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Freitag, 15. Juni 2012

Literary Wedding – Eine literarische Hochzeit


Heute widmen wir uns einem schönem Thema, das mich seit kurzer Zeit gedanklich nicht mehr los lässt. Das erste Bild verrät es vielleicht schon: Eine literarische Hochzeit. Eigentlich eher untypisch für mich. Bislang widerte mich der Gedanke an eine normale Hochzeit an. Es sind meistens pompöse Feiern mit viel zu vielen Gästen, von denen die Hälfte beleidigt ist, weil sie erst im Nachrückverfahren einen Platz auf der exponentiell ansteigenden Gästeliste bekamen und lassen das Brautpaar dies natürlich auch deutlich spüren. Das Brautpaar wiederum hat so hohe Erwartungen an ihre Traumhochzeit, dass sie den Tag nicht genießen können und das ganze zu einer steifen Veranstaltungen verkommt, bei der stur jegliche Hochzeitstraditionen abgenickt und durchgejagt wird. Grauenvoll. Die Krönung bei solchen Veranstaltungen sind kirchliche Hochzeiten, bei denen man deutlich merkt, warum das Brautpaar erst kurz vor der Trauung in die Kirche eingetreten ist. Selbige treten dann nach der ersten Kirchensteuer-Zahlung natürlich sofort wieder aus.


Aus all diesen grauenhaften Vorstellung manifestierte sich für mich der Gedanke, wenn schon Heirat, dann nicht für das Ansehen, den Status, das Prestige, die Verwandten, die Familie, die Freunde, die Kirche, sondern nur und wegen der Liebe. Und was wäre da romantischer als eine kleine Hochzeit, nur mit den Trauzeugen, einem spitzen Fotografen und mit dem Mann, den man liebt? Irgendwo im Ausland, wahlweise irgendwo in Nordeuropa an einem besonderen Ort? Nachts? Im Schein der Nordlichter? 


Doch dann stolperte ich auf Pinterest über ein Board, das den unschuldigen Namen Literary Wedding trug. Und plötzlich konnte ich mich mit dem Gedanken an eine schnöde, etwas größere Hochzeit versöhnen. Blöde, romantische Frauenhormone, ihr blöden Gene da. Egal wie sarkastisch und zynisch ich doch gerne bin, egal wie viele Zombie-Blut-Massaker-Filme ich verschlinge und egal wie sehr mir ein modernes Frauenbild wichtig ist: Bei den Bildern bekam ich dann doch kitschige Herzchenaugen. Ich weiß nicht, wie bekannt Themenhochzeiten in Deutschland sind, aber ich wäre vorher nie auf die Idee gekommen, meine ständigen Wegbegleiter in Form einer literarischen Hochzeit in den schönsten Tag des Lebens einzubeziehen. Angefangen beim Heiratsantrag (Ring im Harry Potter-Buch, im Kapitel »The unbreakable Vow« – trotz der Zerstörung des Buches: Oooooh!) und dem Verlobungsring. Zugegeben: Der gezeigte Ring könnte im Alltag ein wenig unpraktisch sein. Aber als Verlobungsring, den ich nicht ständig tragen würde, bietet sich so eine Spielerei schon an. Überhaupt gibt es sehr vielen bibliophilen Schmuck, von denen ich euch schon einige Exemplare vorgestellt habe. Natürlich ist das günstiger Modeschmuck, aber viele der hochpreisigen, bibliophil angehauchten Ringe finde ich zu experimentell und wenig ästhetisch. Vielleicht gibt es dann doch einige typografische Spielereien, die ich noch nicht entdeckt habe (hoffentlich!). Doch reden wir zunächst über den Ort des Geschehens.


In einer Bücherei oder Bibliothek zu heiraten oder zu feiern, klingt vielleicht zunächst ziemlich romantisch. Ich bekomme die Bilder auch gar nicht mehr aus meinem Kopf heraus und sie halten sich hartnäckig an der Realität fest, die jedoch so gar nicht stimmt. Mal ehrlich, ich habe hier in Deutschland noch nie eine so schöne Bibliothek oder Bücherei gesehen, die auch nur annähernd an meine romantischen Klischeebilder amerikanischer Buchparadiese herankommen würde. Mit Ausnahme der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar. Dort, im weißen Saal, könnte man im weißen Brautkleid bestimmt tolle Fotos machen – in Schlappen, damit man den Fußboden schont. Auf dem Pinboard habe ich vielleicht gerade deshalb viele Bilder von Freiluft-Hochzeitsorten gesehen, die unter Pavillons in der Natur gefeiert, mit viel bibliophiler Tischdekoration aufgepeppt und einem Bücherbogen für das Brautpaar vollendet wurde. Diese Variante hat mich mehr überzeugt, da eine Bibliothek mit dunklem Holz zwar urgemütlich, für eine Hochzeitsgesellschaft allerdings vielleicht zu beklemmend wirkt.


Das Brautkleid, das wichtigste an einer Hochzeit überhaupt! Wie viele Bilder ich doch von Kleidern aus Büchern und Papier gesehen habe! Kunstvoll gefaltet, geklebt und gebunden, doch allesamt sahen sie nicht so schön aus wie erhofft. Papier ist halt doch ein wenig steif. Mein bibliophiles Hochzeitskleid würde ich eher klassisch halten, ohne Rüschen, aber mit leichter Schleppe und viel Tüll. Ein echtes Feenkleid eben, und dieses würde ich mit typografischen Accessoires aufpeppen. Vielleicht am Saum einen Stoff einnähen lassen, der wie Buchseiten aussieht? Oder einen Gürtel, der ähnlich aussieht wie der typografische Schal, den ich auf Pinterest entdeckt habe und den es auch in Weiß gibt?


Des Weiteren gibt es ganz viele Möglichkeiten, unauffällig das bibliophile Thema aufzugreifen: Wie wäre es mit Buchstaben-Nägeln? Oder weiße Pumps mit demselben Muster, die nur beim Tanzen aufblitzen? Manschettenknöpfe beim Mann? Oder eine durchsichtigen Schleier mit diesem Muster? Am meisten begeistert hat mich die Idee eines Blumenstraußes aus Papier und Perlen, denn es gibt nichts, was ich mehr hasse als Blumensträuße. Warum?


Ich gebe es zu, ich habe einen kleinen Pflanzentick. Deshalb finde ich es ziemlich pervers, dass sich Menschen über sterbende, tote Blumen freuen. Die müssten sich doch auch über einen Strauß tote Ratten freuen? Da bekomme ich lieber die Pflanze im Topf, aber doch keine toten Blumensträuße! Und deshalb sind Papierblumensträuße eine wunderbare Alternative für mich. Der Strauß in Herbstfarben gefällt mir besonders gut, mal schauen, ob ich so etwas mal probeweise nachfalten werde, denn ich bastle auch gerne. Einladungskarten wären bei einer literarischen Hochzeit eine weitere Möglichkeit, sich dahingehend auszutoben. Ich habe als Bildbeispiel eine sehr schlichte Einladungskarte gewählt. Ich habe eine Schrift, die Jane Austens Handschrift nachempfunden sein soll, die ähnlich aussieht. Ich habe allerdings auch schon Einladungskarten in Form von Lesezeichen gesehen oder Eulenfedern als Zugabe. Zur edlen Einladung auf Büttenpapier könnten noch aus Buchseiten ausgeschnittene Herzchen dazugelegt werden – dieses bibliophile Konfetti würde sich auch statt dem Reiswerfen eigenen.


In meiner Zeit in München habe ich – trotz fehlendem Backofen – meine Begeisterung für das Backen entdeckt. Deshalb wäre der perfekte, bibliophile Hochzeitskuchen ebenfalls ein großes Thema. Meine Bedingung in der Hinsicht? Es muss möglichst echt aussehen. Und lecker schmecken. Die meisten Torten fand ich dahingehend eher zu langweilig, und einige, die direkt wie Bücher aussahen, waren zu wenig Hochzeitskuchen, um mich zu begeistern.


Ganz süß hingegen fand ich die kleinen Cupcakes, die auf dem Bild mit den Büchern zwar eher der Tischdeko dienen, aber ich habe auch einige literarische Küchlein mit kleinen Marzipan-Büchern und anderen literarischen Motiven darauf entdecken können.


Tischdekoration - da wären wir auch schon beim nächsten Thema. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Hat man einen Tisch, gibt es Tischdecken oder Läufer mit Buchstaben drauf. Müssen kleine Gruppentische gedeckt werden, bieten sich zudem Farb- oder literarische Motive an: Der Jane-Austen-Tisch, die Papiertüten mit Fragezeichen beim Pynchon-Gruppentisch, purpurne Rotwein-Dekoration beim Goethe-Tisch. Und natürlich Bücher, nach Farben sortiert. Originell fand ich auch kleine Schreibmaschinen an den Tischenden. Vermisst habe ich Kerzen mit Textauszügen darauf. Oder Windlichter aus Buchseiten.


Neben dem perfekten Mann, dem perfekten Kleid, dem perfekten Ort-Kuchen-Strauß-Dekoration gehört bei mir der Fotograf zu einer Hochzeit dazu. Da Wortschatz und ich beide leidenschaftlich fotografieren, haben wir hohe Ansprüche. Ich habe mir meinen Traumfotografen schon auserkoren und er hat von mir schon indirekt Andeutungen bekommen (»Falls es irgendwann dazu kommen sollte, sei vorbereitet, sonst rede ich nie wieder ein Wort mit dir!«). Ebenfalls spannend finde ich den Gedanken, die Hochzeit in Zeitrafferaufnahmen festzuhalten – diesen Effekt finde ich wesentlich spannender und ästhetischer als schnödes Filmmaterial.


Doch zu einer Hochzeit wird es bei mir wahrscheinlich niemals kommen. Das versicherte mir mein Wortschatz mit ernstem Gesicht, aus einem einfachen Grund: Er könne es  nicht ertragen, vor dem Standesamt zu stehen und auf mich zu warten. Und ich komme nicht, weil ich mich schon wieder verlesen habe. Seufz!



Und zum Schluss noch sämtlich Ursprungsquellen, sofern man das über Pinterest nachvollziehen kann:

Mittwoch, 28. September 2011

Aus dem Alltag einer Buechereule – Neuer Mitbewohner aus London


Das ist Heathcliff, eine Eule aus England. Meine Schwester hat ihn mir aus London mitgebracht. Als ich Heathcliff aus dem Umschlag holte, starrte er mich zunächst mit seinen dunklen Kulleraugen an, flog hoch in mein Zimmer und versteckt sich bei den Hardcovern. Seitdem sitzt er dort missmutig herum und straft mich mit bösen Blicken. Ich hoffe, er wird noch etwas zutraulicher.

Freitag, 26. August 2011

Lesen – Wenn es blitzt und donnert


Wenn es draußen blitzt und kracht und donnert, sitze ich derzeit gerne in meinem stockdunklen Zimmer, beobachte das Gewitter durch meine geöffneten Fenster und krame meine Leselampe hervor. Wortschatz hat sie mir im letzten Jahr unverhofft geschenkt, und jetzt entdecke ich ihre Vorteile, während sich der Himmel nach einem schwülen Sommertag erneut wieder zusammenbraut. Hat etwas vom Lesen unter der Bettdecke – nur viel eleganter und luxuriöser.

Montag, 1. August 2011

Non-Book – Eulenhafte Buchstütze

Auch auf die Gefahr hin, dass du, lieber Leser, mich für einen absolut verkitschten Mensch halten wirst, muss ich dir diese Buchstütze einfach zeigen. Ich habe diese auf einem Bücherstapel sitzende Eule aus Holz bereits im Juni auf der Minipressen-Messe gefunden.



Ich konnte ihr einfach nicht widerstehen, noch dazu habe ich mir seit Ewigkeiten genau so eine Buchstütze gewünscht (bislang habe ich überhaupt keine besessen). Ist das irgendwie nachvollziehbar?

Montag, 25. Juli 2011

Non-Book – Bibliophile Schmuckstücke


Ich muss gestehen, dass libromanie mich vor einigen Wochen sehr böse angefixt hat. Zwar stöbere ich schon länger bei DaWanda umher, aber so tolle bibliophile Schmuckstücke sind mir bislang noch nicht untergekommen. Und alle hatten eine wunderbare persönliche Note (»Albert war der Bruder meines Urgroßvaters und hat mit Begeisterung Postkarten von seinen vielen Reisen an ihn und seine Familie geschickt«), sodass ich einfach nicht widerstehen konnte. Außerdem gab es Rabatt. Und überhaupt!

Mittwoch, 24. November 2010

Non-Book – Mitwachsendes Regal

Vor zwei Monaten habe ich mein letztes Buchregal bekommen. Es ist knapp zwei Meter lang und war noch am selben Tag voll. Endlich konnte ich die Bücher, die sich langsam aber sicher auf dem Boden stapelten, in luftige Höhen verstauen. Nun sitze ich da und sie lauern schon wieder in den Ecken. Die bereits gelesenen Bücher haben unter der Fensterbank inzwischen eine Höhe von fast einem Meter erreicht. Wenn dir, lieber Leser, dieses Problem bekannt vorkommt, dann wird dir folgende Erfindung bestimmt gefallen: Ein Bücherregal, das mitwächst.
Wenn ich für jedes Regal, das ich besitze, durch diese Technik 30 Zentimeter gewinnen würde, hätte ich auf einem Schlag 5,10 Meter Platz. Hört sich gut an, oder?

Sonntag, 14. November 2010

In 40 Tagen ist Weihnachten

Wortschatz und ich tauschen jedes Jahr vor Weihnachten Wunschlisten aus. Das ist eine sehr praktische Erfindung, die einem sein Wunschgeschenk garantiert. Da die Listen immer sehr lang werden, geht der Überraschungseffekt auf keinen Fall flöten.

In diesem Jahr wird es jedoch eine kleine Änderung geben, denn ich werde nur einen Wunsch vermerken. Den Weltfrieden? Eine B 42? Eine Leica M9 mit einem 50/1:0,95 ASPH-Objektiv? Nein, ich wünsch mir einen Baum – einsehbar hier. Natürlich selbstgebastelt. Mal schauen, inwieweit der Ehrgeiz von Wortschatz angestachelt wird. Eine komplett leere Weihnachtswunschliste wirkt bestimmt Wunder. Hoffentlich!

Post Scriptum: Falls dieser Post als »doof« bewertet wird, darfst du, lieber Leser, nur einmal raten, wer das gewesen sein dürfte.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Buchmesse 2010 – Würden Sie Sushi im Baumarkt kaufen?

Diese Frage war das Thema einer Gesprächsrunde auf der Frankfurter Buchmesse. Joachim Fürst und Marc Iven von der Firma Fürst Nebensortimente berichteten den anwesenden Buchhändlern und Non-Book-Anbietern, welche Erfahrungen sie im Laufe der Jahre mit dem Zusatzsortiment im Buchhandel gesammelt haben.

Als Zauberwort hat sich (wenig überraschend) »Qualität« entpuppt. Doch bis man an die richtigen Non-Books herankommt, ist es oft ein langer und beschwerlicher Weg. Die Auswahl ist unendlich groß, und spätestens bei der Mindestabnahmemenge der Großhändler tauchen erste Probleme auf – zumindest bei kleinen und mittleren Sortimentern. Fürst und Iven haben deshalb einen Zusammenschluss mit mehreren Buchhandlungen organisiert, um für ihre Autorenbuchhandlung in Berlin Papeterie als Zusatzsortiment anbieten zu können.


Interessant wird vor allem der Augenblick, wenn der Buchhändler sich nach langem Kopfzerbrechen für ein Produkt entscheiden muss. Nicht alles passt in jede Buchhandlung an jeden Ort in jedes Konzept. Und weit verbreitete Markenstifte im Angebot zu haben, die es in jedem Schreibwarengeschäft Vorort gibt, ist ebenfalls nicht empfehlenswert. Joachim Fürst ermutigte die Buchhändler zu Entdeckungsreisen: »Experimentiert! Vor allem das Individuelle und Einzigartige kommt bei den Kunden sehr gut an.«

Ein Non-Book-Artikel muss selbsterklärend sein. Einen zusätzlichen Kaufanreiz bietet ein spielerischer Umgang mit Bildung oder ein Bezug zu Literatur und Kunst. Gute Non-Books sind zeitlos, witzig und originell; sie steigern die Lust am Stöbern und somit auch die Kundenbindung.
Ein echter Verkaufsschlager bei der Firma Fürst Nebensortimente ist ein unscheinbares, schlichtes Fotoalbum aus braunem Kraftpapier, das nach dem Befüllen zu einem Quadrat wird. Ich selbst werde einen Blick auf einen Buchblock werden, der mit buntem Papier gefüllt ist. Einfach, zeitlos, aber genial.

Dienstag, 12. Oktober 2010

Buchmesse 2010 – Neue Non-Books auf der Messe


Auf der Frankfurter Buchmesse habe ich die Non-Books für mich entdeckt. Sie sind in der Halle 4.0 ganz weit hinten in der Ecke versteckt, aber natürlich eine einzige Augenweide. Ich zückte gleich meine Kamera, schaltete auf den Foto-Blick um und fand mich im wunderbarsten Fotoschlaraffenland mit Glitzer, Bibliophilem und noch mehr Glitzer wieder.


Nach drei Schnappschüssen knallte ich auf dem Boden der Realität zurück. »Entschuldigen Sie, haben Sie eine Erlaubnis zum Fotografieren?« Seit wann brauche ich eine Erlaubnis? Überall? »Eigentlich darf man auf der ganzen Messe nicht fotografieren.« Hust! Ach wirklich?


Missmutig stapfte ich von diesem unsympathischen Mensch davon. Spätestens mit einer Gruppe von sieben Menschen im Bild dürfte er mir doch eigentlich den Buckel runterrutschen. Ich hörte mir einen Vortrag an (Post folgt) und kühlte mich ab. Danach ging ich erneut auf Fotojagd und machte mir dieses Mal die Arbeit, jeden einzelnen Stand, der etwas interessantes zu bieten hatte, mit Erlaubnis des Betreibers zu fotografieren. Immerhin bekam ich so einige Neuigkeiten mit, auch zum Thema Produktpiraterie.


Eine der größten Non-Book-Firmen hatte ein großes Schild am Stand, eine durchgestrichene Kamera davor. Einer der aufmerksamen Mitarbeiter hatte sogleich ein Auge auf mich geworfen und ich zwinkerte zurück. »Ihre Produkte machen mich immer traurig. Nie finde ich meinen Namen darunter«, fing ich das Gespräch an. Da die Ideen der Firma aber unheimlich originell sind, gab ich im selben Atemzug versöhnlich bekannt, dass ich von ihrem Sortiment bereits einiges gekauft habe. Er erzählte mir, warum Fotos von ihren Produkten nicht erlaubt sind. »Mit unseren Produkten haben wir ein erfolgreiches Konzept entwickelt und für unsere Firma ein unverkennbares Profil geschaffen. Deshalb werden wir leider gerne kopiert.« Er berichtete von Chinesen, die die Produkte fotografieren und in ihrer Heimat für viel weniger Geld 1:1 nachbauen. »Es wird geklaut, was vielen gut gefällt.« Für die Firma ist der Nachweis der Plagiate schwierig. Da sie keine Charakterfiguren oder Labels im Programm haben, reicht es, wenn die Produktpiraten geringfügige Änderungen einarbeiten, um sich aus der Produkthaftung herauszuwinden. Trotz allem langt laut dem Mitarbeiter die reine Kopie noch lange nicht, um erfolgreich zu sein. Eine gute Qualität und ein wiedererkennbares Gesamtkonzept (Corporate Identity mit einheitlichem Design) sind entscheidend, sodass der Käufer Vertrauen zu diesem Impulsartikel aufbauen kann.


Spannend. Viele andere Anbieter von Non-Books haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Viele ärgerten sich, dass sie mit ihrem Artikel zuerst ein Risiko eingehen müssen, wenn sie es auf dem Markt bringen. Erst, wenn sich ein Erfolg einstellt, beginnt das Kopieren der Konkurrenz.


Ein netter Mann presste mir kostenlos einen Button mit dem Wort »Muse«. Hätte ich etwas aufmerksamer auf die Werbewand geblickt, hätte ich für Wortschatz noch den »Roman Held« mitgenommen. So blieb es bei der Muse und der Mann klagte, dass seine Presse schon nach dem zweiten Tag drohte, ihren Geist aufzugeben. Ich hoffe, sie hat bis zum Sonntag durchgehalten!

Auf der Suche nach besonderen Non-Books habe ich dir, mein lieber Leser, einige Geheimtipps herausgesucht, die mir ein Lächeln auf die Lippen gezaubert haben.


Der Denkzettel ist ein verformbarer Notizblock, schwarz-weiß und mit 1.500 Seiten gut gefüllt.


Der Bookchair-Vertrieb hatte zwei wunderbare Lesezeichen im Angebot: das linke Lesezeichen hat verschiedene Tiermotive, die mit ihrem Schwanz die Seite markieren und das rechte hat einen Magnetverschluss in Herzform.


Eine Lizenz für Simon's Cat-Merchandising-Produkte hat vor kurzem eine Frau aus Deutschland erstanden. Sie präsentierte Tassen, Shirts und Gelddosen auf ihrem Stand. Am Mitte November wird ihr Shop fertig sein. Nähere Infos für eingefleischte Fans gibt es dann auf folgender Seite: Klick!


Den tollsten Job der Messe hatte bestimmt die Frau am Stand von Folkmanis Puppets: Sie hatte ein unglaublich süßes Eichhörnchen auf dem Arm, das sich putzte und frech durch die Gänge blickte.


Allein die Visitenkarte, die mir Arno Jung überreicht hat, war ein Erlebnis: zusammengeklappt sah sie aus wie ein Aktenordner. An seinem Stand präsentierte er Aufkleber für eben solche und hier entdeckte ich mal wieder ein Muster, das auf der Messe allgegenwärtig war: Hirsche und Geweihe!


Memory mit nur zwei gleichen Pärchen? Laaangweilig! Pixelproducts bewies das an ihrem Stand. Drei Karten sind derzeit in. Mit denselben Motiven? Fehlanzeige! Eine rote, gelbe und grüne Ampel, eine echter, gezeichneter und gebastelter Rabe, eine 33, eine 66 und eine 99. Logik und Knobeleien stehen heute im Mittelpunkt. Mit vielen tollen Motiven ist das eine echte Entdeckung.







Unglaublich viel zu entdecken gab es am Stand der Firma REMEMBER. Ich unterhielt mich sehr nett mit einem Mitarbeiter, der mir zum Glück das Fotografieren erlaubte. Ihre Produkte sind eine echte Augenweide, allem voran die Spiele: exotische wie das Paolo, bekannte wie die Bricks und bunte wie das art'quadrat.


Einer der süßesten Ideen verbarg sich hinter den kleinen Weltverbesserern. Du warst mit dem Service in einem Restaurant zufrieden, magst deine Nachbarin oder den Postboten? Sag es ihnen mit den kleinen Kärtchen. Vorne bunt und hinten mit einer Ankreuzmöglichkeit, warum du, lieber Leser, zufrieden, glücklich und gerührt bist. Kleine Kärtchen, um eine große Wirkung zu erzielen. Tolle Idee, leider aber erst Ende Oktober im Shop.


Einen ebenfalls tollen Job hatte Peter Wanders von der ELLIOT GmbH: Statt wie ich eine schwere Kameratasche zu schleppen, durfte er den ganzen Tag mit einem Hubschrauber durch die Messehalle fliegen – natürlich war es nur ein Modellflieger.


Meine letzte Entdeckung machte ich beim Werkhaus, die ein eigenes Baumhaus über ihrem Messestand hatten. Bei Kundengespräche war die Idee wahrscheinlich der Renner – allein wegen dem Ausblick und der Lautstärke. Im nächsten Jahr bin ich auf alle Fälle wieder in der Halle 4.0 bei den Non-Books, um weitere Sachen zu entdecken. Mal schauen, was ich dir dann präsentieren werde.

Mittwoch, 29. September 2010

Bücher-Haul – Im September

Wer hätte es gedacht – in Weimar kann man sehr gut Bücher einkaufen und meine Beute stelle ich euch heute hier in diesem Post vor.




Ich habe mir zwei Bücher gekauft. In der Schillerstraße gibt es die hübsche, verwinkelte Hoffmannsche Buchhandlung, die ein sehr breites Sortiment hat – natürlich mit einem Schwerpunkt in der Klassik und der Regionalliteratur. Aber auch einen Raum nur für Kinder habe ich dort entdeckt, wunderbar! Hier habe ich mir von Martin Mosebach »Was davor geschah« (Hanser, 21,90 Euro) geschnappt. Das Buch stand schon länger auf meiner Wunschliste und war einer der wenigen Titel, die mich auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis sofort angesprochen haben. Und ich bin auch gespannt, wie das schräge Cover mit dem Kakadu zum Romaninhalt passt.

Klappentext: »Eine Frau und ein Mann sind seit kurzem ein Paar, da stellt die Frau jene gefährliche Frage, die unschuldig klingt und doch schon den Keim der Eifersucht enthält: Wie war das eigentlich mit dir, bevor wir uns kannten?«

In der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek habe ich mein zweites Urlaubsbuch gekauft. Im Museumsshop lagen die üblichen Verdächtigen herum: Non-Books und Bücher über Bücher. Gerade letzteres fand ich besonders spannend. Da ich die Anna Amalia-Biografien auf den ersten Blick nicht einschätzen konnte, stöberte ich lieber in den Fachbüchern herum und entdeckte »Kunst des Bucheinbandes« von der Klassik Stiftung Weimar (Otto Meissners Verlag, 19,90 Euro). Das Buch gibt mit wunderschönen Fotografien einen Einblick in die Entwicklung der Einbandkunst der verschiedenen Epochen, angefangen von der Gotik bis zur Gegenwart.

Ein wenig fremd wirkt auf dem Foto vielleicht Melinda Nadj Abonji mit ihrem Roman »Tauben fliegen auf« (Jung und Jung, 22 Euro). Es ist mein Urlaubsbuch, das ich Anfang September in meiner Stammbuchhandlung bestellt habe. Da ich derzeit katastrophale Arbeitszeiten habe, konnte ich das Buch erst letzte Woche abholen. Ich habe mich unglaublich gefreut, als das Buch von der Long- auf die Shortlist aufgerutscht ist und lese es derzeit mit großem Vergnügen. Eine Rezension folgt noch.




Zum Schluss zeige ich dir, lieber Leser, noch zwei Lesezeichen, die ich im Museumsshop der Anna-Amalia-Bibliothek entdeckt habe: Den Rokokosaal als hübsche Weitwinkel-Aufnahme und einige alte Schmöker im Regal gab es für jeweils einen Euro. Super!


Post Scriptum: Den Schutzumschlag vom Abonji-Buch habe ich vor dem Urlaub bei meinem Wortschatz vergessen. Ich lasse die Dinger überall liegen, damit sie beim Unterwegs-Lesen nicht verknicken, einreißen oder schmutzig werden.

die Büchereule