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Mittwoch, 24. April 2013

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 3


Rechtschreibfehler in Büchern mag ich ganz und gar nicht. Ein Fehler? Ist okay. Aber wenn sich die falschen Satzzeichen häufen, Setzfehler keine Seltenheit sind, die Übersetzung an allen Enden knirscht und schlichtweg Fehler übersehen werden, die Zwiebelfischwürdig sind, hört die Geduld bei mir auf. Zuletzt ist mir das bei Olga Grjasnowas Roman der »Russe ist einer, der Birken liebt« untergekommen. Das falsche »seit« kam dort übrigens mehrmals vor. Ohje!

Mittwoch, 17. April 2013

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 2


Ab und an komme ich erst im Nachhinein dazu, Zeitungsartikel zu lesen. So auch dieses Mal, als ich endlich die August-Ausgabe (?) des Spiegels griff und endlich den Artikel zu Hermann Hesse beendete. Leider fand ich ihn etwas flach und oberflächlich, aber das nur nebenbei. Als friedliebender Mensch fand ich das Cover zunächst etwas ... aggressiv und somit unangenehm, doch in der Bahn entdeckte ich auch seine Vorteile, als neben mir jemand lautstark brüllefonierte. Ich bin sehr dafür, dass diese Vokabel, die für lautes Telefonieren steht, in den allgemeinen, deutschen Wortschatz übernommen wird. Als ich irgendwann genug hatte, schnappte ich mir meinen mp3-Player und hielt das Magazin so hoch in seine Richtung, dass der Stinkefinger direkt in die Richtung des Brüllefonierers zeigte. Ich hoffe, er hat die Botschaft verstanden.

Mittwoch, 10. April 2013

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 1


Neues Jahr, neues Glück, neuer Kalender. Ich habe immer äußerst gerne zu den schönen, robusten Paperblanks gegriffen, immer die Ausgabe im dunklen Rot oder dunklem Schokoladenbraun und ohne Magneten. An denen komme ich im Buchladen selten vorbei. Inzwischen hat auch Moleskine neue, farbige Notizbücher draußen, allerdings habe ich den Hype um diese Hefte niemals verstanden. Der einzige, den ich benutzt habe, fühlte sich nicht gut an. Den Einband fand ich haptisch richtig schlimm, wie diese alten, bunten Ikea-Kindermöbel, die ich schon als Kind nach dem Baden richtig schlimm fand, wenn die aufgequollenen Finger über die Lehne strichen. Ich nehme mal noch eins in die Hand, vielleicht fühlt sich der Bezugstoff inzwischen doch anders an? Wiederum gut gefallen habe mir die Ledertaschen von Moleskine. Wären sie nicht ungepolstert gewesen (Laptoptasche), hätte ich mir glatt einen mitgenommen.

Mittwoch, 3. April 2013

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 52


Manche Bücher sind einfach wunderschön. Dazu gehört die Reihe der Penguin English Library. Zeitlos, elegant, lieblichromantischsüß, gemütlich. Wie eine heiße Tasse Schokolade mit Marshmallows Und als ich auf der Suche nach diesen Büchern im Netz auf ein dazu gehörendes Video stieß, konnte ich Dir das nicht vorenthalten. Ich wünsche Dir auch weiterhin schöne, frohe Festtage und viel Spaß beim Entdecken.


Mittwoch, 19. Dezember 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 51


Wenn die Welt dieses Jahr noch untergeht, dann bitte richtig. Mit Zombies und vielen anderen Katastrophen. Aber bitte erst, nachdem ich eingekauft habe und genug Nahrungsmittel für den Winter gebunkert habe. Auf eine Zombiejagd bei schlechtem Wetter habe ich nicht so viel Lust.

Als ich aus meinem Urlaub zurück nach Hause kam, wartete ein Paket auf mich. Als Absender war die ZAU angegeben, die Zentrale zur Abwehr Untoter. Am anderen Ende prangte der oben stehende Aufkleber. Das Paket war von einem sehr blassen Briefträger übergeben worden, der sich neugierig nach dem Absender erkundigt hat. Dabei hat er dreingeblickt, als hätte er gerade Anthrax ausgeliefert.

Hinter dem Paket steckt der Verlag Chicken House, die zu Carlsen gehören, und ein Zombie-Buch für Jugendliche publizieren. Im Paket war ein dazu passendes Plakat enthalten, der Zombie Survival Guide. Ich habe das Paket ohne Vorwarnung bekommen und mich unglaublich gefreut, und wer mich kennt, weiß auch warum. Damit reiht sich die Aktion ein in die Reihe gelungener Marketingmaßnahmen und ich bin gespannt, was der Verlag und die Agentur für uns Zombiefreaks so alles geplant haben.

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 50


Ein neuer Roman von Amélie Nothomb lag auf dem Tisch der französischen Neuerscheinungen. Ich lese die schräge Belgierin seit Jahren unheimlich gerne, mal mehr und mal weniger, je nachdem, wie ihre Geschichte sich so liest. Es ist nicht neu, dass die Autorin sich auf dem Buchcover präsentiert, aber so präsent wie hier ist es mir noch nie aufgefallen. Da ihre Geschichten teilweise starke autobiografische Züge aufweisen, ist es nicht verwunderlich, dass die Verlage mit der inzwischen zur Marke gewordenen Autorin werben.

Aber möchte ich das? Eher ungern. Egal ob in der Musik oder der Literatur, für mich stehen die Endprodukte im Mittelpunkt, demnach entweder das Lied oder der Roman. Ich bin ignorant, mich interessieren die Künstler eher selten, solange sie leben. Klingt das schräg? Ich gehe mal auf Erklärungssuche. Vielleicht, weil mich ihre Geschichten so sehr begeistern, dass ich Angst habe, dass die Biografie des Autors mich enttäuschen würde. Vielleicht aber auch, weil jeder lebende Schriftsteller eigentlich selbst eine nicht abgeschlossene Geschichte ist. Klar mache ich mir bei manchen einen kurzen Überblick des Schreibers, um mir ein Bild zu machen. Das bleibt allerdings unscheinbar im Hintergrund. Sobald ich allerdings eine Biografie eines Schriftstellers lese, der schon lange tot ist, erforsche ich ihn wie eine eigene Geschichte, gleiche das neue Bild mit dem bestehenden ab, korrigiere notfalls und betrachte seine Werke in einem neuen Licht.

Ich habe Angst, dass ich irgendwann die Präsenz von Nothomb satt haben könnte. Vielleicht passiert es nie. Vielleicht aber doch schneller, als ich es befürchte. Sollte nicht eher das Werk im Mittelpunkt stehen und von sich reden lassen? Ansonsten muss ich schnell an all die Paris Hiltons dieser Welt denken, über die jedes Boulevardblatt berichtet, die aber völlig inhaltslos sind.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 49


Manche Verlage haben einfach tolle Ideen, Bücher symbolisch aufzuwerten. So beispielsweise Boje, die zu Bastei Lübbe gehören. Es geht um das ernste Jugendbuch »Die 5 Leben der Daisy West« von der Autorin Cat Patrick. Die Protagonistin Daisy West führt ein Doppelleben. Jedes Mal, wenn sie stirbt, wird sie mit dem strenggeheimen Medikament Revive wiederbelebt, muss danach aber gemeinsam mit ihren Agenten Mason und Cassie untertauchen und ein neues Leben beginnen. Dadurch hat Daisy schon fünf Leben gelebt.
Dies verdeutlichen die vier Post-It-Zettel auf dem Buchcover: Auf dem ersten Blatt steht »Das 1. Leben der Daisy West«, das 2., 3., 4. und schließlich das Cover als 5. Leben. Auf der Rückseite steht jedes Mal ein Zitat und symbolisch sind Bus, Weintrauben, Boot und Bienen für die verschiedenen Todesursachen abgebildet. Tolle Idee für ein nachdenkliches Buch über Leben und Sterben.

Mittwoch, 28. November 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 48


Buchgeschäfte im Ausland finde ich wunderbar. Da ich als armer Student mir derzeit nur Städtereisen innerhalb Deutschlands leiste, kann ich mich an keine Buchläden im Ausland erinnern. Zwar habe ich mir mal auf Malta alle Harry Potter-Romane auf Englisch gekauft und mitgenommen, aber ich kann mich nicht mehr an das Geschäft erinnern.

Deshalb nutzte ich während meines Ausflugs nach Prag die Gelegenheit, fremde Buchluft zu schnuppern. Gespannt schlich ich mich in eine Universitätsbuchhandlung und schaute mich um. Obwohl ich kein Wort verstand oder mir auf irgendeine Weise herleiten konnte, fand ich mich schnell zurecht. Die Bücher waren nach Fachbereichen sortiert, genauso wie bei uns. Und zwischen den gut befüllten Regalen an den Wänden war ein riesiger Tisch mit aktuellen Titeln aufgebaut. Ich entdeckte Bolaños Roman 2666 und war überglücklich, dass ich zumindest ein Buch sofort einordnen konnte.



Mittwoch, 21. November 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 47


Erinnerst Du dich noch an das Cover von Dan Browns Sakrileg? Oder an Cecilia Aherns Liebesroman mit himmelblauen Hintergrund und luftig geschwungener Schrift? Wenn nicht, dann denke bitte an die vielen Fantasy-Romane mit den Frauengesichtern auf dem Cover, die melancholisch mit großen Augen ins Leere blicken und an ihre große Liebe denken. All diese Bücher haben in ihrer Gestaltung Trends geschaffen, die teilweise bis zum Erbrechen kopiert wurden. Interessant dabei fand ich vor allem, wie offensiv geklaut wurde.

Seitdem beobachte ich argwöhnisch die Neuerscheinungen, denn jedes neue Buch hat Potential, einen neuen Trend einzuläuten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mit J.K. Rowlings neuem Buch ebenfalls eine Mode eingeführt wird und der Trend hin zum Retro-Cover geht. Da das Rowling-Cover bislang nicht gut ankommt, bin ich gespannt, ob ich mit meiner Vermutung recht haben werde. Denn mal ehrlich: Jeder neue Modetrend ist auf den ersten Blick potthässlich, bis man sich an ihn gewöhnt hat.

Und wenn man sich so den Liebesroman-Tisch der Engländer in einem Buchladen ansieht, blickt man in eine ganz andere Welt. Wer viel und gerne Blogs liest, dem wird der Trend zu weißen Blogs aufgefallen sein. Ob dieser Geschmack sich irgendwann auch in weißen Liebesromanen in Deutschland niederschlagen wird?

Mittwoch, 14. November 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 46


Manche Dinge sind unerklärlich. Zum Beispiel diese Geschichte, warum ich einen Schutzumschlag besitze, obwohl ich das dazu gehörende Buch nicht habe und niemals besaß. Ich vermute, dass es mal als Lesezeichen benutzt worden ist (Schutzumschlag als Lesezeichen?) und es in einem Buch drinnen lag, das ich gebraucht gekauft habe. Ich entdeckte nun das Papier in einem Wälzer und entdeckte eine handschriftliche Notiz. Erst dachte ich, sie sei echt, schmunzelte und legte sie weg. Als ich den Umschlag neulich wieder in die Finger bekam, las ich nochmal drüber und schielte dann zum Klappentext: Ja, die Hauptfigur hieß Sofia. Und sie hatte allen Grund, wütend auf den anderen Protagonist zu sein. Unglaublich, welch eine geniale Idee, die Innenseite eines Schutzumschlags als Tummelplatz für einen persönlichen Hassbrief der Hauptfigur zu gestalten. Noch dazu sieht die Notiz täuschend echt aus, als sei sie wirklich mit einem Füller und echter Tinte hingekritzelt worden. Allein deswegen überlege ich, mir das Buch irgendwann mal zuzulegen. Noch dazu, weil Bolaño es empfiehlt. Sehr schön gemacht, liebe Klett-Cotta-Verleger!

Mittwoch, 7. November 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 45


Soviel zum neuen Trend, den Buchschnitt mit bunten Motiven zu verzieren. Ich selbst kannte bislang nur Varianten mit einem Muster (marmoriert), einem besonderen Bezug (vergoldet) oder einer Farbe. Indem der Buchschnitt durch die Farbe nochmal behandelt wird, quellt das Papier leicht auf, sodass kein Schmutz und Staub ins Buchinnere gelangen kann. Früher war deshalb nur der Kopfschnitt eingefärbt. Die bunten Motive von heute dienen also eher der Ästhetik. Mal schauen, wann der erste bibliophile Buchtitel auftaucht, der den Schnitt mit Buchstaben verziert. Das wäre doch eine feine Idee für den nächsten Moers?

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 44


Zum Samhain-Fest gibt es hier nun ein kleines Gender-Posting. Als ich im September mit Wortschatz Ferien machte, verschlug es uns unter anderem durch ein sehr günstiges Angebote in ein sehr abgelegenes Hotel. Wir waren ungefähr vierzig Jahre jünger als die zweitjüngsten Gäste in diesem urigen Schmuckstück und als wir unser Zimmer betraten, sind wir fast umgefallen: Seidentapeten, prunkvolle Spiegel mit goldenen, verschnörkelten Rahmen, schwere, dunkle Echtholzmöbel (die schönen, die nicht nach Großeltern, sondern nach Wohlstand aussehen), und neben dem modernen Badezimmer stand neben dem Bett, mitten im Raum, eine freistehende Badewanne auf goldenen Löwenfüßchen in einer Nische, die mit Marmor verkleidet war. Kurzum fühlten wir, zwei junge Studenten, uns plötzlich wie Könige eines vergessenen Reichs.

Ein Blick und ich erhaschte neben meiner Bettseite zwei Regale mit Büchern. Ich entschied mich spontan für die linke Bettseite und war erfreut, neben mir nach Farben geordnete Klassiker zu finden, darunter eine tolle Ausgabe von Thomas Mann, allerdings auch einige Reader's Digest-Bücher. Neugierig geworden schritt ich (in so einem Zimmer schreitet man wie eine Dame!) zum Bücherregal auf der anderen Bettseite und erblickte hier eine bunte Ansammlung von Danielle Steel, Utta Danella, Pferdebüchern, Konsalik und Konsorten.

Oha! Habe ich da gerade eine Gender-Falle entdeckt und ein Buchregal für Männer und ein Buchregal für Frauen entdeckt? Natürlich in Anbetracht der Tatsache, welche ältere Zielgruppe so ein Hotel besucht? Ich fand die Auswahl spannend und auch die Platzierung: Die Frauenbücher, vermutlich, befanden sich auf derselben Bettseite, vor der die Badewanne thronte. Ebenso das Telefon zum Hotel und ein eiserner Ständer für Anzüge (damit die Frau sie für den Mann abends aufhängen kann?). Auf meiner Seite mit den Klassikern befand sich hingegen nur der Wecker. 

Als Freund von Statistiken würde ich nun doch gerne Zahlen sehen, wie die Bettverteilung vor uns ausgesehen hat. Haben die Bücher letztendlich die Platzwahl und so die Rollenverteilung während des Urlaubs bestimmt? Wurden sie überhaupt beachtet? Sah es in allen Zimmer ähnlich aus? Wie war dort die Verteilung der Badewanne und des Anzughalters? War die Anordnung bei uns Zufall? Oder bildete ich mir dort in meinem urigen Königreich mit Hirschgeweihen und Truthähnen im Frühstückssalon einfach zu viel ein?


Mittwoch, 24. Oktober 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 43


Was machen Normalsterbliche an einem Samstagabend? In die Disko gehen? Ins Kino? Spazieren? Wahrscheinlich, oder sie battlen sich in der Kunst des Origamis. So passiert bei Wortschatz und mir. Ich faltete aus einem Schmierblatt ein Lesezeichen in Herzform für die Buchecke, er konterte mit seiner jahrelangen Erfahrung im Papierflugzeugbau, ich stürzte mich mit einem Papierhund in den Kampf, woraufhin er eine Papierkugel knäuelte. Verzweiflung? Ich nahm es als Kapitulation auf.

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 42


Lange Zeit blieb dieses Posting symbolisch leer. Nach der Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr war ich total leer und müde und wurde auch noch ziemlich fies krank. Die Nachmesse-Grippe ist wohl doch kein Gerücht. Eigentlich habe ich die Momentaufnahme terminiert, um sie während den Messetagen zu füllen. Doch mein voller Terminkalender, Programmier- und Schreibnächten, nur drei bis vier Stunden Schlaf pro Nacht machten mir gründlich einen Strich durch die Rechnung.

Darum mag ich jetzt, zwei Wochen nach dem Ende der Messe, diese bibliophile Momentaufnahme mit etwas Schönem füllen, nämlich einem Augenblick, bevor der Sturm losging. Als ich noch wach, gesund und motiviert genug war, um die folgenden Messetage in Angriff zu nehmen. Derzeit bin ich nur noch müde und genervt von meinem Internetanbieter. Hoffentlich werden bald bessere Zeiten folgen.

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 41


Nachdem ich gestern meinen ersten himmelhochjauchzenden Auftakt zur Messewoche bestritten hatte, als ich bei der Verleihung vom Deutschen Buchpreis 2012 dabei sein durfte, folgte nun gestern am Dienstag der tiefe zu Tode betrübte Niedergang: Ich durfte nicht rein.


Dabei hatte ich mich extra freiwillig zum Helfen gemeldet, denn ich liebe die Dienstage in der Buchmessenwoche. Alle Menschen wuseln fleißig durch die Hallen, bauen auf, die Gänge sind leer, bis auf die gigantischen Müllcontainer, in denen sich Berge von Papier, Pappe und Verpackungsmaterial türmen, sodass man ganz erstaunt und ehrfürchtig am Mittwoch die Hallen betritt und sich fragt, wohin das ganze Zeug nur über Nacht verschwunden ist. Ich laufe mich warm, wandere ziellos durch die Hallen, merke mir wichtige Stände, mache mich wieder mit den Örtlichkeiten vertraut und prüfe, wer da ist und wer fehlt. Ich liebe den Dienstag. Und deshalb war ich umso trauriger, als ich am Eingang stand und erfuhr, dass meine Karte weitergegeben worden war. Und das, obwohl ich dieses Jahr mit meinem kurzen Tele-Objektiv experimentieren wollte. Obwohl ich Interviews mit den Verlegern machen wollte, worauf sie sich auf der Messe am meisten freuten.


Es war der erste Dienstag seit mindestens drei Jahren, den ich nicht miterleben durfte. Darüber konnten selbst zwei Stunden Frustshoppen in Frankfurt nicht helfen. Ich fand nichts und zerzauste mir die Haare beim Umziehen. Nicht mal mein Müsliriegel schmeckte mehr. Was für ein misslungener Messestart!

Mittwoch, 26. September 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 39


Habe ich mich vor einiger Zeit über farbigen Buchschnitt gefreut, folgt nun anscheinend der nächste Trend. Es ist so einfach wie genial: Statt einem Muster oder einer Farbe werden Motive auf den Kopf-, Vorder- und Unterschnitt gedruckt. Ich bin sehr gespannt, wie die Hersteller, Grafiker und Gestalter mit diesem tollen Trend spielen werden. Einen praktischen Nutzen hat der bunte Schnitt in dieser Art nicht, aber er sieht gut aus. Und nun kann man die Bücher auch mit dem Rücken nach hinten gedreht im Regal stehen haben. Fein!

Mittwoch, 12. September 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 37


Grundlagen-Literatur. Das ist die erste Fuhre an Büchern, die ich für meine Magisterarbeit lesen möchte. Ja, auch ich muss mit meinem wundervollen Studium fertig werden. Wehmütig bin ich nur wegen Buchwissenschaft (ein wenig); Komparatistik hingegen werde ich keine einzige Sekunde hinterher trauern. Doch spätestens nachdem die Bachlor- und Masterabschlüsse auch unser Institut erreicht haben, veränderte sich auch die Seele der Buchwissenschaft. Das und meine vielen Nebenjobs ließen mein Studium im Laufe der Zeit immer unwichtiger werden. Doch irgendwann kamen die ersten Jobangebote, die ich ablehnen musste. Nun kam das dritte Angebot, das ich nicht ablehnen möchte. Also heißt es: Lesen-lesen-lesen. Schnell-schnell-schnell fertig werden. Um ein überfälliges Kapitel abzuschließen und ein neues beginnen zu können.

Mittwoch, 5. September 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 36


Hin und wieder stolpert man über ganz besondere Buchhandlungen. Zu ihnen gehört auch die Berliner Buchhandlung ocelot (Brunnenstraße 181), die in jeder Hinsicht einzigartig ist. Die typografischen Spielereien, die modernen Regale – gradlinig, schick und trotzdem gemütlich – die verwinkelten Ecken, die hypermodernen Schultische (so scheint es) in der Mitte des Raumes, die offene Decke mit Berliner Industriecharme, der Kaffeeduft, die gute Auswahl exzellenter E-Reader, die persönlichen Fotos, Gemälde und Zeichnungen und einfach nur der spürbare Wille, etwas bewegen zu wollen und gemeinsam mit der fortschreitenden Digitalisierung neue Ideen zu entwickeln. Viel Erfolg Dir weiterhin, lieber FK!

Mittwoch, 29. August 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 35


Das Frankfurter Literaturhaus hat das Lesekabinett derzeit ganz toll dekoriert: Von der Decke schweben, fliegen, fallen, wuschen ganz viele Stifte Richtung Bühne. Allein das Kabinett ist schon einen Besuch wert (vor allem wenn Lesungen oder Diskussionen stattfinden), aber mit den fliegenden Stiften und den atmenden Büchern ist die Atmosphäre dort wahrhaft magisch.

Mittwoch, 22. August 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 34


Das Bild entstand während der Hauptversammlung des Börsenverein im Berliner Congress Center am Alexanderplatz. Ich saß eine viertel Stunde als Gast drinnen und habe mir die Rede des Nachwuchssprechers TS angehört. Alles davor und danach war recht desillusionierend, da es nichts weiter als eine überlange Jahreshauptversammlung gewesen ist. Als Lokaljournalistin nehme ich jedes Jahr mindestens zehn solcher Veranstaltungen mit. Meine Erfahrung? Je größer, desto länger, desto aufgeblasener, desto komplizierter, desto unnötiger, desto nerviger. Besonders, wenn Perfektionisten im Publikum sitzen. Zumindest war die Decke hübsch.