe zweier Menschen, sondern auch die Liebe zu den Büchern. Oooh! Es ist wirklich spannend, was für Geschichten hinter so unscheinbaren Tattoos verborgen sein können.


Eines meiner Lieblingstattoos zeige ich Euch zum Schluss. Ein kleiner, versteckter Bücherstapel. Sozusagen die Bücher, die man immer mit sich trägt. Die die Digitalisierung überleben werden. In der Hinsicht finde ich weiße oder hautfarbene Tätowierungen ziemlich spannend, sodass die Bilder wie Narben aussehen. Als würden sie aus der Haut entstehen und hinauswachsen wollen. Als wären sie ein Teil vom Körper und vom eigenen Ich. Mal sehen, vielleicht wälze ich doch noch ein paar Typo-Bücher.

Und zum Schluss noch wie immer die Quellen, sofern Pinterest sie hergibt:
Buchmotiv, Buchszene, Typografische Spielerei, Zitat, Bücher, Satzzeichen.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Vorsicht, Verwechslungsgefahr! (I)

Beim Blättern durch die neuen Vorschauen der Verlage bin ich in den letzten Tagen auf Titel gestoßen, die nicht nur ein ähnliches Thema hatten, sondern eine fast komplett identische Handlung aufwiesen. Ich hoffe nicht, dass solche austauschbaren Titel die Regel werden, aber irgendwie wird es immer schlimmer. Daher meine neue Serie: Vorsicht, Verwechslungsgefahr! Und nein, über die Qualität der vorgestellten Bücher hülle ich mich in Schweigen. Es zählt nur die Ähnlichkeit.


Katie Kacvinsky
Die Rebellion der Maddie Freeman
Boje Verlag, August 2011
978-3414823007


Eine Stadt in den USA, wenige Jahre in der Zukunft: Maddie, 17 Jahre alt, lebt wie alle um sie herum ein digitales, total kontrolliertes Leben. Schule und Verabredungen – das alles findet im Netz statt. Doch dann verliebt sie sich in Justin, einen Rebell aus dem Untergrund, für den nur das wahre Leben offline zählt. Gemeinsam mit seinen Freunden kämpft Justin gegen die Welt der sozialen Netzwerke, in der alles künstlich ist. Dieser Kampf richtet sich gegen die ganz oben – und damit auch gegen Maddies Vater, der das System der Digital School gesetzlich verankert hat. Maddie wird für die Bewegung zu einer Schlüsselfigur. Und sie muss sich entscheiden: Auf welcher Seite will sie stehen?


Andrea Schacht
Kyria & Reb: Bis ans Ende der Welt
Ink, Februar 2012
978-3863960162


Das Vereinigte Europa im Jahr 2125 ist eine Welt der kompletten Überwachung. Das geschieht nur zum Besten der Bürger, sagt Kyrias Mutter, eine hochrangige Politikerin des perfekt gesteuerten Systems New Europe. Doch die 17-jährige Kyria möchte endlich erfahren, wie es ist, sich frei zu fühlen. Als sie in Reb, einem jungen Rebell aus dem Untergrund, einen Verbündeten findet, fliehen die beiden auf abenteuerliche Weise aus New Europe und gelangen in ein fernes Reservat. Dort haben sich die Menschen ein bäuerliches Leben wie in längst vergangenen Zeiten bewahrt. Doch schon bald sind die Verfolger Kyria und Reb auf der Spur. Und das ist nicht die einzige Gefahr, denn alle, die sich der Macht von New Europe entziehen, werden von künstlich ausgelösten Seuchen bedroht. Auch Kyria gerät in den Verdacht, die friedliebenden Menschen des Reservats mit einer Masernepidemie zu vernichten. Zum Glück hat Kyria Freunde an ihrer Seite – und einen jungen Rebellen, der ihr Herz berührt ...


Ich habe das Buch über Maddie Freeman bereits gelesen und fand daher einige weitere Berührungspunkte zum Buch über Kyria und Reb, die ich allerdings wegen möglichen Spoilern nicht nennen mag. Diejenigen, die Maddie ebenfalls gelesen haben, wissen bestimmt, was ich meine. Als ich heute die INK-Vorschau durchblättert habe, war ich richtig erschrocken über diese deutlichen Parallelen.

Freitag, 4. November 2011

Aus dem Alltag einer Buechereule – Ich packe meinen Koffer und nehmen mit ...


Letztens stand ich in meinem Zimmer, um mich herum schätzungsweise 700 bis 800 Bücher, raufte mir die Haare, fluchte ein wenig, lief panisch herum und stellte mir die Frage, welche meiner Lieblinge ich unbedingt mitnehmen musste.

Mitnehmen wohin eigentlich? Ich habe mich im Sommer für mehrere Praktikumsstellen in München beworben, Ende September kam die erste Zusage, während der Frankfurter Buchmesse dann der Wohnungsvertrag. Wortschatz und ich behausen nun seit Montag ein kleines Wöhnchen im Osten von München. Und eben weil unser Auto nicht das größte ist, stand ich letzte Woche etwas panisch in meinem Zimmer mit einem Fragezeichen im Gesicht. Drei große Kisten durfte ich mit Kram füllen: Klamotten, Bettwäsche, Handtücher, Kamerazeug, Laptop, alle Akkuladegeräte, Kosmetikartikel, Schuhe und anderer Kleinkram. Schon bald musste ich noch mehr fluchen, denn die dicken Pullover, Stiefel und Wollponchos waren nicht wirklich platzsparend, und ich schaute zunehmend verzweifelt auf meinen großen Bücherstapel, der vielleicht horrende Ausmaße annahm! Aber absolut berechtigt, denn schließlich bin ich für ein halbes Jahr weg und muss für jede Situation und Leselust gerüstet sein.

Ich packte meine Kisten und folgende Sachen kamen mit: Hans Scheurers und Ralf Spillers »Kultur 2.0« (eventuell Lesestoff für meine Magisterarbeit), Schumanns und Hess' »Grundfragen der Medienwirtschaft« und von Lucius' »Verlagswirtschaft« (zum Reinlesen und Weiterlernen), »Unendlicher Spaß« von David Foster Wallace (liebe KG, genau du bist Schuld! Deine verliebten Schwüre!), Roberto Bolaños »2666« (ich war mitten im zweiten Kapitel, als Anfang des Jahres meine Seminararbeiten dazwischenfunkten), Rainer Winters »Widerstand im Netz« (eventuell auch etwas für die Magisterarbeit), Martin Mosebachs »Was davor geschah« (meine Hassliebe, die ich zu Ende lesen muss), Agota Kristofs »Das große Heft« (ich bin sehr neugierig, wie es ist und freue mich schon hoffentlich bald auf das Lesen), Sjóns »Schattenfuchs« (einen Isländer wollte ich dieses Jahr mindestens schaffen), Stephan Thomes »Grenzgang« (ich weiß ganz genau, seit wie lange das Buch auf meinem Muss-ich-dringend-lesen-Stapel liegt), Siegfried Unselds »Der Autor und seine Verleger« (ich bekenne mich als Fan der Suhrkamp-Geschichte, jawohl!), Thomas Pynchons »Mason & Dixon« (ich habe den Fehler gemacht, reinzulesen), Petra Christine Hardts »Buying, Protecting and Selling Rights« (Nebenbei-Lektüre, um meine Kenntnisse etwas aufzufrischen), »Fotografie für Journalisten« von Heine (nur noch das letzte Kapitel fehlt), »StudentInnenküche« von Dusy (ja, Wortschatz und ich kochen gemeinsam und abwechselnd), Péter Nádas' »Schöne Geschichte der Fotografie« (als potentieller Nobelpreis-Kandidat habe ich auch hier leider reingelesen), Tom! Striewischs »Der große humboldt Fotolehrgang« (ich habe es halb durch, Wortschatz wollt es sich klauen), Herta Müllers »Atemschaukel« (auch hier: Ich weiß ganz genau, seit wann dieser Titel auf meinem SuB darauf wartet, gelesen zu werden), Matthias Nöllkes »Schlagfertig« (Ich liebe Haufe!), Backwinkels und Sturtz' »Schneller lesen« (Haufe!), Mentzels »BWL Grundwissen« (Wieder Haufe), Johns und Peters-Kühlinger »Mit Druck richtig umgehen« (Haufe-Lernerei), Nöllkes »Peinliche Situationen« (selbsterklärend), Bischofs, Bischofs und Müllers »Selbstmanagement« (Ich bin ein großer Zeitmanagement-Fan, mal schauen, was hier noch zu lernen ist), Quittschaus und Tabernigs »Business-Knigge« (ich habe mal ein Seminar besucht, mal schauen, was es hier noch zu lernen gibt), Topfs »Small Talk« (selbsterklärend), Flumes und Mentzels »Rhetorik« (Lernerei), Florian Hartlings »Der digitale Autor« (eventuell Lesestoff für die Magisterarbeit), Norbert Gstreins »Die ganze Wahrheit« (Suhrkamp-Fan, hüstel!), Sauers »Blogs, Videos & Online-Journalismus« (toller Rundum-Einstieg, bin noch mitten drin), Brian Keenes »Totes Meer« (Danke, MG! Fühle dich schuldig, eine Absolution gibt es erst in der Zombieapokalypse!), J.R. Wards »Mondschwur« (den ersten Teil habe ich vor der Reise beendet, der zweite ist also ein zwanghaftes Gepäckstück), »Rezepte für zwei« (Inspiration für Nicht-Köche wie wir es sind), Mark Twains »Tom Sawyer und Huckleberry Finn« (ein Geschenk von meinem Lieblingschef. Dankeschön, Herr N!), Rübsamens, Wyss' und Schürmanns »InDesign CS5« (endlich-endlich-endlich habe ich Zeit, abends diese Bibel zu genießen, natürlich mit einer CD), Jonathan Littells »Die Wohlgesinnten« (eine der modernen Klassiker, in einem Seminar einen Auszug gelesen), »Vampirseele« von J.R. Ward (blieb doch zu Hause, denn ich wurde noch rechtzeitig fertig), Hillers und Füssels »Wörterbuch des Buches« (zur Sicherheit und Inspiration für den diesjährigen Buechereulen-Adventskalender), Holger Ehlings »Social Media für die Verlagspraxis« (meine neueste Errungenschaft. Ich freue mich schon ungemein auf das Stöbern), »Anna Karenina« von Tolstoj (vor dem Ende ereilte mich eine Seminararbeit) und Walter Moers' »Das Labyrinth der Träumenden Bücher« (bin mitten drin, wegen der Messe und den Umzugsvorbereitungen habe ich den Wells dazwischen geschoben). Außerdem kamen noch acht Kochbuchhefte mit (Schnitzel, Japanisches Essen, Suppen, Pfannengerichte, Sushi, Pasta, Feierabend-Küche, Rezepte fürs Büro).

Zuviel? Zu wenig? Ich fühle mich wohl mit der Zahl und schaffte es tatsächlich, alle Bücher nach München zu schmuggeln. Was hättest Du mitgenommen?