Freitag, 7. Dezember 2012

Eigenes Projekt – BuchKarriere



Vor einem Jahr nagte an mir eine ganz besondere Idee. Ich sprach mit Kollegen, tüftelte aus und hatte schnell das Gefühl: Ich brauche jemanden, mit dem ich dieses ganz besondere Projekt umsetzen kann. Jemanden, bei dem ich das Gefühl hatte, das es passen könnte. Und wir beide diese Idee mit viel Herzblut umsetzen könnten.

Mit der Kirsche fand ich diese Person. Mitte November 2011 trafen wir uns in München auf der Bücherschau und heckten im Gasteig unsere Idee aus. Es folgten unzählige Skype-Sessions, weitere Treffen und schließlich nahm unsere Idee Formen an und fand im Dezember endlich einen Namen: BuchKarriere – Dein Platz in der Buchbranche.



In unserer Idee geht es darum, eine Kommunikationsplattform für den Nachwuchs und die Arbeitgeber der Buchbranche zu schaffen. Wir beide sind Menschen, die gerne anpacken und produktiv arbeiten. Gibt es ein Problem, wollen wir es lösen. Und wir beide haben in der Buchbranche das Problem erlebt, was zu wenig Kommunikation auslösen kann.

Auf der einen Seite steht der Nachwuchs der Buchbranche: Junge Akademiker im Studium oder kurz vor dem Abschluss, Berufseinsteiger, Auszubildende, Praktikanten und Volontäre. Sie alle haben in den letzten zwei Jahren mehrfach auf die prekäre Arbeitssituation der Buchbranche hingewiesen. Es gibt zu viele unbezahlte Praktika und sehr viele schlecht bezahlte Einstiegsjobs. Gemeckert worden ist viel, passiert ist nichts.



Auf der anderen Seite stehen die Arbeitgeber. Zunächst haben wir uns in der Zielgruppe auf Verlage spezialisiert, werden demnächst aber auch weitere Arbeitsgruppen wie Buchhändler, Bibliothekare, Literaturagenturen und andere buchnahe Dienstleister dazunehmen. Diese Gruppe hat wiederum massive Probleme, an gute qualifizierte Kräfte zu kommen. Das mag man nicht glauben, aber in sehr vielen Gesprächen konnten wir genau diesen Unmut feststellen. Passiert ist auch hier nichts.



Mit BuchKarriere sind wir im März 2012 auf facebook online gegangen und haben inzwischen über 1200 Fans. Wohlgemerkt, innerhalb etwas mehr als acht Monaten. Parallel bauten wir uns auch Accounts auf twitter, auf Pinterest und auf tumblr auf. Während des ganzen Jahres werkelten wir zudem an einer eigenen Homepage herum, beauftragten einen Webdesigner, sich um die Nutzeroberfläche zu kümmern, eine Grafikerin bastelte uns das Logo. Wir fertigen Werbematerialien an, knüpften Kontakte zu Verlagen und Berufseinsteigern und werkelten während der Zeit an den Inhalten herum. Mit Juristen haben wir eine aktuelle Übersicht erschaffen, welche Rechte ein Praktikant und ein Volontär hat. Zudem haben wir wichtige Termine für junge Nachwuchsleute gesammelt. Im Bewerbungs-ABC widmen wir uns in Interviews wichtigen Fragen für Berufseinsteiger: Wie ist der Arbeitsalltag eines Lektors aus? Wie sieht das Ausbildungsprogramm beim Verlag XY aus? Welche Bewerbung punktet beim Personaler? Was für Wissen setzen die Arbeitgeber voraus? Und natürlich: Wie sah der Berufseinstieg von jungen Nachwuchsleuten aus? Ein Herzstück der Plattform ist zudem eine Verlagslandkarte mit über 800 Verlagen in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Luxemburg. Wir entwarfen Mock-ups und arbeiteten mit einem Programmierer zusammen, der für uns bald eine fehlende Jobbörse nur für Berufseinsteiger der Buchbranche erschaffen wird ... und natürlich das Verlagsranking, unsere wichtigste Entwicklung.



Jeder Praktikant und Volontär der Buchbranche kann bei uns nämlich seine ehemalige Arbeitsstelle bewerten. Das ganze ist völlig anonym und die Ergebnisse gehen erst ab drei Bewertungen online. Ein Pranger ist das Verlagsranking jedoch auf keinen Fall, denn die Stellen können nur mit Hilfe eines Multiple-Choice-Fragebogens bewertet werden. Die gebündelten Ergebnisse sollen nachfolgenden Praktikanten und Volontären einen Anhaltspunkt geben, ob sich die Arbeitsstelle lohnt: Wird man gut betreut? Lernt man viel und hat tolle, verantwortungsvolle Aufgaben? Wie sieht es mit dem Gehalt oder anderen Boni aus? Wir listen alles auf und machen so den Arbeitsmarkt der Buchbranche transparent. Davon profitieren auch Verlage, die um guten Nachwuchs buhlen: Durch das Feedback können sie ihr Ausbildungsprogramm optimieren.

Einen Höhepunkt durften wir während der Frankfurter Buchmesse 2012 erleben, als wir den Thienemann Verlag als besten Arbeitgeber der Buchbranche auszeichnen durften. In Zukunft hoffen wir, Recruiting-Days organisieren zu können. Diesbezüglich sind wir schon im Gespräch mit einer großen Akademie.

Im November dann der Schock: Unser Provider hatte versehentlich (!) unsere Domain gelöscht. Noch am selben Tag hat sie ein Domain-Broker aus Frankreich gekauft und wir standen plötzlich an einem Freitagnachmittag ohne Plattform da. Nach und nach stellten wir den Kontakt zu unserem Provider her, versuchten den neuen Anbieter zu kontaktieren, riefen den neuen Provider an, der wiederum den Kontakt zum neuen Käufer herstellte, wandten uns dann der denic zu, stellten einen Dispute-Antrag, denn der neue Käufer hatte komplett falsche Datenangaben gemacht und ließ über den neuen Provider ausrichten, dass er 1500 Euro für die Domain haben wollte. Ende November kam schließlich die erlösende Nachricht von der denic: Nach einer Abmahnung wegen den komplett falschen Angaben wurde uns unsere Domain wieder zugesprochen. Derzeit sind wir gerade dabei, die verlorene Zeit aufzuholen, den Provider zu wechseln und unsere Nerven zu beruhigen.




Weitaus positiver sind die Rückmeldungen für unser Projekt: Von Verlagen und Studenten haben wir bislang unheimlich viel Lob bekommen. Auch die Presse hat fleißig über uns berichtet, zum Beispiel mehrfach das Börsenblatt, die Jungen Verlagsmenschen und auch die STUZ. Nach der Messe konnten wir unsere erste Sponsorin gewinnen und wir freuen uns jetzt auf unsere Jobbörse, das Verlagsranking und hoffentlich auf ein fleißiges Redaktionsteam, das wir koordinieren können. In Zukunft wollen wir zudem BuchKarriere-Apps anbieten und haben sehr viele Ideen. Wir sind sehr aufgeregt und hoffen, dass unser Ziel irgendwann in Erfüllung geht, die Kommunikation zwischen dem Nachwuchs und den Arbeitgebern der Buchbranche zu verbessern. Denn nur so können wir uns besser aufeinander anstellen, um die Hürden der Zukunft erfolgreich zu meistern.

Kommentare:

  1. Ich finde das wirklich großartig und toll für was ihr euch einsetzt. Der Spruch "Ich wäre gerne ein Bücherwurm ..." ist super - love it.

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  2. Die Kirsche freut sich einfach nur riesig mit dir das Projekt umzusetzen, stemmen und bewältigen zu dürfen :)
    Und wieder einmal: Es ist unglaublich wie toll wir beide zusammen arbeiten!

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