Montag, 15. August 2011

»Back to Offline« – Zwischenbericht


Nach meiner Ankündigung ist es um die Aktion »Back to Offline« recht ruhig geworden. Inzwischen sind drei Monate vergangen, und ich möchte ein kleines Zwischenfazit ziehen.

Resonanz
Nach der Idee, der Entwicklung des endgültigen Konzepts und meinem Posting habe ich viele positive Rückmeldungen erfahren. Es waren nicht nur die Leser, sondern vor allem die Buchhandlungen, die sich über »Back to Offline« gefreut haben. Verständlich, sind es doch vor allem sie, die von meiner Idee zurecht profitieren. Die Buchhandlung Stöppel hat meinen Beitrag sogar auf ihrer Homepage vorgestellt und verlinkt. Vielen Dank dafür, vor allem an Herrn RS. Dass »Back to Offline« sogar während des Frankfurter Buchcamps erwähnt wurde, hätte ich am Anfang meiner Aktion wirklich niemals erwartet.

Einkaufen – Online? Nein, danke! 
In den ersten paar Wochen fiel es mir gar nicht so schwer, enthaltsam zu bleiben. Leider rutschte ich in eine sehr stressige Arbeitsphase, sodass mir sowohl die Zeit als auch der Anlass fehlte, mir überhaupt Bücher zu kaufen. Dann folgten vor wenigen Wochen die ersten Gelegenheiten, bei denen ich Bücher kaufen musste. Von zwei Beispielen mag ich im folgenden berichten. Ich war bislang seit dem 3. Mai 2011 enthaltsam geblieben.

Die Herausforderung: Ein Buch aus dem Jahr 2009
Agota Kristof starb, und noch in der Nacht bestellte ich bei meinem Stammbuchhändler ihr bekanntestes Werk »Das große Heft«. Laut dem Online-Katalog war es verfügbar, obwohl Piper es seit April 2009 im Angebot hat. Schwierig. Nach einem Tag fuhr ich in die Buchhandlung, um es wie gewohnt nach 11 Uhr abzuholen. Es war nicht da, der Barsortimenter hatte Lieferschwierigkeiten, und die Buchhändlerin konnte mir kein Datum nennen, an dem es ankommen könnte. Da ich als Buchwissenschaftlerin um die Mechanismen weiß, die hinter so einem speziellen Fall arbeiten, hatte ich Verständnis – ein ahnungsloser Kunde hätte es vielleicht nicht gehabt. Ich bezweifle aber sehr stark, dass es über Amazon schneller gegangen wäre. Nur drei Tage später rief mich meine Buchhandlung zu Hause an, und beim Abholen suchte mir die Buchhändlerin eine besonders hübsche Tüte aus.

Die Suche nach dem Paradies in der Seitenstraße
Es gibt Tage, an denen ich in Wiesbaden, Mainz und Frankfurt unterwegs bin. Letzte Woche war ich zuerst in Wiesbaden und wollte mir danach ein Buch für meine Mama zum Geburtstag am nächsten Tag mitnehmen. Da ich mich in Wiesbaden nicht gut genug auskenne, fuhr ich nach Mainz, um dort nach einer unabhängigen Buchhandlung zu suchen. In Wiesbaden fielen mir spontan nur zwei Buchhandlungen ein: die eine hat zusätzlich noch ein modernes Antiquariat und die andere kleine Buchhandlung ist leider umgezogen (muss noch herausfinden, wohin eigentlich).
In der Mainzer Altstadt wanderte ich zunächst vom Schmuckgeschäft zur Parfümerie und entschied mich dann doch für das Buchgeschenk. Aber wohin jetzt nur mit meinem Drang, ein Buch zu kaufen? Der Hugendubel schied aus, die Wohlthatsche Buchhandlung ebenfalls. Beim Blick auf das Wahrzeichen dämmerte es dunkel: Beim Dom entdeckte ich die kleine Mainzer Dom-Buchhandlung, ein Ort, an dem ich mich unheimlich wohl gefühlt habe: Wände voller Suhrkamp-Titel, eine kleine Ecke mit Kinder- und Jugendbüchern und jede Menge Titel zu Philosophie und vor allem zu Religion und dem Mainzer Dom. Ein wenig versteckt war ein kleines Regal mit den aktuellen Bestsellern – eher Alibimäßig ausgestellt, denn die normale Stammkundschaft hat bestimmt Ahnung vom Lesestoff und kommt nicht wegen Stephenie Meyer oder Stieg Larsson in die Dom-Buchhandlung. Leider entsprach meine Mutter jedoch genau jener Zielgruppe, die in dieser Buchhandlung nie und nimmer etwas für sich finden könnte. Während ich den Alibi-Stapel durchwühlte, entspann sich hinter mir eine Diskussion zwischen dem Buchhändler und einem Kunden, ob dieser oder jener Schriftsteller besser sei. Der Name sagte mir nichts. Ich verließ die Buchhandlung ohne Buch und beschloss, in meine Stammbuchhandlung zu fahren. Nein, noch hab ich kein Internetfähiges Handy, was mir hier zum Verhängnis wurde. Sind es eigentlich immer nur die großen Buchhandlungen, die einem präsent im Gedächtnis bleiben? Beim Bücherhaus Jansen entdeckte ich jedenfalls einen Titel, der genau passte: »Für immer, Vivienne« von Margaret Leroy. Liebesgeschichte, eingebettet in einen historisch interessanten Kontext, Hauptfigur eine Mutter mit zwei Töchtern, die am Meer lebt. Perfekt.

Mein Fazit
Nein, bislang hatte ich mit dem Kaufen in den Buchhandlungen an sich überhaupt keine Probleme. Die Buchhändler waren allesamt super nett und beim Plausch erfuhr ich so einige interessante Sachen: Gedanken, Ideen, Ängste, Hoffnungen, die die Zukunft der stationären Sortimenter so mit sich bringen könnte. Was ich für die nächsten Monate allerdings dringend brauche ist eine Landkarte, auf der alle wichtigen Buchhandlungen der Umgebung eingezeichnet sind, mitsamt dem Schwerpunkt. Das hätte mir bei meinem letzten Einkauft einiges Umherirren erspart. Oder gibt es so etwas vielleicht sogar im Netz?

Wie geht es weiter?
Mein Projekt geht weiter, natürlich. Drei Monate und zwölf Tage sind bislang geschafft: Kein Online-Einkauf, keine Buchhandelskette. Derzeit erarbeite ich das Konzept, wie und welche Fragen ich den Buchhändlern bei einem Interview stellen könnte. So bald wie möglich möchte ich durch die Buchhandlungen pilgern und meine Fragen stellen. Ich bin gespannt, was für Antworten ich bekommen werde.

Kommentare:

  1. Liebe Büchereule,

    nachdem ich dich auf Twitter entdeckt habe - und beschämt feststellen musste, dass du meinen Blog schon längst kennst, wollte ich hier auch nochmal anklopfen: Dein Blog ist großartig und ich werde hier ab jetzt regelmäßig reinlinsen und kommentieren. Magst du verraten, was du beruflich genau machst?

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  2. Guten Abend liebe synaesthetisch,
    Bücher und Fotografie ziehen mich magisch an, und zwangsläufig landet man dann unter anderem bei dir :) Derzeit bin ich hochoffiziell noch Studentin im Endstadium (Buchwissenschaft und Komparatistik), arbeite nebenbei aber für eine Lokalzeitung, für zwei Verlage, ein Bücher-Medien-Magazin und noch so zig andere Kleinigkeiten. Mein Buch-Blog ist derzeit eine angenehme Freizeitbeschäftigung, die ich demnächst noch ausbauen werde. (Hoffentlich.)

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  3. Liebe Büchereule,

    wie kommt man denn zu solch spannenden Nebenjobs, erzähl' mal!

    Liebe Grüße
    Svenja

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  4. Ganz hochoffiziell und total unspektakulär: Bewerbung, Bewerbung, Bewerbung, Zufall. Eigentlich und merkwürdigerweise ohne Vitamin B. Bei meinen Hauptjobs hatte ich sogar immer ein schnödes Bewerbungsgespräch :)

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