Montag, 11. Juni 2012

Testbericht E-Reader – Onyx Boox M92

Technische Details
Der Onyx Boox M92 ist ein E-Reader mit einem 9,7 Zoll großem Pearl eInk-Touchscreen (16 Graustufen), den es seit Dezember 2011 in Deutschland zu kaufen gibt. Er kostet je nach Shop derzeit rund 349 Euro. Der Prozessor hat eine Taktgeschwindigkeit von 800 MHz und im Inneren befindet sich ein 4 GB Speicher, der mit SD-Karten bis 32 GB erweitert werden kann. Der Arbeitsspeicher ist 256 MB groß und er kann mittels USB oder direkt per SD-Karte mit dem PC verbunden bzw. neue Dateien aufgespielt werden.
Er unterstützt folgende E-Book-Formate: EPUB, PDF, TXT, HTML, CHM, PDB, FB2, MOBI/PRC, DJVU, DOC(X), XLS (X) und PPT. Er unterstützt auch Grafik-Dateien in den Formaten JPEG, GIF, PNG, BMP und TIFF, außerdem noch Musik-Dateien in MP3 und WAV. Die Akkuleistung wird mit 8.000 Seitenwechseln beziffert. Derzeit wird er in den Farben schwarz und weiß verkauft. Wie schlägt sich dieser teure Reader im Test?

Onyx Boox M92: Ein Überblick mit modifiziertem Stift

Verarbeitung
Die Verarbeitung ist sehr gut und fühlt sich wertig an, obwohl der Reader komplett aus Kunststoff ist. Allerdings hat beispielsweise der PocketBook Reader Pro 912, der in derselben Preisklasse liegt, eine Rückseite aus Metall, sodass der Reader sich stabiler und wertiger anfühlt als der Onyx M92. Durch das Kunststoff-Gehäuse wird der große Reader allerdings auch schön leicht: Er wiegt 520 g. Nicht so gelungen bei der Verarbeitung sind die vielen Spalten im Bereich des Rahmens um das Display: In den Rillen bleibt viel Dreck hängen. Im Test hatten wir den schwarzen Onyx M92 – diese Farbe ist durch den glänzenden Rahmen sehr anfällig für Fingerabdrücke.
Die Tasten sind gummiert, haben einen klaren Druckpunkt und fühlen sich sehr wertig an. Die Anordnung der Tasten ist beim PocketBook Pro 912 gelungener und ergonomischer als beim Onyx M92: Beim Onyx sind die Tasten zum Blättern links und rechts an der Seite (Hochkant), beim PocketBook Pro 912 unten und rechts (Hochkant). Wenn man die Dokumente im Querformat lesen möchte, muss man beim Onyx jedes Mal umgreifen zum Blättern.

Onyx Boox M92: Ein Überblick über die Anschlüsse

Display
Das Display hat eine Größe von 9,7 Zoll (24,64cm) und hat ein eInk Pearl Touchscreen, der mit einem Stylus bedient wird. Die Auflösung beträgt 825x1200 Pixel. Es handelt sich um die gleichen Displays, die auch in den aktuellen Readern von Sony und Kindle verbaut werden, deshalb hat der Onyx einen besseren Kontrast und Weißwert als der PocketBook.
Seit dem letzten Firmwareupdate wurde ein Bug beseitigt: Nun funktioniert die Kalibrierung des Touchscreens, sodass der Reader mit dem Stylus sehr präzise bedient werden kann.

Onyx Boox M92: Das Hauptmenü (Kunstlicht)

Ausstattung
Im Lieferumfang enthalten sind der Stylus, ein USB-Kabel, ein Netzladegerät und eine stabile Hülle aus Leder.

Bedienung
Die Bedienung ist sehr intuitiv gestaltet, das Menü sehr klar und übersichtlich, da es allerdings auch weniger Einstellungsmöglichkeiten als bei dem PocketBook Pro 912 gibt.

Funktionen
Es gibt eine Text-to-speech-Funktion, einen Web-Browser und Musikhören klappt bei dem Reader auch. Sehr praktisch ist die Möglichkeit, den Reader mit Hilfe von SD-Karten erweitern zu können, denn so spart man sich das ständige Verbinden des Readers mit dem PC, weil er hierbei jedes Mal geladen wird und so Ladezyklen verbraucht werden.
Was fehlt ist in der praktischen Nutzung vor allem die Fähigkeit zu Multitasking. Beim Lesen wäre es zum Beispiel praktisch, ein Dokument zum Lesen und den Notizblock im Hintergrund geöffnet zu haben, um Gedanken gebündelt an einem Ort aufschreiben zu können. Oder beispielsweise beim Lesen eines Fachbuchs im Hintergrund Wikipedia geöffnet zu haben, um etwas nachzuschlagen. Das funktioniert leider nicht, genauso wie gleichzeitig lesen und Musik zu hören.
Der Lautsprecher ist vergleichbar mit denen, die man aus Handys kennt. Die maximale Lautstärke ist jedoch etwas niedrig und Tiefen bzw. Bässe sind nicht vorhanden.
Praktisch wäre es, wenn der Onyx M92 zusätzlich über einen RSS-Reader verfügen würde, um so bequem seine Nachrichten o.ä. auf dem Gerät lesen zu können, die man beispielsweise per WLAN komplett ohne die Einbeziehung des PCs abholen könnte.
Eine weitere Idee und wünschenswerte Funktion wäre ein anpassbares Menü beziehungsweise überhaupt die Möglichkeit, etwas anzupassen. Beispielsweise ist unten immer ein Lautsprechersymbol eingeblendet – dieses könnte durch einen Radierer ersetzt werden (sodass man bei den Notizen nicht dauernd das Menü aufrufen muss) oder die Lautstärkewipptasten anders belegen.

Onyx Boox M92: Notizfunktion im PDF (Kunstlicht)

Lesen
Lesen – die wichtigste Funktion des Onxy M92 – funktioniert sehr gut und durch den flotten Prozessor sehr schnell. Laut Herstellerangaben packt er auch Dateien bis 200MB. Die Blättergeschwindigkeit ist ebenfalls sehr schnell und nicht langsamer als beim Blättern in einem richtigen Buch. Die Seiten wechseln kann man mit Hilfe der Tasten, des kleine Joysticks oder (außer im Zeichenmodus) mit Hilfe des Stylus.
Es gibt eine Notizfunktion, in der die betreffende Textstelle markiert wird. Anschließend öffnet sich ein Feld und die gewünschte Notiz kann auf einer Bildschirmtastatur eingetippt werden. Diese Notizen können nachher als TXT-Datei exportiert werden, hierbei wird eine gleichnamige TXT-Datei erzeugt, die den markierten Text, die Seitenzahl sowie den Kommentar enthält. Im Zeichenmodus kann man mit dem Stylus direkt im Text schreiben – sogar in PDF. Die Notizen können dann in einer neuen PDF abgespeichert werden, die denselben Dateinamen mit dem Datum der letzten Änderung trägt.
Besonders hervorzuheben sind die vielen Möglichkeiten, um den Text heranzuzoomen. Bei EPUB geht es von 100 bis 500 Prozent Vergrößerung in 25 Prozent-Schritten, bei PDF gibt es ebenfalls sehr kleine Schritte von 10-400 Prozent. Außerdem hat der Onyx M92 zwei sehr praktische Zoom-Funktionen: Hinter Hide margin versteckt sich die Möglichkeit, einen Text ohne die leeren Seitenränder zu skalieren und bei Selection to Zoom zieht der Leser selbst ein Rechteck auf, das den gewünschten, angezeigten Bildbereich anzeigt, was bei eingescannten Büchern sehr hilfreich ist.
Ebenfalls praktisch ist die Möglichkeit, die Schrift bei gescannten Seiten fetter und dunkler zu machen. Diese Funktion ist bei schlechten, schwachen und dadurch schlecht lesbaren Kopien sehr nützlich. Neben dem Lesen gibt es auch die Möglichkeit, Notizen zu machen. Besonders gut funktioniert das beispielsweise mit Powerpointfolien, die man vor Seminaren und Vorlesungen auf den Reader laden und danach mit Notizen ergänzen kann.

Onyx Boox M92: Schmutzansammlung in den Rillen am Rahmen

Software
Auf dem Onyx M92 läuft ein Linux-Betriebssystem. Die Firma ist noch nicht so lange auf dem Markt wie beispielsweise PocketBook und hat deshalb auch weniger Funktionen. Mittlerweile hat Onyx den größten Teil der Software im Quellcode bereitgestellt, was dem Einsatz von Booxtor zu verdanken ist. Es ist zu hoffen, dass die wenigen verbliebenen Dateien noch folgen werden. Im mobilread-Forum gibt es bereits einige interessierte Entwickler, die einige Anpassung an der Software vornehmen könnten. So einer von ihnen schon eine deutlich verbesserte Skribble-App geschrieben, mit der man komfortabler Notizen machen und diese auch mit Xournal am PC weiter bearbeiten kann. Beim letzten Update wurde zum Beispiel ein Bug bei der Kalibrierung des Displays behoben, ein neuer Zoom-Modus eingefügt (zwei Punkte markieren den gewünschten Zoombereich) und das Abspeichern der eigenen Notizen wurden auf TXT umgestellt (vorher: eigenes Format).
Sehr angenehm ist außerdem, dass keine Software benötigt wird, um den Onyx mit dem PC zu verbinden. Der Reader kann als USB-Massenspeicher (USB-Mass Storage Device) verwendet und Daten direkt aufgespielt werden – mit Hilfe eines USB 2.0-Kabels oder der SD-Karte.

Onyx Boox M92: Der Rahmen ist anfällig für Fingerabdrücke

Firma
Onyx ist eine chinesische Firma. Für Deutschland gibt es einen Kontaktmann, der den Vertrieb der E-Reader organisiert und den Kontakt zwischen der Firma Onyx und der deutschen Community herstellt und Wünsche vermittelt. Die Community ist sehr aktiv und die Firma reagiert schnell auf Wünsche. So beschwerten sich beispielsweise viele User am Anfang, dass der Quellcode der Daten nicht offengelegt ist – mittlerweile ist fast alles offen verfügbar. Laut einigen Gerüchten im Forum arbeitet Onyx derzeit an einem HD-Display.

Onyx Boox M92 Vergleich: Tageslicht mit Wolken (links) und Kunstlicht (rechts)

Fazit
Der Onyx M92 ist ein Reader, der ein ideales, schnelles und qualitativ hochwertig verarbeitetes Lesegerät ist. Das Display ist toll und der Prozessor schnell. Das Betriebssystem ist stabil und das Menü klar strukturiert und intuitiv. Besonders spannend werden die nächsten Updates sein: Die Community stellt eine Wunschliste mit Verbesserungsvorschlägen auf und wir sind gespannt, was umgesetzt wird.
Der Onyx Boox M92 ist durch seine Größe vor allem zum Lesen von wissenschaftlichen Dokumenten (vorwiegend PDF-Dateien) im A4-Format geeignet. Dabei sind die Notizfunktion sowie das Wörterbuch zum Nachschlagen beim Lesen von beispielsweise englischen Texten sehr nützlich. Als Schulheftersatz zum Schreiben von längeren Texten ist er jedoch nicht geeignet. Der dünne Stylus (auf den Bildern ist ein modifizierter Stift zu sehen!) und die Displaytechnologie erschweren das Schreiben, weshalb auch das Schriftbild leidet und man gezwungen wird, relativ groß zu schreiben. Die Geschwindigkeit tut dann ihr übriges.

Kommentare:

  1. Hallo!

    Erst einmal meine Anerkennung und mein Lob für die interessanten, informativen und sprachlich wie bilflich schön gestalteten Berichte zu den verschiedenen Readern.

    Ich überlege seit langem mir einen Reader für das Lesen und Bearbeiten von (kultur)wissenschaftlichen Texten anzuschaffen. Mit dem Pro912 und dem M92 scheinen ja nun auch tatsächlich vernünftige Geräte zur Auswahl zu stehen. Umso mehr habe ich mich über deine Eindrücke gefreut!

    Die große Frage bleibt allerdings: Welchen der beiden würdest du schlusssendlich empfehlen?

    (Okay, das hängt natürlich auch mit den persönlichen Präferenzen und Einsatzmöglichkeiten zusammen: bei mir wären das vorallem eine komfortable Kommentarfunktion ;)).

    Ein schönes WE!

    Daniel

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    1. Hallo Daniel,

      danke für dein tolles Lob, da freu ich mich sehr!

      Eine Entscheidung zwischen den beiden Geräten würde mir sehr schwer fallen. Ich finde den PocketBook Pro 912 von der Haptik her wesentlich besser verarbeitet als den M92 (den hat mein Freund einmal zurückschicken lassen, weil der Rand blöd verklebt war und sich zusammendrücken ließ).

      Von den Funktionen her sind beide gleich toll, wobei das Kritzeln mir auf dem M92 mehr Spaß gemacht hat und leichter und schneller ging.

      Was vielleicht einen Ausschlag für mich geben würde, ist die aktive Community beim Onyx M92. Die bringen regelmäßig neue Updates der Software raus und holen sich Anregungen und Feedback von den Nutzern. Beim letzten Update haben sie eine blöde Änderung gemacht, es gab Kritik - die Hersteller arbeiten jetzt wohl wieder an einer Lösung.

      Das persönlich finde ich toll, denn bei meinem Reader von Asus (gekauft im Januar) gab es bis heute kein einziges Update.

      Ich bin gerade dabei, mehrere Videos zu den Readern zu drehen - unter anderem auch einen Vergleich vom Pro912 und M92. Prüfungsbedingt wird es allerdings noch ein bisschen dauern, bis die Videos online gehen.

      Ich wünsch dir viel Erfolg beim Suchen und Finden und viel Spaß mit dem zukünftigen Reader!

      nt

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  2. Vielen Dank für deine Einschätzung. Die Community von Onyx finde ich auch toll (wenn es für mich auch ein wenig ungewohnt war, dass ein Unternehmen einen Zwischenhändler als Art inoffiziellen Unternehmenssprechen nutzt :)).

    Na dann warte ich einmal gespannt auf deine Videos, und natürlich auch die preisliche Entwicklung ;).

    Alles Gute,

    Daniel

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  3. Hallo Büchereule,

    vielen herzlichen Dank für diesen kompetenten Vergleich der beiden Ebook-Reader.

    Ich suche ein Gerät, vornehmlich zum Lesen von PDFs (Fachbücher).

    Deine Einschätzung zur Geschwindigkeit würde mich noch brennend interessieren: der M92 ist deutlich schneller beim Umblättern als das Pocketbook Pro 912?

    Im Voraus vielen Dank.

    Viele Grüße
    Pongo

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    1. Ja, der Onyx ist bei größeren Dokumenten schneller, wobei das noch sehr stark vom Dokument selbst abhängt. Gescannte Bücher machen eigentlich keine Probleme. Bei einigen Vorlesungsfolien (aus Powerpoint exportiert) ist meinem Freund allerdings aufgefallen, dass einige Folien, die mit tausend Grafiken vollgestopft sind, länger zum Umblättern brauchen. Das ist allerdings nicht bei allen der Fall - eine Systematik ist nicht erkennbar. Und das passiert dann auch nur bei der betreffenden Seite - nicht beim kompletten Dokument! Alle anderen Dokumente gehen sehr schnell.

      Liebe Grüße,
      Buechereule

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  4. Hallo,

    Da viele ja den original Stift kritisieren wollte ich mal fragen wie du den Stift modifiziert hast? Vielleicht könntest du ja eine Anleitung mache? Ich persönlich träume von solch einen Stift :)

    Übrigens, super Testbericht, ich wüsste nicht wie man das besser machen könnte!

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  5. Hallo,

    Erstmal ein riesen Lob für dieses Review! Das hat mich wohl auch dazu bewegt das Onyx M92 zu bestellen :)

    Nun zu meiner Frage: Ich habe zufällig den gleichen Stift von Stabilo!

    Wie hast du den Original Touchstift so modifiziert? Hast du ihn da etwas geschnitten oder in einfach reingestopft?

    Tausend dank schonmal im vorraus!

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    1. Und hier eine kleine Anleitung für alle zum Mitlesen:


      Wie wird aus dem "Stift" ein Stabilo-Stift?

      Der Stift kann hinten beispielsweise mit einer Münze aufgeschraubt werden. So könnt ihr alles rausholen, damit es keine große Sauerei gibt. Vorne die Spitze mit einem Teppichmesser abschneiden. Hier müsst ihr experimentieren: Je nachdem, wie viel ihr abschneidet, desto weiter schaut dann der Stift nachher raus. Danach muss das Loch noch etwas geweitet werden, weil die Spitze immer noch nicht weit genug rausgeschaut hat, um bequem schreiben zu können (also für mich ... musst ihr ausprobieren). Anschließend kann der Stift reingesteckt werden. Damit der Stift im Stabilo auch fixiert ist, wenn der Deckel reingeschraubt wird, müsst ihr etwas reinstopfen. Bei Bedarf kann der Stift jederzeit entfernen werden.

      Viel Spaß beim Basteln :)

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