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Mittwoch, 21. November 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 47


Erinnerst Du dich noch an das Cover von Dan Browns Sakrileg? Oder an Cecilia Aherns Liebesroman mit himmelblauen Hintergrund und luftig geschwungener Schrift? Wenn nicht, dann denke bitte an die vielen Fantasy-Romane mit den Frauengesichtern auf dem Cover, die melancholisch mit großen Augen ins Leere blicken und an ihre große Liebe denken. All diese Bücher haben in ihrer Gestaltung Trends geschaffen, die teilweise bis zum Erbrechen kopiert wurden. Interessant dabei fand ich vor allem, wie offensiv geklaut wurde.

Seitdem beobachte ich argwöhnisch die Neuerscheinungen, denn jedes neue Buch hat Potential, einen neuen Trend einzuläuten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mit J.K. Rowlings neuem Buch ebenfalls eine Mode eingeführt wird und der Trend hin zum Retro-Cover geht. Da das Rowling-Cover bislang nicht gut ankommt, bin ich gespannt, ob ich mit meiner Vermutung recht haben werde. Denn mal ehrlich: Jeder neue Modetrend ist auf den ersten Blick potthässlich, bis man sich an ihn gewöhnt hat.

Und wenn man sich so den Liebesroman-Tisch der Engländer in einem Buchladen ansieht, blickt man in eine ganz andere Welt. Wer viel und gerne Blogs liest, dem wird der Trend zu weißen Blogs aufgefallen sein. Ob dieser Geschmack sich irgendwann auch in weißen Liebesromanen in Deutschland niederschlagen wird?

Mittwoch, 14. November 2012

Bibliophile Momentaufnahmen – Kalenderwoche 46


Manche Dinge sind unerklärlich. Zum Beispiel diese Geschichte, warum ich einen Schutzumschlag besitze, obwohl ich das dazu gehörende Buch nicht habe und niemals besaß. Ich vermute, dass es mal als Lesezeichen benutzt worden ist (Schutzumschlag als Lesezeichen?) und es in einem Buch drinnen lag, das ich gebraucht gekauft habe. Ich entdeckte nun das Papier in einem Wälzer und entdeckte eine handschriftliche Notiz. Erst dachte ich, sie sei echt, schmunzelte und legte sie weg. Als ich den Umschlag neulich wieder in die Finger bekam, las ich nochmal drüber und schielte dann zum Klappentext: Ja, die Hauptfigur hieß Sofia. Und sie hatte allen Grund, wütend auf den anderen Protagonist zu sein. Unglaublich, welch eine geniale Idee, die Innenseite eines Schutzumschlags als Tummelplatz für einen persönlichen Hassbrief der Hauptfigur zu gestalten. Noch dazu sieht die Notiz täuschend echt aus, als sei sie wirklich mit einem Füller und echter Tinte hingekritzelt worden. Allein deswegen überlege ich, mir das Buch irgendwann mal zuzulegen. Noch dazu, weil Bolaño es empfiehlt. Sehr schön gemacht, liebe Klett-Cotta-Verleger!

Freitag, 22. Juni 2012

Literary Tattoos – Bibliophile Tattoos


Ein weiteres Phänomen, was mich seit Pinterest ständig begleitet, sind neben ausgefallenen Küchlein, DIY-Gartendekorationen und Buchregalen vor allem eines: Literarische Tattoos. Bislang habe ich diesem Körperschmuck wenig Beachtung gezollt, doch seit Pinterest respektiere ich sie vor allem als eigenständige Kunstform (im Idealfall). Besonders spannend wird es, wenn Bücher zum Thema werden. Von diesen Literary Tattoos möchte ich Euch einige Varianten vorstellen und fange am besten mit der verbreitetsten an: Zitate aus Büchern. Im ersten Foto wurde Shakespeares »A Midsummer Night's Dream« verewigt. Für viele Zitate sucht sich der Tätowierte ausgefallene, passende Schriften aus, oftmals sind es verschlungene Handschriften, die leider nicht immer gut lesbar sind, besonders wenn sie sich an Körperstellen befinden, die das Tattoo oft verzerren. Eine weitere Möglichkeit sind Unterschriften von berühmten Autoren samt Silhouette, so gesehen bei einem Jane Austen-Tattoo.


Eine Steigerung zu Buchzitaten sind ganze (Schlüssel-) Szenen aus Büchern. Auf dem Arm wurde Ray Bradburys »Fahrenheit 451« verewigt, die Szene mit den brennenden Büchern. Das ist Gänsehaut pur! Weitere Szenen, die ich aufgestöbert habe, kamen von Alice im Wunderland – inklusive einem Zitat – und fliegenden Karten. Außerdem eine Szene aus Richard Adams »Watership down« – ich liebe das Buch und das Tattoo versetzte mich sofort zu den Kaninchen und frischem Klee zurück. Wesentlich witziger ist die Figur »Wo ist Walter?«, die hinter dem Ohr ihrer Besitzerin hervorlugt oder das Gesicht der Grinsekatze auf dem Rücken. Neben ganzen Szenen wird ab und an nur ein Gegenstand aus einem Buch verwendet, zum Beispiel der goldene Schnatz aus den Harry-Potter-Romanen oder einfach die Zahl 42.
Als weitere Variante taucht immer mal wieder der Kopf eines Schriftstellers am Arm, Rücken, Bein auf. Oder nur der Name und die Lebensdaten.


Es ist nahe liegend, dass auch Bücher das Motive bibliophiler Tattoos sein können. Meistens werden richtig alte Schmöker verarbeitet, die auch Walter Moers in seinen Büchern gerne verwendet: Aus Leder, mit Bünden und Einbandverzierungen. Bücher werden generell in allen möglichen Posen abgebildet: Aufgeschlagen, fallend, gestapelt, in Regalen aufgereiht. Der Fokus liegt wirklich am Medium selbst, denn nur selten ist ein Buchtitel oder ein Autor vermerkt. Meistens finde ich die Motive schön, doch auch hier gilt: Je größer das Tattoo, desto unförmiger wirkt es ab und an.


Spannend finde ich Satzzeichen als Tattoos. Sehr oft habe ich Gänsefüßchen entdeckt, meiner Meinung nach eine schöne Metapher für Dialoge bzw. für einen leeren Raum zwischen den Anführungszeichen, der mit Inhalt gefüllt werden kann. Wesentlich verwirrender fand ich ein Mädchen, das sich ein Semikolon auf den zweiten kleinen Zeh tätowieren ließ. Steht es generell für die Verbindung? Für einen Bruch (neuer Hauptsatz)? Komisch, dass ich unter den gefundenen Bildern keine drei Fragezeichen fand.


Besonders spannend und sehr selten sind typografische Spielereien. An denen könnte ich mich jahrelang sattsehen. Die Schrift, die Anordnung, das Experimentelle, die Aussage, die Ästhetik dahinter: Grandios! Und leider viel zu selten. Ich muss mal meine Typografie-Bücher wälzen, oder vielleicht lieber nicht. Sonst komme ich noch auf Ideen...!


Wie sieht es aus, wenn ein Buchmotiv zum bibliophilen Tattoo wird? Dann erhält man ein Reh mit dem Schriftzug »always.« – und die schönste Geschichte, die ich auf meiner Suche entdeckt habe. Nach zwölf Jahren, sieben Büchern und acht Filmen wollte der Ideengeber die Liebe zu den Harry Potter-Büchern auf seinem Körper verewigen. Es suchte sich ein Zitat aus: 
»After all this time, Serverus?« – »Always.«
Diese Szene, in der Serverus seine lebenslange Liebe zu Lilly Potter eingesteht und seinen Patronus fliegen lässt (eine Hirschkuh), verdeutlicht nicht nur die tiefe Liebe zweier Menschen, sondern auch die Liebe zu den Büchern. Oooh! Es ist wirklich spannend, was für Geschichten hinter so unscheinbaren Tattoos verborgen sein können.


Eines meiner Lieblingstattoos zeige ich Euch zum Schluss. Ein kleiner, versteckter Bücherstapel. Sozusagen die Bücher, die man immer mit sich trägt. Die die Digitalisierung überleben werden. In der Hinsicht finde ich weiße oder hautfarbene Tätowierungen ziemlich spannend, sodass die Bilder wie Narben aussehen. Als würden sie aus der Haut entstehen und hinauswachsen wollen. Als wären sie ein Teil vom Körper und vom eigenen Ich. Mal sehen, vielleicht wälze ich doch noch ein paar Typo-Bücher.

Und zum Schluss noch wie immer die Quellen, sofern Pinterest sie hergibt:
Buchmotiv, Buchszene, Typografische Spielerei, Zitat, Bücher, Satzzeichen.

Freitag, 15. Juni 2012

Literary Wedding – Eine literarische Hochzeit


Heute widmen wir uns einem schönem Thema, das mich seit kurzer Zeit gedanklich nicht mehr los lässt. Das erste Bild verrät es vielleicht schon: Eine literarische Hochzeit. Eigentlich eher untypisch für mich. Bislang widerte mich der Gedanke an eine normale Hochzeit an. Es sind meistens pompöse Feiern mit viel zu vielen Gästen, von denen die Hälfte beleidigt ist, weil sie erst im Nachrückverfahren einen Platz auf der exponentiell ansteigenden Gästeliste bekamen und lassen das Brautpaar dies natürlich auch deutlich spüren. Das Brautpaar wiederum hat so hohe Erwartungen an ihre Traumhochzeit, dass sie den Tag nicht genießen können und das ganze zu einer steifen Veranstaltungen verkommt, bei der stur jegliche Hochzeitstraditionen abgenickt und durchgejagt wird. Grauenvoll. Die Krönung bei solchen Veranstaltungen sind kirchliche Hochzeiten, bei denen man deutlich merkt, warum das Brautpaar erst kurz vor der Trauung in die Kirche eingetreten ist. Selbige treten dann nach der ersten Kirchensteuer-Zahlung natürlich sofort wieder aus.


Aus all diesen grauenhaften Vorstellung manifestierte sich für mich der Gedanke, wenn schon Heirat, dann nicht für das Ansehen, den Status, das Prestige, die Verwandten, die Familie, die Freunde, die Kirche, sondern nur und wegen der Liebe. Und was wäre da romantischer als eine kleine Hochzeit, nur mit den Trauzeugen, einem spitzen Fotografen und mit dem Mann, den man liebt? Irgendwo im Ausland, wahlweise irgendwo in Nordeuropa an einem besonderen Ort? Nachts? Im Schein der Nordlichter? 


Doch dann stolperte ich auf Pinterest über ein Board, das den unschuldigen Namen Literary Wedding trug. Und plötzlich konnte ich mich mit dem Gedanken an eine schnöde, etwas größere Hochzeit versöhnen. Blöde, romantische Frauenhormone, ihr blöden Gene da. Egal wie sarkastisch und zynisch ich doch gerne bin, egal wie viele Zombie-Blut-Massaker-Filme ich verschlinge und egal wie sehr mir ein modernes Frauenbild wichtig ist: Bei den Bildern bekam ich dann doch kitschige Herzchenaugen. Ich weiß nicht, wie bekannt Themenhochzeiten in Deutschland sind, aber ich wäre vorher nie auf die Idee gekommen, meine ständigen Wegbegleiter in Form einer literarischen Hochzeit in den schönsten Tag des Lebens einzubeziehen. Angefangen beim Heiratsantrag (Ring im Harry Potter-Buch, im Kapitel »The unbreakable Vow« – trotz der Zerstörung des Buches: Oooooh!) und dem Verlobungsring. Zugegeben: Der gezeigte Ring könnte im Alltag ein wenig unpraktisch sein. Aber als Verlobungsring, den ich nicht ständig tragen würde, bietet sich so eine Spielerei schon an. Überhaupt gibt es sehr vielen bibliophilen Schmuck, von denen ich euch schon einige Exemplare vorgestellt habe. Natürlich ist das günstiger Modeschmuck, aber viele der hochpreisigen, bibliophil angehauchten Ringe finde ich zu experimentell und wenig ästhetisch. Vielleicht gibt es dann doch einige typografische Spielereien, die ich noch nicht entdeckt habe (hoffentlich!). Doch reden wir zunächst über den Ort des Geschehens.


In einer Bücherei oder Bibliothek zu heiraten oder zu feiern, klingt vielleicht zunächst ziemlich romantisch. Ich bekomme die Bilder auch gar nicht mehr aus meinem Kopf heraus und sie halten sich hartnäckig an der Realität fest, die jedoch so gar nicht stimmt. Mal ehrlich, ich habe hier in Deutschland noch nie eine so schöne Bibliothek oder Bücherei gesehen, die auch nur annähernd an meine romantischen Klischeebilder amerikanischer Buchparadiese herankommen würde. Mit Ausnahme der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar. Dort, im weißen Saal, könnte man im weißen Brautkleid bestimmt tolle Fotos machen – in Schlappen, damit man den Fußboden schont. Auf dem Pinboard habe ich vielleicht gerade deshalb viele Bilder von Freiluft-Hochzeitsorten gesehen, die unter Pavillons in der Natur gefeiert, mit viel bibliophiler Tischdekoration aufgepeppt und einem Bücherbogen für das Brautpaar vollendet wurde. Diese Variante hat mich mehr überzeugt, da eine Bibliothek mit dunklem Holz zwar urgemütlich, für eine Hochzeitsgesellschaft allerdings vielleicht zu beklemmend wirkt.


Das Brautkleid, das wichtigste an einer Hochzeit überhaupt! Wie viele Bilder ich doch von Kleidern aus Büchern und Papier gesehen habe! Kunstvoll gefaltet, geklebt und gebunden, doch allesamt sahen sie nicht so schön aus wie erhofft. Papier ist halt doch ein wenig steif. Mein bibliophiles Hochzeitskleid würde ich eher klassisch halten, ohne Rüschen, aber mit leichter Schleppe und viel Tüll. Ein echtes Feenkleid eben, und dieses würde ich mit typografischen Accessoires aufpeppen. Vielleicht am Saum einen Stoff einnähen lassen, der wie Buchseiten aussieht? Oder einen Gürtel, der ähnlich aussieht wie der typografische Schal, den ich auf Pinterest entdeckt habe und den es auch in Weiß gibt?


Des Weiteren gibt es ganz viele Möglichkeiten, unauffällig das bibliophile Thema aufzugreifen: Wie wäre es mit Buchstaben-Nägeln? Oder weiße Pumps mit demselben Muster, die nur beim Tanzen aufblitzen? Manschettenknöpfe beim Mann? Oder eine durchsichtigen Schleier mit diesem Muster? Am meisten begeistert hat mich die Idee eines Blumenstraußes aus Papier und Perlen, denn es gibt nichts, was ich mehr hasse als Blumensträuße. Warum?


Ich gebe es zu, ich habe einen kleinen Pflanzentick. Deshalb finde ich es ziemlich pervers, dass sich Menschen über sterbende, tote Blumen freuen. Die müssten sich doch auch über einen Strauß tote Ratten freuen? Da bekomme ich lieber die Pflanze im Topf, aber doch keine toten Blumensträuße! Und deshalb sind Papierblumensträuße eine wunderbare Alternative für mich. Der Strauß in Herbstfarben gefällt mir besonders gut, mal schauen, ob ich so etwas mal probeweise nachfalten werde, denn ich bastle auch gerne. Einladungskarten wären bei einer literarischen Hochzeit eine weitere Möglichkeit, sich dahingehend auszutoben. Ich habe als Bildbeispiel eine sehr schlichte Einladungskarte gewählt. Ich habe eine Schrift, die Jane Austens Handschrift nachempfunden sein soll, die ähnlich aussieht. Ich habe allerdings auch schon Einladungskarten in Form von Lesezeichen gesehen oder Eulenfedern als Zugabe. Zur edlen Einladung auf Büttenpapier könnten noch aus Buchseiten ausgeschnittene Herzchen dazugelegt werden – dieses bibliophile Konfetti würde sich auch statt dem Reiswerfen eigenen.


In meiner Zeit in München habe ich – trotz fehlendem Backofen – meine Begeisterung für das Backen entdeckt. Deshalb wäre der perfekte, bibliophile Hochzeitskuchen ebenfalls ein großes Thema. Meine Bedingung in der Hinsicht? Es muss möglichst echt aussehen. Und lecker schmecken. Die meisten Torten fand ich dahingehend eher zu langweilig, und einige, die direkt wie Bücher aussahen, waren zu wenig Hochzeitskuchen, um mich zu begeistern.


Ganz süß hingegen fand ich die kleinen Cupcakes, die auf dem Bild mit den Büchern zwar eher der Tischdeko dienen, aber ich habe auch einige literarische Küchlein mit kleinen Marzipan-Büchern und anderen literarischen Motiven darauf entdecken können.


Tischdekoration - da wären wir auch schon beim nächsten Thema. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Hat man einen Tisch, gibt es Tischdecken oder Läufer mit Buchstaben drauf. Müssen kleine Gruppentische gedeckt werden, bieten sich zudem Farb- oder literarische Motive an: Der Jane-Austen-Tisch, die Papiertüten mit Fragezeichen beim Pynchon-Gruppentisch, purpurne Rotwein-Dekoration beim Goethe-Tisch. Und natürlich Bücher, nach Farben sortiert. Originell fand ich auch kleine Schreibmaschinen an den Tischenden. Vermisst habe ich Kerzen mit Textauszügen darauf. Oder Windlichter aus Buchseiten.


Neben dem perfekten Mann, dem perfekten Kleid, dem perfekten Ort-Kuchen-Strauß-Dekoration gehört bei mir der Fotograf zu einer Hochzeit dazu. Da Wortschatz und ich beide leidenschaftlich fotografieren, haben wir hohe Ansprüche. Ich habe mir meinen Traumfotografen schon auserkoren und er hat von mir schon indirekt Andeutungen bekommen (»Falls es irgendwann dazu kommen sollte, sei vorbereitet, sonst rede ich nie wieder ein Wort mit dir!«). Ebenfalls spannend finde ich den Gedanken, die Hochzeit in Zeitrafferaufnahmen festzuhalten – diesen Effekt finde ich wesentlich spannender und ästhetischer als schnödes Filmmaterial.


Doch zu einer Hochzeit wird es bei mir wahrscheinlich niemals kommen. Das versicherte mir mein Wortschatz mit ernstem Gesicht, aus einem einfachen Grund: Er könne es  nicht ertragen, vor dem Standesamt zu stehen und auf mich zu warten. Und ich komme nicht, weil ich mich schon wieder verlesen habe. Seufz!



Und zum Schluss noch sämtlich Ursprungsquellen, sofern man das über Pinterest nachvollziehen kann:

Samstag, 24. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 24. Dezember

Die Typografie


In jedem Buch wurde sie verwendet, mal mehr, mal weniger. Durch die Auswahl der verschiedenen Schriften, durch die Platzierung der Pagina, durch den Einsatz von Linien und Bildern, durch die Auswahl von Papier oder der Farbe des Einbands, durch das Spiel mit der Gestaltung: die Typografie.


Sie bezieht sich sowohl auf die gedruckten Bücher als auch auf die elektronischen Medien. Die gestalterischen Merkmale unterteilt man in die Mikro- und die Makrotypografie. Die Mikrotypografie wird auch Detailtypografie genannt und widmet sich den Kleinigkeiten: Wird eine Schrift mit oder ohne Serifen ausgewählt? In der Makrotypografie widmet sich der Setzer den groben Gestaltungsmerkmalen: Papierformat, Platzierung von Objekten wie Bilder, Schriftauszeichnungen.


Im Idealfall verdeutlicht die Typografie, was das Medium ausdrücken will, kombiniert sein Inhalt und seine Aussageabsicht und drückt diese visuell aus. Auch die Lesbarkeit ist ein wichtiges Thema.


Mit dem letzten Türchen wünsche ich Dir ein wunderschönes Weihnachtsfest und erholsame, buchgesegnete Feiertage.

Freitag, 23. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 23. Dezember

Die Kapitelüberschrift


Eigentlich bedarf dieses Türchen keine Erklärung. Eine Kapitelüberschrift trennt den Fließtext in verschiedene Abschnitte – nicht nur allein von der Formatierung, sondern auch inhaltlich. Das Wort Kapitel stammt übrigens aus dem Lateinischen (capitulum) und bedeutet übersetzt Köpfchen. Ich blättere selbst gerne in Büchern herum, um mir mit Hilfe der Kapitelüberschriften einen Überblick über das Layout zu verschaffen. Und nebenbei bemerkt: Erkennst du, welches Buch oben abgebildet ist? (-:

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 22. Dezember

Die Serifen- und Grotesk-Schriften


Was ist nun eine Schrift mit Serifen? Oder eine Grotesk-Schrift? Wer gerade ein wenig aufgepasst hat, weiß die Lösung vielleicht sogar schon. Die nächsten Zeilen sind in der Schrift Times New Roman geschrieben – es ist die bekannteste Schrift mit Serifen. Serifen sind die Linien, die den Buchstabenstrich abschließen. Verläuft der Strich senkrecht (I), dann schließen die Serifen waagerecht an den Enden oben und unten ab (I). Es gibt verschiedene Stärken und Rundungen, die eine Serife haben kann. An ihnen kann sogar die Schrift einer bestimmten Klassifikation zugeordnet werden. Serifen-Schriften sollen die Leserlichkeit eines Textes verbessern, sodass sie gerne beispielsweise bei belletristischen Titeln verwendet werden.

Anders sieht es dagegen bei der Grotesk-Schrift aus. Zu den bekanntesten Schriften gehören die Arial oder die hier verwendete Helvetica. Grotesk-Schriften haben keine Serifen (deshalb werden sie auch als Sans Serif bezeichnet), und ihre Strichstärke ist sehr ebenmäßig. Sie entstanden im 19. Jahrhundert, abgeleitet aus der Antiqua, und aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung Grotesk: Für die Menschen damals war die neue, serifenlose Schrift irgendwie sonderbar und entsprach nicht ihren Lesegewohnheiten. Heute wird die Serifenlose gerne in Fachbüchern verwendet, aber auch besonders gerne im Web: Wird der Text am Bildschirm immer kleiner, verringert sich die Lesbarkeit bei Schriften mit Serifen.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 21. Dezember

Das Kapitälchen


Nachdem MAJUSKEL und minuskel die Themen der letzten beiden Tage waren, steht heute das Kapitälchen im Fokus. Auch Kapitälchen sind Großbuchstaben, deren Höhe sich allerdings nicht anhand der der Versalien orientiert, sondern an der Normalhöhe der Kleinbuchstaben. Auch der Duktus und der Grauwert der Kapitälchen orientiert sich an den Kleinbuchstaben. So entsteht eine Auszeichnungsart, die im Text optisch sehr unauffällig ist. Ein Graus für jeden Setzer sind falsche Kapitälchen, die sich zwischen der Normal- und der Versalhöhe bewegen. Bei falschen Kapitälchen werden die Versalbuchstaben skaliert, was zu entweder viel zu großen oder zu hellen Buchstaben führt.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 20. Dezember

Die Minuskel


GESTERN WAR DIE MAJUSKEL HINTER DEM 19. TÜRCHEN VERSTECKT. kommen wir heute zu ihrem gegenstück: die minuskel. minuskel werden auch gemeine genannt und sind kleinbuchstaben. woher kommt letztendlich die bezeichnung? im lateinischen bedeutet minusculus übersetzt soviel wie eher klein.

Montag, 19. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 19. Dezember

Die Majuskel



Die Majuskel wird gegenwärtig synonym zu der Bezeichnung Versalien gebraucht und bezeichnet in der Typografie die GROSSBUCHSTABEN. Schriften, die nur aus Großbuchstaben bestehen, heißen deshalb Majuskel- oder Kapitalschriften. Ist mitten in einem Wort ein GroßBuchstabe enthalten, so spricht man von einer BinnenMajuskel. Majuskelschriften werden gerne als AUSZEICHNUNGSART für Buchstaben verwendet.

Sonntag, 18. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 18. Dezember

Die Marginalie


Marginalien sind kleine Notizen, Anmerkungen, Zusammenfassungen, Kommentare am Seitenrand, die handschriftlich oder gedruckt sein können. Marginalien bieten wertvolle Hinweise darauf, wie die Texte früher rezipiert worden sind. Ab und an finden sich auch reine Schreibübungen am Seitenrand wieder. In heutigen Fachbüchern fassen Marginalien oft einen thematisch begrenzten Absatz in wenigen Worten zusammen und dienen dem Überblick. Manche dieser Anmerkungen tauchen im Inhaltsverzeichnis wieder. Neben diesen nützlichen Marginalien gibt es auch unnütze Kritzeleien, die beispielsweise hin und wieder in Büchern aus der Bibliothek auftauchen und als Sachbeschädigung gelten.

Samstag, 17. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 17. Dezember

Die Fußnote


Hinter dem heutigen Türchen verbergen sich die Fußnoten. Gibt es zu diesem allgemein sehr bekannten Begriff überhaupt etwas zu sagen? Aber sicher doch, überraschenderweise sehr viel. Es wird vermutet, dass Fußnoten sich aus den Marginalien entwickelt haben – also kleinen Randnotizen. Gegenwärtig ist die Verwendung von Fußnoten durch die DIN 5008 geregelt: Sie besagt, dass alle Fußnoten mit einer Anmerkungsziffer im Fließtext verbunden sein müssen. Oder dass sie auf derselben Seite stehen müssen wie der Grundtext. Außerdem muss mindestens eine Leerzeile oder ein Fußnotenstrich als Trennung zwischen dem normalen Text und den Fußnoten stehen. Fußnoten sorgen dafür, dass die Anmerkungen und Quellennachweise den Lesefluss im Fließtext nicht stören und sehen optisch aufgeräumter aus. Alle Fußnoten zusammengenommen werden Anmerkungs- oder Fußnotenapparat genannt. Und es gibt sogar einen Unterschied zwischen Fußnoten und Endnoten: Letztere stehen nicht auf derselben Seite wie die dazugehörigen Anmerkungsziffern, sondern befinden sich gesammelt beispielsweise am Ende des Kapitels oder des Buchs.

Freitag, 16. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 16. Dezember

Der lebende und der tote Kolumnentitel


Heute geht es um die lebenden und toten Bestandteile einer Buchseite. Klingt zunächst abschreckend, ist aber eigentlich sehr harmlos. Eine Seite heißt in der Fachsprache der Buchsetzer Kolumne und jede Seite kann deshalb einen Kolumnentitel haben. Man unterscheidet zwischen lebenden und toten Kolumnentitel.


In Deutschland haben die meisten Belletristiktitel nur tote Kolumnentitel: Sie bestehen nur aus der Seitenzahl, der Pagina, die deshalb auch Kolumnenziffer genannt wird. Sie kann überall auf einer Seite platziert sein. In den meisten Fachbüchern gibt es neben der Seitenzahl oft weitere Angaben, die dann lebende Kolumnentitel genannt werden. Dazu gehören neben der Seitenzahl beispielsweise die Bezeichnung, zu welchem Kapitel die Seite gehört, wie es heißt und wie der Untertitel ist.


Donnerstag, 15. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 15. Dezember

Die Pagina


Mit der Bezeichnung Pagina können viele bestimmt erst einmal nicht sehr viel anfangen. Sie wird auch Kolumnenziffer genannt, was uns der Sache schon etwas näher bringt, denn hinter der Pagina versteckt sich die Seitenzahl eines Buches. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt Seite. Die Seitenzahl sorgt dafür, dass jede Seite eines Buches einer fortlaufenden Zahl zugeordnet ist. Dadurch können bestimmte Seiten einfach und schnell herausgesucht und aus den Büchern zitiert werden. Die Pagina hat keinen festgeschriebenen Platz auf einer Buchseite und kann oben oder unten, links oder rechts an den Stegen platziert sein.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 14. Dezember

Der Zeilendurchschuss


Jeder Satz hat einen Zeilendurchschuss. Entweder hat man einen durchschossenen oder einen kompressen Satz. Der Zeilendurchschuss ist am einfachsten zu erklären, wenn wir einen Blick in die Vergangenheit werfen: Beim Bleisatz gab es Blindmaterial, mit denen Lücken geschaffen und Zwischenräume hergestellt wurden. Es waren schmale Bleistücke, die beim Setzen zwischen die Typen wanderten. Um einen Zeilendurchschuss zu erzeugen, landete dieses Blindmaterial zwischen die Zeilen. Hier erklärt sich auch der Unterschied zwischen dem Zeilenabstand und dem Zeilendurchschuss, die gerne miteinander verwechselt werden: Der Zeilenabstand beginnt von einer Grundlinie und endet bei der nächsten. Der Durchschuss hingegen beginnt in einer Zeile bei der Unterlänge einer Minuskel und endet in der nächsten Zeile bei der Oberlänge einer Versalie, sofern sie noch über die Oberlänge einer Minuskel ragen (kursiv im Text markiert). Der Unterschied ist leicht und nachvollziehbar, wenn man sich den Bleisatz vorstellt und geistig die Lücken zwischen den Zeilen füllt.

Dienstag, 13. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 13. Dezember

Das Hurenkind und der Schusterjunge


An dieser Stelle ein kleiner Gruß an die liebste Buchhändlerin meiner Timeline, der ich das heutige Türchen widme, auch wenn das Thema zunächst wohl etwas wüst klingt. (Nein, die Begriffe haben nichts mit Dir zu tun, liebe MH!) Was ist eigentlich ein Schusterjunge und was um Himmels Willen hat ein Hurenkind mit Büchern zu tun? Man stelle sich einen Absatz in einem Buch vor. Beginnt er in der letzten Zeile einer Seite und setzt sich auf der anderen Seite fort, spricht der Setzer von einem Schusterjungen bzw. einem Waisenkind. Wenn nun aber die letzte Zeile des Absatzes auf der nächsten Seite in der ersten Zeile aufhört, hat man ein Hurenkind vor sich, auch Hundesohn oder Witwe genannt. Leider habe ich für mein heutiges Bild nur ein Beispiel für einen Schusterjungen gefunden (Es dauerte lange, bis ...), aber jedes Mal, wenn ich überhaupt einen finde, muss ich den Kopf schütteln, denn Hurenkinder und Schusterjungen gelten als schwere, unverzeihliche, typografische Fehler. Es sieht einfach nicht schön aus und stört das Aussehen des Satzspiegels.

Montag, 12. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 12. Dezember

Die Punze


Heute erkläre ich Dir einen meinen liebsten Begriffe aus der Typografie: Die Punze. Auf dem Bild ist eine mehr oder weniger weihnachtlich umrahmt: Das große A hat eine geschlossene Punze – es ist die umschlossene Innenfläche des Buchstabens, das kleine, spitze, weiße Dreieck im Mittelpunkt. Zu den offenen Punzen gehören die Buchstaben h, m, n und u. Der Begriff stammt aus dem Hochdruckverfahren, als die Zwischenräume der Buchstaben mit einem spezielle Werkzeug ausgeschlagen wurden. Im Englischen verbirgt sich dahinter das Verb to punch (etwas schlagen).

Sonntag, 11. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 11. Dezember

Die Ligatur


Als Nicht-Lateiner wird auf dem ersten Blick vielleicht nicht ersichtlich, was eine Ligatur sein könnte. Übersetzt bedeutet der Begriff Verbindung, und genau so funktioniert sie auch: Es ist eine Art Verschmelzung von mindestens zwei Buchstaben. Doch warum ist das nötig? Einige Buchstaben sind in manchen Kombinationen einfach unschön. Es können Lücken entstehen oder sogar ungewollte, hässliche Verschmelzungen. Um dies zu vermeiden, gruppierte man die Kombination bewusst und harmonisch, sodass eine Ligatur entstand. Häufig passierte dies bei Buchstabenfolgen mit Oberlängen. Im Satz sparte man sich zudem bei Kombinationen wie sch Zeit, wenn man statt drei Typen nur eine nahm. Mit Hilfe von Ligaturen ist nicht nur das Schriftbild hübscher – auch die Lesbarkeit steigt.

Samstag, 10. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 10. Dezember

Die Schriftauszeichnung


Hinter dem Wort Schriftauszeichnung verbirgt sich einfach ausgedrückt das Hervorheben eines oder mehrerer Wörter in einem Text. Es gibt viele Möglichkeiten, wie dies passieren kann. Im ersten Foto ist eine aktive Auszeichnung in den Fokus gerückt: Die wichtige Passage ist durch eine fette Schrift gekennzeichnet. Außerdem können auch Versalien zum Einsatz kommen. Zu viele aktive Schriftauszeichnungen in einem Text können den Lesefluss stören, da sie die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich ziehen.


Auf dem zweiten Bild ist eine integrierte Auszeichnung zu sehen: Die Bildunterschrift ist mit einer anderen Art der Strichstärke gestaltet worden, die in diesem Fall kursiv ist. Auch Kapitälchen gehören in diese Kategorien, Sperrungen. Daneben gibt es noch die negative Auszeichnung, wenn in einem fett gesetzten Text magere Schriften zum Einsatz kommen. Auch andere Farben, Unterstreichungen und Einzüge können als Schriftauszeichnung genutzt werden.

Freitag, 9. Dezember 2011

Adventskalender 2011 – 09. Dezember

Die Schriftgröße und der Schriftgrad


Die Schriftgröße ist sehr einfach zu definieren: Sie umfasst die Höhe der Buchstaben, einschließlich der Ober- und Unterlängen. Das interessante ist hier vielleicht, dass die Schriftgröße in Millimetern gemessen wird, was sich allerdings bis heute nicht durchgesetzt hat – besonders nicht im DTP. Welche Einheit wird stattdessen verwendet? Der typografische Punkt mit 0,376 Millimetern, der wiederum nicht von der Schriftgröße, sondern vom Schriftgrad kommt. Was ist nun der Unterschied zwischen der Schriftgröße und dem Schriftgrad? Letzteres ist eigentlich ein technisches Maß aus der Zeit, als sich das Schriftbild (also ein Buchstabe) auf einem Schriftkegel (zum Beispiel einem Bleiletter) befand, der eine bestimmte Abmessung hatte, sodass sich der Buchstabe in einem vordefinierten Raum befand ([x]). Übrigens gibt verschiedene Höhen: Die Versalhöhe ist durch einen Großbuchstaben vorgegeben, und Buchstaben, die die Mittellänge über- oder unterragen, haben eine Ober- beziehungsweise eine Unterlänge.